Silent Hill f im Test: Wer's nicht spielt, ist selber Schuld!
Die meisten Spin-offs der Horrorreihe waren ein Schuss in den Ofen – „Silent Hill f“ ist zum Glück die Ausnahme. Das erste Silent Hill mit Setting in Japan ist ein echt unheimliches Spiel voller Überraschungen.
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Das "Silent Hill 2“-Remake hatte es lange vor seinem Launch schwer: So zeigte die Community weder Vertrauen in Publisher Konami noch den Entwickler Bloober Team. Hauptgründe waren der nachlässige Umgang des japanischen Herstellers mit seinen Marken und die vermeintlich fehlenden Horrorkompetenzen des polnischen Spielemachers. Doch es kam nicht wie gedacht: Wider Erwarten wurde die Neuauflage ein klasse Horrorspiel, welches international und auch in unserem Test ordentlich Lorbeeren gewinnen konnte.
„Silent Hill f“ vom chinesischen Entwickler NeoBards Entertainment hat es nun beinahe ebenso schwer: Dieses Mal wurzelt der Argwohn der Fans vor allem im gänzlich neuen Setting des Spiels. Im Gegensatz zu allen anderen Teilen der Reihe spielt dieser hier überhaupt nicht in der titelgebenden nordamerikanischen Kleinstadt, sondern in einem ebenfalls fiktiven japanischen Dorf namens Ebisugaoka. Der Vorwurf also: Das ist nicht mehr „Silent Hill“!
Silent Hill f: Ein gänzlich anderes Spiel?
Und tatsächlich können wir euch direkt bestätigen: Ein klassisches „Silent Hill“-Spiel, wie ihr es kennt und liebt, ist der neue Teil nicht mehr. Die konkreten Gründe dazu lest ihr jetzt – ihr findet aber auch einen coolen Authentizitäts-Check am Ende des Artikels. Nun könnt ihr natürlich erzürnt den Bildschirm ausschalten oder das Smartphone an die Wand werfen – oder aber ihr gebt den Machern (und mir) eine Chance und lest unseren Test zum vielleicht überraschendsten Horrortitel des Jahres!
Schulmädchen im Stress
Doch worum geht's eigentlich in „Silent Hill f“? Nach einem heftigen Streit mit ihren Eltern stürmt die junge Hinako aus ihrem Elternhaus in den Bergen, um sich am Gemischtwarenladen mit ihren drei Freunden zu treffen. Auf dem Weg überrascht sie ein komplett verlassenes Dorf. Was ist geschehen? Als sie in Ebisugaoka eintrifft, warten bereits ihre Mitschüler:innen auf sie. Plötzlich aufziehender dichter Nebel unterbricht jedoch die eigenartig spannungsgeladene Konversation unserer Helden.

Dann bricht die Hölle los: Rote Ranken überwuchern in hohem Tempo die Umgebung und erwischen eine Schülerin, während ein riesiger Schemen aus dem Nebel wie ein Wirbelsturm den Rest in die heillose Flucht schlägt. Schnell getrennt von unseren Freunden, müssen wir jetzt einen Weg aus dem Dorf finden – und natürlich die Ursache dieses surrealen Alptraums.

Silent Hill f ist fordernd, aber kein Soulslike
Als sich der Sturm wieder gelegt hat, erkunden wir zusammen mit Hinako in aller Ruhe das Dorf. Ebisugaoka ist typisch japanisch und hat mit seinem Gewirr aus verwinkelten Gassen so gar nichts mit der klaren geometrischen Struktur des nordamerikanischen Originals zu tun. Konfus zweigen die engen Gänge in alle Richtungen ab oder münden in plötzlichen Vorsprüngen, kleine Ströme und Brücken durchbrechen das Stadtbild weiter. Ganz ähnlich wie in anderen Teilen ist jedoch das Gefühl der Isolation: Schnell fühlen wir uns völlig verloren, weil zusätzlich keine Menschenseele zu sehen ist und wir ganz alleine sind. Aber nicht lange!

Denn nicht lange lässt der erste Feind auf sich warten: Noch ohne Waffe, weichen wir einer entstellten, zusätzlich von Ranken überwucherten Kreatur aus, die etwas an die pilzverseuchten Monster aus „The Last of Us“ erinnert. Spätere Gegner variieren aber stark und gehen mehr in Richtung Puppe, organischer Fleischklops oder perverse Abwandlung einer Kabuki-Tänzerin. Was sie aber alle gemeinsam haben: Sie sind saugefährlich! Der Feind taucht plötzlich auf, drescht auf euch zu, packt euch oder überwindet sogar schnell mehrere Meter im Sprung. So erreicht das Grauen selbst höhergelegene Orte.

Manchmal könnt ihr dabei wie früher vorm Kampf davonlaufen, in der Regel kommt ihr um die offene Konfrontation aber nicht herum. Dann müsst ihr ausweichen, leicht und hart zuschlagen oder im richtigen Moment kontern. Immer im Blick habt ihr dabei auch die Ausdauerleiste, damit ihr nicht aus der Puste seid, wenn gerade ein Angriff kommt. Vor allem aus diesen Gründen drückte das Netz „Silent Hill f“ im Vorfeld auch den Soulslike-Stempel auf. Das ist aber wirklich zu keinem Zeitpunkt der Fall. „Silent Hill f“ ist einfach nur ein sehr forderndes Spiel. Apropos:
„Silent Hill f“ hat zwei Schwierigkeitsgrade, „Story“ und „Schwer“. Beide wendest du jeweils auf „Action“ und „Rätsel“ an. Im Gegensatz zu vielen anderen Games stehen die beiden Einstellungen jedoch nicht etwa für „einfach“ und eben „schwer“, sondern sind eher mit „fordernd“ und „sehr schwer“ vergleichbar. Wir fanden die Kämpfe auch auf „Story“ ziemlich knackig und die Rätsel auf „schwer“ etwas zu kryptisch. Hier hätten wir uns insgesamt also noch einen mittleren Schwierigkeitsgrad gewünscht. Für ein optimales Spielerlebnis empfehlen wir deswegen selbst Survival-Horror-Fans, beide Werte auf „Story“ zu stellen.
Die sich abnutzenden Waffen stören nicht
In die Kämpfe kommen wir aber schnell gut rein und lernen, wie der Feind tickt. Dennoch bleibt das Spiel in seiner Action anspruchsvoll, auch weil die Steuerung nicht perfekt ist. Hinako bewegt sich im Vergleich zu anderen Actionhorrorkollegen etwas steifer, während schwere oder aufladbare Fokusattacken gleichzeitig tricky zu timen sind. Ein echtes Manko ist das aber nicht. Gleiches gilt zum Glück auch für die sich abnutzenden Waffen. Rohre, Sensen oder Baseballschläger findet ihr genug und die Haltbarkeit ist hoch. Hier erwartet euch kein nerviges „Drei Schläge, kaputt, aargh!“-System wie etwa in „The Legend of Zelda: Breath of the Wild“.

Doch auch wenn „Silent Hill f“ im Vergleich zu seinem direkten Vorgänger den Fokus mehr auf Action legt, ist die Exploration dennoch wichtig. So erkundet ihr lieber jede Ecke, denn überall liegen hilfreiche Ressourcen herum (so begrenzt wie beim Survival-Horror-Kollegen „Cronos: The New Dawn“ sind diese nicht). Außerdem gibt es immer wieder ruhige Passagen. So bleiben wir zum Beispiel auf den verregneten Reisfeldern in einer Zeitschleife hängen undstarten immer wieder an derselben Stelle. Entkommen tun nur, wenn wir im Zuge eines Rätsels mit den korrekten Gegnern interagieren.

Zwei Welten, aber keine Parallelwelt
Stichwort Rätsel: Die finden übrigens mit wenigen Ausnahmen wie der oben meistens ganz woanders statt. „Silent Hill f“ wechselt nämlich regelmäßig zwischen zwei Welten. Bevor ihr jetzt aber an die Parallelwelt anderer „Silent Hill“-Teile denkt, in der ihr Variationen regulärer Level erkundet habt – die sucht ihr hier vergebens. Stattdessen verlässt Hinako die vermeintliche Realität des Dorfes zu bestimmten Szenen, indem sie abdriftet, träumt oder in Ohnmacht fällt – hier gibt sich das Spiel gewohnt ambivalent. So oder so erwacht sie aber nachts in einem unheimlichen nächtlichen Schrein.

Und wechselt „Silent Hill f“ in den fernöstlichen Tempel, ändert sich die Stimmung derweil schlagartig: Während wir im ländlichen Dorf primär an den bedrückenden Survival-Horror-Klassiker „Forbidden Siren“ denken, kommt uns hier vor allem die ziemlich gruselige „Project Zero“-Reihe in den Sinn. Echte Genre-Spezis erkennen vielleicht sogar From Softwares Underdog „Kuon“.
Doch Inspirationen hin oder her: Unter geschlossenen Dächern ist Neobards Neuinterpretation auf jeden Fall noch einen Tick gruseliger. Teils nur mit einer Laterne bewaffnet, schreiten wir durch die Dunkelheit (die ikonische Taschenlampe taucht im Spiel übrigens nicht auf) und werden von den grässlichen Monstern noch einfacher überrascht. Hier ist „Silent Hill f“ übrigens auch am hübschesten: Während die Grafik bei Tage (trotz des durch die Bank tollen Spieldesigns) manchmal etwas detailarm daherkommt, läuft sie hier zur Höchstform auf: Rot schimmernde Lampions in der Dunkelheit, imposante Tori-Tore oder hunderte verstreute Bücher in der Bibliothek – am todschicken Japan von „Silent Hill f“ können wir uns kaum sattsehen.

Auch hier winken natürlich Kämpfe gegen verstörende Wesen (fette Bosse, die wir hier nicht spoilern inklusive), parallel löst ihr aber auch jede Menge Rätsel. So müsst ihr etwa in einer Art Gefängnis Käfige mit Hebeln auf eine Ebene bringen. Die Knobler sind eine willkommene Abwechslung und lassen euch (zumindest im „Story-Modus“) etwas durchatmen. Eurer Wohlbefinden wird nämlich anderswo ordentlich auf die Probe gestellt. Ein mysteriöser Fuchsmann geleitet euch durch eine Reihe eigenartiger Rituale, die uns teils ziemlich verstört haben. Deswegen an dieser Stelle ein kleiner
Disclaimer zur Gewaltdarstellung
Selten hat ein Serienteil das USK-18-Siegel mehr verdient als „Silent Hill f“. Zwar schneidet das Spiel auch in der Story unangenehme Themen an, viel heftiger ist allerdings die visuelle Gewaltdarstellung: Gegner beharken mit Zähnen oder Klingen euren Hals und werdet ihr getötet, schießt arterielles Blut in einer Fontäne daraus hervor. Noch heftiger wird es allerdings in einigen Zwischensequenzen im späteren Spielverlauf, bei denen selbst ich als hartgesottener Horrorfan schlucken musste. Nur dass ihr gewarnt seid!
Somit freuen wir uns schon fast, wenn wir wieder Tageslicht erblicken und in Ebisugaoka weiter der Story folgen. Diese führt uns unter anderem noch in die bewaldeten Berge, zurück nach Hause und in Hinakos Mittelschule – ein Highlight des Spiels. Die Stimmung ist dort wirklich creepy, während wir über verstreute Einträge besonders viel über die mysteriöse Vergangenheit der Figuren erfahren. Denn die ist der Schlüssel zur verzwickten Story von „Silent Hill f“. Insgesamt hätten wir uns aber gewünscht, noch mehr solch spezielle und vor allem größere Locations zu besuchen. Gigantische labyrinthische Orte wie das Krankenhaus oder Gefängnis aus „Silent Hill 2“ fehlen im neuen Teil nämlich.

Unser Fazit zu Silent Hill f
Wer ein typisches Silent-Hill-Spiel und auch nur das erwartet, wird mit „Silent Hill f“ wahrscheinlich enttäuscht werden. Bestimmte Dinge erinnern zwar an unsere nostalgischen Ausflüge mit Harry, Heather oder James (mehr dazu unten), im Schnitt wirkt „Silent Hill f“ aber allein durchs gänzlich neue Setting wie ein völlig anderes Spiel. Wendet ihr euch deshalb aber direkt ab, entgeht euch ein gelungenes, teils ebenso faszinierendes Horrorgame, das anderen Teilen der Reihe qualitativ das Wasser reichen kann. Die neuen Kämpfe sind fordernd wie unterhaltsam und die meisten Monster sind auch durch ihr unberechenbares Verhalten einfach megacool. Am meisten hat uns aber die twistige Story überzeugt: Die ist zwar nicht mehr so anspruchsvoll und symbolträchtig wie etwa die des zweiten Teils, fasziniert aber durch eine Riesenportion Mystery und einige überraschende Wendungen.

Wie eingangs erwähnt, wollen viele Fans vor dem Kauf von „Silent Hill f“ aber wissen, wie viel Silent Hill denn nun im neuen Teil steckt. Dazu habe ich bereits viel geschrieben, fasse es für dich aber noch einmal kompakt zusammen. Hier deswegen abschließend ein Authentizitäts-Check von einem Profi – mich für meinen Teil begleitet Konamis Survival-Horror-Reihe nämlich schon seit Teil 1 auf der PlayStation.
Wie viel Silent Hill steckt in Silent Hill f?

Ist die Atmosphäre wie in den alten Teilen?
Natürlich erzeugt das japanische Setting ein anderes Grundgefühl, doch die Kernatmosphäre ist nah dran an den Originalen: Auch im neuen Teil sind Verlorenheit, Verstörung und partiell Panik die Gefühlsgeber. Auch der ikonische Nebel erzeugt bei Silent-Hill-Fans Glücksgefühle. Weil ihr aber nun einmal nicht in der Stadt Silent Hill herumlauft, erweckt „Silent Hill f“ natürlich auch nicht diese ganz konkrete Assoziation.
Ist das Gameplay wie früher?
Auch „Silent Hill f“ setzt wie frühere Teile auf eine Mischung aus Exploration, Action und Rätseln. Das Spiel ist jedoch insgesamt linearer und rückt die Kämpfe definitiv mehr in den Vordergrund. Als Action-Horrorspiel würden wir es aber auf keinen Fall bezeichnen, denn der Tenor bleibt ruhig und die Story ist ziemlich wichtig.
Und wie sieht es mit der Story aus?
Auch wenn „Silent Hill f“ ein Schulmädchen in den Mittelpunkt seiner Geschichte stellt, sind sind weder die Hauptfigur noch die Story kindisch. Hinako teilt mit James aus „Silent Hill 2“ etwa den undurchsichtigen Charakter: Ihre Motive (und auch die der anderen Freunde) bleiben bis zuletzt unklar und ein düsteres Geheimnis wabert über der Vergangenheit aller.
Passen die Monster zu einem Silent-Hill-Spiel?
Das Monsterdesign von „Silent Hill f“ ist immer noch zu großen Teilen angelehnt an uns Menschen, die mit vielen alten Teilen einhergehende Symbolik spielt dieses mal aber eine untergeordnete Rolle. So weckt etwa kein Wesen Mitleid mit uns wie einst die deformierten Gestalten aus „Silent Hill 2“. Japanische Horrorspiele- und vor allem Filme waren eindeutige Einflüsse und primär soll uns der Feind emotional schocken und spielerisch auf Trab halten.
Gibt es im Spiel Radio und Taschenlampe?
Nein, die meisten ikonischen Spielelemente der Reihe finden wir in „Silent Hill f“ nicht wieder, auch nicht diese beiden. Hinako greift zwar in den Schreinen zur Laterne, sie spielt jedoch keine große Rolle fürs Gameplay – das Spiel ist im Schnitt fast nie so dunkel wie die alten Teile. Das Radio als Warn-Item gibt es ebenfalls nicht, ihr findet jedoch an bestimmten Stellen Transistorradios, aus denen ominöse Botschaften schallen.
Erkunde ich wie früher die Stadt auf der Suche nach Ressourcen?
Seit dem ersten Teil von „Silent Hill“ grasen Fans jede Straße und Sackgasse nach Munition, Gesundheitsdrinks und Erste-Hilfe-Kästen ab. Das war immer so und ist auch in „Silent Hill f“ nicht anders. Nur dass es hier keine Schusswaffen und folglich keine Munition gibt, sondern Schlagwaffen-Reparatursets, typisch japanisches Essen und landesübliche Getränke. Die Stadt ist zwar nicht so weitläufig wie sonst, aber das befriedigende Gefühl bei einem Fund ist dasselbe.
Taucht die böse Parallelwelt wieder auf?
Nein, eine düstere Variation ganzer Locations findest du in „Silent Hill f“ nicht. Zu keinem Zeitpunkt bist du etwa in „Krankenhaus A“ und danach in dem rostigen „Krankenhaus B“ unterwegs. Ein späterer Abschnitt greift jedoch die Idee auf und macht daraus eine ganz eigene Nummer. Außerdem gibt es mit dem Schrein einen faszinierende alternative Paralleldimension voller Fragen.
Silent Hill f Spielzeit: So lang ist das neue Silent Hill
Je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad benötigt ihr fürs erste Durchspielen von „Silent Hill f“ zwischen 10 und 12 Stunden. Es gibt jedoch einen New-Game-Plus-Modus, welcher die Story erheblich erweitert. Für beide Durchgänge sind dann wahrscheinlich um die 20 Stunden nötig. Weitere Enden und Trophäen verlängern das Spiel außerdem zusätzlich, was die Spielzeit wahrscheinlich auf etwa 30 Stunden aufrunden kann.
Silent Hill f Metacritic: Aktueller Wertungsdurchschnitt
Suchst du nach „Silent Hill f“ auf Metacritic, pendelt sich der aktuelle Wertungsdurchschnitt bei 86 (von 100) ein. Das sind die Testwertungen der Presse. User-Eindrücke findet ihr zum Launch des Spiels am 24. September 2025 auf der Seite.







