Zum Hauptinhalt springen
Ich geh' mit meinen „Lanterns“

„Lanterns“: Die beste Serie seit Ewigkeiten – Kritik

Vielen scheint James Gunns neues DCU noch recht grün hinter den Ohren zu sein. Nun führen ausgerechnet die grünsten Superhelden diese Annahme mit „Lanterns“ ad absurdum …

John Stewart und Hal Jordan gehen eine Landstra0e entlang.
Alles im grünen Bereich: „Lanterns“ ist die beste Serie des Jahres. Foto: John P. Johnson/HBO Max

Es gibt nicht allzu viele, aber einige, die nicht gerne Serien schauen. Ich bin eine dieser Personen, da Serien spätestens seit dem Streamingzeitalter immer häufiger langgestreckte Geschichten sind, die auch genauso gut Filme sein könnten. Da die Streamer aber stets neue Inhalte brauchen, die man im besten Fall über zwei Monate strecken kann, um die Abo-Maschine in Bewegung zu halten, passiert es immer wieder, dass man Storys präsentiert bekommt, die eigentlich nichts zu erzählen haben.

Und dann gibt es da „Lanterns“. Die insgesamt dritte Serie im neuen DC-Universum (DCU) wirkt auf den ersten Blick wie eine ordinäre Superhelden-Serie, ist aber, wenn man nur eine Sekunde länger hinschaut, so viel mehr als das: mutig, subversiv, zeitgemäß und vor allem einfach mal eine Serie, die sich nicht wie schnell konsumierbare Wegwerfware anfühlt. Warum dem so ist und viele weitere Lobeshymnen gibt es in meiner Kritik.

„Lanterns“: Worum geht es in der Superhelden-Serie?

Video Platzhalter
Video: HBO Max/TVMovie

Der Lebemann Hal Jordan (Kyle Chandler) und der stoische Green-Lantern-Anwärter John Stewart (Aaron Pierre) schlagen im Jahr 2016 in der amerikanischen Kleinstadt Rushville auf, da Hal dort extraterrestrische Kreaturen vermutet. Und während die örtliche Ordnungshüterin Kerry (Kelly Macdonald) einen Anschlag bei einem Footballspiel für eine menschengemachte Untat hält, soll sich schon bald offenbaren, dass Hal nicht Unrecht hat.

Fortan verweilen Jordan und Stewart in Rushville und merken, dass das Mysterium, das diese Kleinstadt umgibt, tiefer zu gehen scheint, als Hal anfänglich dachte. Inmitten dieses gesamten Wirrwarrs stellen sich den beiden Helden große Fragen: Sind sie überhaupt Helden? Können sie einander trauen? Und welches Unheil schlummert in Rushville?

True Detectives: „Lanterns“ stellt seine Geschichte über alles

Schaut man sich im direkten Vergleich das Marvel Cinematic Universe an, dann sind zumindest die meisten Serien gezwungen, auf die große Geschichte des Shared Universe einzuzahlen. Da „Lanterns“ aber prinzipiell eine Origin-Geschichte erzählt, lastet diese Last nie auf den Schultern der Handlung oder gar der Figuren.

Hier und da gibt es zwar Querverweise auf James Gunns „Superman“, die Green-Lantern-Lore oder Orte des DC-Universums – und diese sind so erfrischend unspektakulär eingewoben, dass all jene, die gar nicht richtig hinschauen, diese ohnehin verpassen dürften.

Stattdessen macht man sich darüber Gedanken, was man eigentlich erzählen will, und präsentiert dem Publikum eine ländlich verankerte Detektivgeschichte, in der beinahe zufällig zwei Superhelden auftauchen. Kaum eine Sekunde vergeht, in der es nicht Spaß macht, Hal und John dabei zuzusehen, wie sie uneinig, aber dennoch als Einheit versuchen, Rushvilles großes Mysterium aufzudecken.

Die Detektivarbeit ist gewissermaßen ein schmackhaftes Stück Apfelkuchen und die Tatsache, dass Superkräfte im Spiel sind, ist die Sahne. Apropos, Sahne …

Ein Ring, sie zu knechten: „Lanterns“ und seine „Helden“

John Stewart sitzt in einer Bar. Hal Jordan steht neben ihm.
Ach, du grüne Neune: Hal Jordan (Kyle Chandler, r.) und John Stewart (Aaron Pierre) sind grandiose Green Lanterns. Foto: John P. Johnson/HBO Max

Erste Sahne sozusagen sind Hal Jordan sowie John Stewart und somit auch Kyle Chandler und Aaron Pierre. „Lanterns“ vollführt prinzipiell den Trick, dir zwei Figuren hinzustellen, die Helden sein sollen, gibt dir aber selbst das Recht, zu hinterfragen, ob Jordan und Stewart überhaupt den grünen Ring tragen sollten.

Wie in jeder guten Serie bekommt man ambivalente Figuren serviert, die nie eine Sache, sondern stets das eine sowie das andere sind. Daraus ergibt sich aber keine Dissonanz, sondern vielmehr eine emotionale Achterbahnfahrt, bei der sich die Allianzen im Sekundentakt verschieben können, denn moralisch liegen beide „Helden“ gerne mal falsch.

Hal Jordan und John Stewart würden aber gar nicht so gut funktionieren, wie sie es tun, wenn Kyle Chandler und Aaron Pierre nicht ihr A-Game mitgebracht hätten. Werbematerial lässt die Serie zwar so aussehen, als wäre das hier die große Hal-Jordan-Kyle-Chandler-Show, aber spätestens nach der grandiosen dritten Folge dürfte klar sein, dass Aaron Pierre nicht nur ein paar, sondern vielleicht sogar alle Wörter mitzureden hat.

„Lanterns“ bringt all das mit, was eine gute Serie auszeichnet

Darüber hinaus versteht „Lanterns“ die eine Sache, die eine Serie benötigt, um wahrlich erinnerungswürdig zu bleiben: Kreativität. Eine wirklich gute Serie ist erinnerungswürdig, aber nicht stellenweise, sondern durchgängig. Im besten Falle stellt man das sicher, indem man selbst in einer narrativ durchgezogenen Serie Episoden schafft, die kurz und knapp in einem Vakuum beschrieben werden können. Ganz nach dem Motto: „Das ist die Folge, in der …“

Und „Lanterns“ gewinnt diese Gratwanderung. Jede Episode unterscheidet sich, alle Figuren bekommen ein vernünftiges Maß an Raum und statt auf die unentschlossene Unart der multiplen Handlungsstränge zu setzen, um eine allgemeine Zielgruppenerweiterung zu betreiben, wird auf zwei Hauptfiguren gesetzt.

Die restlichen Charaktere dürfen die zweite Geige spielen und nutzen die geringe Zeit im Spotlight, um sich beim Geigenspielen wenigstens Mühe zu geben.

Als wäre das nicht genug, setzt man zumindest einmal auf ein anderes Episodenformat und umgeht im Rahmen einer Charakterepisode jegliche Exposition, die jede andere Serie fundamental gerne ausgekostet hätte. Und selbst wenn man klassisch erzählt, nutzt man Cold Opens, die sich schon in „Breaking Bad“ sowie „Better Call Saul“ bewährt haben, oder weiß rechtzeitig, wann man hier und da mit der Formel brechen sollte.

Wer „Lanterns“ verpasst, ist selbst schuld

Für mich persönlich ist „Lanterns“ das beste Stück Fernsehen seit der finalen Staffel von „BoJack Horseman“ im Jahr 2020. Das ist umso überraschender, wenn man all die Kontroversen rund um die Farbgebung und die augenscheinlich mangelnde Action im Rahmen der Trailerkampagne bedenkt.

Aber beide kritisierten Punkte sind vollends egal, denn „Lanterns“ braucht gar keine schillernd grünen Helden in albernen Kostümen, um in den Bann zu ziehen. Stattdessen setzt man auf zwei charismatische Hauptdarsteller, eine durchdachte Geschichte voller Subtext und ein ausgewogenes Maß an Momenten, die auch Fans befriedigen dürften.

Inmitten der gesamten Diskussionen, ob James Gunns DCU bereits tot ist, bevor es jemals abheben konnte, steht „Lanterns“ als strahlend grünes Licht der verschiedenen Stimmen und weist den Weg. Den Weg in ein neues Cinematic Universe, welches endlich sein Standing gefunden hat – und selbst wenn es scheitern sollte, zumindest eine der besten Serien des Jahrzehnts zurücklässt.

Ed Sheeran Game of Thrones - Foto: HBO
Stars
Ed Sheerans Vermögen: So reich ist der Sänger!

Er zählt zu den erfolgreichsten Musikern seiner Zeit – und ist damit reich geworden. Wie hoch das Vermögen von Ed Sheeran ist, erfahrt ihr hier.

Hubertus Meyer-Burckhardt im dunkelblauen Sakko und Barbara Schöneberger im pinkfarbenen Oberteil sitzen nebeneinander. - Foto: IMAGO / imagebroker
Talkshow
„NDR Talk Show“ am 9. Oktober 2026: Alle Gäste und Themen im Überblick

Zwei Musikstars machen gemeinsame Sache, der Kieler „Tatort“ bekommt weibliche Verstärkung und ein Philosoph warnt vor den Folgen künstlicher Intelligenz: Die „NDR Talk Show“ am 9. Oktober 2026 verspricht eine abwechslungsreiche Mischung.

Susan Link und Micky Beisenherz stehen lächelnd in weißen Oberteilen nebeneinander vor blau und rot beleuchtetem Hintergrund. - Foto: IMAGO / Future Image
Talkshow
„Kölner Treff“ am 9. Oktober 2026: Alle Gäste und Themen im Überblick

Musikstars, Comedy und überraschende Familiengeschichten: Im „Kölner Treff“ am 9. Oktober 2026 erwartet die Zuschauer:innen eine abwechslungsreiche Gästerunde.

Jan Köppen, Anna Fleischhauer und Wolff Fuss stehen mit Mikrofonen vor dem „Ninja Warrior“-Logo hinter einem Pult. - Foto: Foto: RTL / Markus Hertrich
Legenden feiern Comeback!
„Ninja Warrior“, Staffel 11: Diese Athleten treten als Teilnehmer an

Wer wagt sich ab heute in Deutschlands härtesten TV-Parcours? Bei „Ninja Warrior Germany“ treffen erfolgreiche Rückkehrer auf ehrgeizige Herausforder. Wir zeigen dir anlässlich der 2. Folge heute die bekannte Teilnehmer der neuen Staffel.

Die Anwältin Eva (ChrisTine Urspruch, li.) und Hanno (Wolfram Grandezka, Mitte) mit Mandantin Susanne Kramer (Susanna Simon, re.). - Foto: ARD Degeto Film/W&B Television GmbH/Walter Wehner,
Unklare Zukunft
„Einspruch, Schatz“: Ist „Rosenkrieg“ der letzte Film der Reihe?

Mit „Rosenkrieg“ geht die beliebte ARD-Reihe „Einspruch, Schatz!“ vorerst zu Ende. Doch müssen sich die Zuschauer damit endgültig von ChrisTine Urspruch und Wolfram Grandezka verabschieden?

„Goodbye Deutschland“-Logo (Symbolbild) - Foto: RTL
Alle Infos
„Goodbye Deutschland“: Sind Martina Franz und Jeudy wirklich noch ein Paar?

„Goodbye Deutschland“-Auswanderin Martina Franz wanderte 2017 nach Costa Rica aus. Doch wie steht es heute um sie und ihren Freund Jeudy?