Nach dem „Supergirl“-Flop: Ist das DCU zum Scheitern verurteilt?
DC versucht eigentlich, sich gerade wieder auf der Leinwand neu aufzustellen, doch der Ansatz scheint viele nicht zu begeistern. Was ist das Problem des neuen DCU?

Wenn der zweite Film deines neuen Kino-Universums damit Schlagzeilen macht, am ersten Wochenende weniger als die Jared-Leto-Gurke „Morbius“ einzuspielen, dann weißt du, dass du ein Problem hast. So ergeht es zumindest gerade Peter Safran und James Gunn, die die Hoffnung hatten, dass „Supergirl“ als zweiter Eintrag in diesem Filmuniversum mehr Personen abholen würde. Die ersten Box-Office-Ergebnisse sprechen aber für sich und lassen die Ersten bereits unken, dass das DCU vorbei sein könnte, bevor es überhaupt begonnen hat. Doch sollte man diesen Einschätzungen Glauben schenken?
Aller Anfang ist schwer: Schlägt sich das DCU so viel schlechter als das MCU?
Einer der größten Vorwürfe, der dem DCU immer wieder um die Ohren gehauen wird, ist, dass man mindestens zehn Jahre zu spät auf der Party aufgekreuzt sei, denn viele sind sich sicher, dass ein Film wie „Supergirl“ im Jahr 2016 mühelos eine Milliarde US-Dollar eingespielt hätte.
Ob diese Annahme stimmt, kann man nicht nachweisen. Fakt ist aber, dass das Superheldenkino generell an den Kinokassen kränkelt und zurzeit starke Identifikationsfiguren braucht, um Profit zu machen. Selbst die Ur-Version des Superhelden „Superman“ lief letztes Jahr verhaltener an, als man es sich bei Warner Bros. erhofft hatte.
Dabei sind solche Einspielergebnisse zu Beginn des Franchise-Buildings total normal. Schaut man sich die erste Phase des MCU an, dann fällt auf, dass zwei von insgesamt sechs Filmen („The Incredible Hulk“ und „Captain America: The First Avenger“) an den Kinokassen gefloppt sind, während „Thor“ verhalten anlief. Mit der Ausnahme von Hulk konnten die anderen beiden Helden später Milliarden-Hits auf die Kinoleinwand zaubern, was beweist, dass sich ein Publikum erst einmal an Charaktere gewöhnen muss, um sich in spätere Abenteuer locken zu lassen. Aber wird diese Rechnung auch für DC aufgehen?
Was sind die wirklichen Schwächen des DCU?
Ein großes Problem des DCU sind zwei sehr konservative Blasen: Einerseits handelt es sich hierbei um Zack-Snyder-Fans, die immer noch das Snyderverse rund um Henry Cavills Superman zurückhaben wollen. Andererseits wird „Supergirl“ gerade Opfer von „antiwoken“ Bewegungen, die hinter dem Film eine versteckte Agenda sehen.
So störend diese Blasen sein mögen, sind sie aber nicht das wahre Problem des DCU. Viel eher steht diesem neuen Universum die kreative Vision im Weg. James Gunn hat einen sehr eigenen Humor und einen sehr eigenen Stil, der nicht universell genug für eine breite Masse ist. Das ist per se kein Problem, aber wenn eine solche Person für die gesamte Ausrichtung eines Filmuniversums verantwortlich ist, dann kann das schon einige Personen verschrecken.
Statt auf Topkaliber wie Batman oder Wonder Woman zu setzen, erzählt Gunn gerne von den Underdogs. Manchmal gibt es aber Gründe dafür, warum Underdogs Underdogs sind. „Peacemaker“ und „Creature Commandos“ erzählen zwar Geschichten, aber gleichzeitig sind die Charaktere derartig nischig, dass man sich fragen muss, ob man auf ihren Schultern wirklich ein Franchise aufbauen kann. Dazu kommt, dass Gunn diese Figuren augenscheinlich auch in den großen Produktionen wie „Superman“ versteckt, was dazu führt, dass die Hauptfigur nicht mehr genug Luft zum Atmen bekommt.
Gleichzeitig kommt dazu, dass man nicht ganz versteht, wo das DCU überhaupt hinmöchte. Denn Geschichten erzählen kann per se jeder und jede. Dass „Supergirl“ auf „Superman“ folgt, ist gewissermaßen noch verständlich, aber warum der dritte Film ausgerechnet eine Body-Horror-Geschichte rund um den Batman-Bösewicht Clayface sein soll, bleibt fragwürdig. Andererseits wird aus diesen Entscheidungen eine Sache klar …
Vollends hinter der Vision: Warum das DCU noch nicht aufgegeben wird
Wie bereits angemerkt, hat ein potenzieller Flop noch nichts für das DCU zu bedeuten. Und um ganz ehrlich zu sein, stimmt es auch nicht ganz, dass James Gunns kreative Vision ein Problem ist – auf jeden Fall nicht vollends.
So bringt der Mann zumindest Passion für die Inhalte mit, die er in seinem Universum erzählen möchte. Klar wird nun von manchen nach „Supergirl“ die Aussage, dass man nur Filme in Produktion schickt, wenn das Skript stimmen würde, auf die Goldwaage gelegt, aber im ehemaligen DCEU hätte es „Supergirl“, so wie der Film erschienen ist, nicht einmal gegeben – immerhin war der zweite Film dieses Universums „Batman v Superman“.
Peter Safran wurde nach dem verhaltenen Start gefragt, wie man nun weitermachen würde, und er deutete an, dass man weiterhin an der angedachten Strategie festhalten wolle: „Auch wenn „Supergirl“ unsere Box-Office-Erwartungen nicht erreicht hat, ist der Film nur eine Komponente einer breiteren, langfristigen Strategie bei den DC Studios, in die wir Vertrauen haben“, so der Produzent gegenüber der New York Times.
Die wahre Feuerprobe wird voraussichtlich eher das „Superman“-Sequel „Man of Tomorrow“ sein. Wenn der Film es ebenso wie „Iron Man 2“ seinerzeit schaffen sollte, mehr Geld einzuspielen, dann sollte die Zukunft des DCU zementiert sein. Sollte dies aber nicht der Fall sein, dann wird die Strategie seitens Gunn und Safran sicher noch einmal überdacht werden.









