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Battlefield V - Der letzte Tiger: Urs Remond über die viel diskutierte Kriegsepisode

Der Zweite Weltkrieg aus Sicht einer deutschen Tiger-Besatzung: Die Macher von "Battlefield 5" gingen mit ihrer Kriegsgeschichte "Der letzte Tiger" ein großes Risiko ein. Wir konnten mit Darsteller Urs Remond, der im Singleplayer-DLC die Rolle des Panzer-Kommandanten "Peter Müller" übernimmt, ausführlich über den aufwändigen Dreh und die Angst vor der falschen Message sprechen.

Urs Remond als "Peter Müller" in "Battlefield V: Der letzte Tiger"
Mit Schauspieler Urs Remond sprachen wir über "Battlefield V - Der letzte Tiger"! EA/DICE

Die "Tides of War" schreiben ein neues Kapitel: Seit dem Release von "Battlefield V" versorgt Entwickler DICE die Spieler mit regelmäßigen Updates und kostenlosen DLCs für sein Multiplayer-Epos. Mit "Der letzte Tiger" wurde nun auch der Singleplayer um die möglicherweise intensivste Kriegsgeschichte bisher erweitert. Doch schon im Vorfeld der Veröffentlichung gab es durchaus kontroverse Diskussionen: Schließlich spielt die neue Kriegsgeschichte überwiegend an Bord eines deutschen Tiger-Panzers, wo wir die Geschichte des Panzerkommandanten Peter Müller und seiner Crew hautnah miterleben. Ist die Gefahr nicht groß, dass die Kriegsepisode möglicherweise von den falschen Leuten instrumentalisiert werden könnte?

Auch dazu äußerte sich der Schweizer Schauspieler Urs Remond im Interview mit TVMovie.de. Zwar wurde der 54-jährige Darsteller in Deutschland vor allem durch Rollen in "Medicopter 117", "Alarm für Cobra 11", "Tatort" und ähnliche TV-Formate bekannt, doch das Drehen für ein aufwändiges Videospiel war ihm nicht komplett fremd. Was ihn beim Dreh am Meisten überrascht hat und wie die Community auf „Der letzte Tiger“ reagiert hat, verriet uns Urs Remond im nachfolgenden Interview:

Urs Remond über seine Rolle in "Battlefield V - Der letzte Tiger"

TVMovie.de: Wie sind Sie zur Rolle in Battlefield V – Der letzte Tiger gekommen?

Urs Remond: Vor vielen Jahren habe ich an einem Stimm-Casting teilgenommen. Bethesda suchte damals für Wolfenstein einen deutschen Sprecher, der die Original-Stimme mit einem leichten deutschen Akzent sprechen kann. Ich hatte das große Glück ausgewählt zu werden und habe dann meine ersten Erfahrungen im Bereich Motion-Capture gemacht. Bei der Gelegenheit lernte ich auch den Regisseur Tom Keegan kennen. Er war damals auch derjenige, der mich für eine Rolle in Battlefield 1 vorgeschlagen hatte. Damals war das Spiel auch noch etwas anders angedacht - mit einer großen, umfassenden Geschichte. Später hat man sich schließlich für Episoden entschieden.

Ich musste für Battlefield 5 dann natürlich auch den kompletten Casting-Prozess durchmachen. Aber letztendlich hat man sich glücklicherweise für mich entschieden.

Es geht beim Motion Capture nicht nur um Ihre Stimme. Was hat Sie beim Prozess am meisten überrascht?

UR: Es ist auch in der Gaming-Community immer noch ein großes Missverständnis, dass es sich bei meiner Rolle um reines Voice Acting handeln würde. Wir haben alle Szenen in der Kriegsepisode auch eins zu eins so gedreht und im O-Ton gesprochen, wie sie im Spiel zu sehen sind. Was mich sehr fasziniert hat, ist die Tatsache, wie aufwändig und global dieser Prozess ist.

Ich war in Novy Sad, Serbien, wo mein Kopf mit den unterschiedlichsten Gesichtsausdrücken in einer Kuppel, die mit hunderten von Kameras bestückt ist, gescannt wurde. In Schweden haben wir die Szenen der Kriegsgeschichte dann aufwändig im Studio gedreht, u.a. mit einem maßstabsgetreuen Tiger-Panzer-Modell. Während man beim Film manchmal vom One-Take-Wonder, also der perfekten Aufnahme in einem Take spricht, ist es beim Game-Dreh scherzhaft das 17-Take-Wonder. So eine detailverliebte Arbeit habe ich bei einem konventionellen Dreh eher selten erlebt!

Wenn deutsche Soldaten im Zweiten Weltkrieg in Film- und Fernsehen porträtiert werden, wird oft versucht eine gewisse Distanz zu den Figuren beizubehalten. In der Kriegsepisode in Battlefield V, die ja auch auf sehr engem Raum spielt, empfindet man auch eine gewisse Empathie mit den Kriegsverbrechern. Hatten sie da im Vorfeld eine gewisse Skepsis?

UR: Meine erste Berührung mit dieser Geschichte war in Form des Castings. Und dabei handelte es sich um Szenen, die im fertigen Spiel so nicht vorkommen. Und schon damals war sehr deutlich zu erkennen, in welche Richtung dieses Spiels gehen wird. Es war von Anfang an klar, dass es um keine Heroisierung gehen sollte, ganz im Gegenteil. Mit uns Darstellern wurde im Vorfeld auch viel über die Thematik diskutiert. So habe ich die Verantwortlichen, das ganze Team, also schon in einem frühen Stadium als aufgeklärte, tolerant denkende und liberale Menschen kennengelernt und brauchte mir keine Sorgen zu machen. Im Netz treibt sich ja viel aggressives und politisch fragwürdiges Potential rum, Hater und Trolle. Es sollte in jedem Fall vermieden werden, diese zu füttern. Der Gamer identifiziert sich in gewisser Weise mit den Protagonisten und durch diese Identifikation findet fast automatisch eine kritische Auseinandersetzung mit der Thematik, der Ideologie statt. Wenn man sich die Reaktionen der Spieler in Foren und Blogs durchliest, dann hat das Ganze funktioniert.

Battlefield V Der letzte Panzer
Battlefield V - Der letzte Panzer!          EA/DICE

Gerade weil die Episode nach dem Hauptspiel veröffentlicht wurde, war die Aufmerksamkeit darauf natürlich da. Wie groß war die Anspannung bei allen Beteiligten?

UR: Die Anspannung war bei allen spürbar. Der Dialog mit den Autoren, mit dem Regisseur und den Entwicklern des Spiels ist auch immer noch da. Es ist eine mutige und heikle Geschichte. Auslöser für die Geschichte war ja der große Wunsch der Battlefield-Community, den Krieg auch einmal aus deutscher Perspektive zu erzählen und die deutschen Soldaten nicht nur wie üblich als das gesichtslose Böse darstellen. Uns war allen bewusst, dass wir uns damit auf dünnem Eis bewegen. Aber ich glaube dem Autor Steven Hall ist diese Gratwanderung gut gelungen, eine emotionale Geschichte über das Schicksal von Wehrmachtssoldaten in den letzten Kriegstagen zu erzählen, ohne diese im Geringsten zu heroisieren, sondern ganz im Gegenteil, mit diesen Soldaten auch beim Spieler ein Hinterfragen der Ideologie anzuregen. Das Feedback ist bisher auch extrem positiv ausgefallen. Viele bedauern sogar, dass die Kriegsgeschichte nur so kurz ist.

Sind Sie selbst ein Gamer?

UR: Ich habe gespielt. Ich erinnere mich noch gut an die ersten Lara Croft-Spiele. Irgendwann hat sich das erledigt. Tatsächlich wurde ich erst durch meine Rollen wieder damit konfrontiert. Mein 7-jähriger Sohn ist jetzt natürlich auch schon im Alter, wo er seine ersten Spiele ausprobiert. Ich musste eigentlich erst selber zu einer Spielfigur werden, um wieder mit dem spielen anzufangen - und das ist schon kurios!

Finden Sie es wichtig, dass der Zweite Weltkrieg in Film, Fernsehen und auch Videospielen derzeit immer noch so eine große Rolle spielt. Gerade auch in Zeiten, in denen es so einen frappierenden Rechtsruck in vielen Ländern gibt?

UR: Das ist eine sensible Geschichte. Das konnte ich anhand des Spiels miterleben. Diese Kriegsgeschichte erzählt tatsächlich etwas Biographisches, nämlich von Soldaten der Wehrmacht, die letzten Endes eben auch Menschen waren. Gleichzeitig positioniert sie sich mit ihren Hauptfiguren aber auch kritisch zu der Ideologie und regt vielleicht auch bei Spielern einen Prozess an, für die der Zweite Weltkrieg schon sehr weit weg ist. Wenn ich die Reaktionen der Community sehe, habe ich das Gefühl, dass da tatsächlich ein großer Gedankenaustausch stattfindet. Und das kann nur etwas Positives sein.

Interview & Text: David Rams



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