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Eine Zukunft ohne Kult und Klassiker

Filmgrab Netflix: Darum vergessen wir Streamingtitel sofort wieder

Streamingdienste klammern sich an exklusive Titel, doch Filme werden dadurch zum Wegwerfprodukt.

Netflix-Collage aus mehreren Filmfotos, in der Mitte das Netflix-Logo.
So nah und doch so fern: Wenn ein Film nur bei Netflix läuft, spricht bald niemand mehr über ihn. Foto: Netflix

Die meisten Netflix-Eigenproduktionen sind, und hier müssen wir Netflix' eigener Aussage glauben, äußerst erfolgreich. Nicht selten schießen aktuelle Eigenproduktionen, zurzeit „The Last House“, an die Spitze der Streamingcharts, bis sie dann nach und nach an Popularität verlieren. Was das angeht, unterscheiden sich Netflixfilme kaum von Kinofilmen, die ebenfalls, im besten Fall, weit oben in den Charts landen, bis das Interesse irgendwann nachlässt.

Doch was anschließend passiert, ist bezeichnend für das Schicksal des Mediums Film im Streamingzeitalter. Denn während Kinofilme nach der großen Leinwand auf DVD, Blu-ray, UHD-Blu-ray, digitaler Leih- und Kauftitel, in Streamingabos und im Free- und Pay-TV aufschlagen und somit nie ganz verschwinden, rutschen Netflixfilme sang- und klanglos ins Nichts.

Natürlich sind einstige Hits wie „Bird Box“, „Carry-On“ oder „The Gray Man“ noch abrufbar, aber wer nicht gezielt nach ihnen sucht, wird sie kaum finden. Der Netflix-Algorithmus schlägt schließlich vor allem neuere Titel vor, aus der Sicht von Netflix sind ältere Originals kaum noch relevant.

Das Problem ist dabei weniger die Masse an Netflix-Eigenproduktionen, im Kino mangelt es schließlich ebenfalls nicht an wöchentlichen Neuerscheinungen, und auch nicht die Qualität der Netflix-Filme, die zwar, wie im Kino auch, schwankt, aber eigentlich nicht über die Existenz im kollektiven Gedächtnis entscheidet.

Ihr Netz verbindet sie alle

Promomotiv zu Madame Web.
Nicht gut, aber allgegenwärtig: „Madame Web“. Foto: TMDB

Am 13. August 2026 feierte beispielsweise die Sony-Gurke „Madame Web“ Free-TV-Premiere auf RTL. Ein unrühmlicher Sendeplatz am Donnerstagabend bescherte dem Film dennoch den neunten Quotenplatz unter den werberelevanten 14-49-Jährigen.

Hatten diese 0,224 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer Spaß mit „Madame Web“? Wahrscheinlich nicht, aber sie sind über den Film gestolpert, wie es eben oft mit einstigen Kinofilmen passiert.

Gut erkennen lässt sich die mangelnde Relevanz von Streamingtiteln an der Filmografie von Adam Sandler. Über Humor lässt sich natürlich streiten und selbst Sandler-Fans lieben sicher nicht jede seiner Komödien gleichermaßen, doch Filme wie „Billy Madison“, „Happy Gilmore“, „Klick“, „Spiel ohne Regeln“, „50 erste Dates“ oder „Kindsköpfe“ verdanken ihre Popularität nicht ihrer Zeit im Kino, sondern den Jahren und Jahrzehnten danach, als sie im Fernsehen, in Videotheken, Büchereien oder Filmregalen von Freunden an ihre Existenz erinnerten.

Das Gegenteil ist der Fall, wenn man sich Sandlers Netflix-Filme ansieht: „The Ridiculous 6“, „The Do-Over“, „Sandy Wexler“ – sie alle schafften es in die Netflixcharts und sind nun mehr oder weniger vergessen.

Auf den ersten Blick scheint es um diese genannten Filme nicht schade zu sein, aber zeitgleich denken Kinder der Siebziger, Achtziger und Neunziger gerne und nostalgisch verklärt auf die „Police Academy“- und „Eis am Stiel“-Filme zurück, die auf RTL Zwei und Kabel Eins gefühlt allgegenwärtig waren.

Das lineare Fernsehen verliert die Kontrolle

Netflixfilme kommen und gehen, während Filme früher kamen und blieben. Das Zeitfenster zwischen dem ersten Erscheinen und der Irrelevanz war, falls überhaupt vorhanden, deutlich größer.

Zeitgleich liegt es natürlich nicht nur an der Exklusivität von Streamingtiteln, sondern am Streamingzeitalter allgemein, dass sich Sehgewohnheiten ändern und die Jugend von heute eben nur noch sehr selten zufällig über einen Film stolpert, weil er gerade im Fernsehen läuft. Nichts geschieht mehr zufällig, da man zwischen einer Handvoll Streamingdienste mit jeweils tausenden Titeln wählen kann.

Das ist schade, aber zeitgleich nachvollziehbar und einfach der Lauf der Dinge. Es bleibt zu hoffen, dass die Netflix-Titel von heute, ob nun gut oder schlecht, eines Tages durch den Algorithmus in die „Klassiker“-Kategorie und somit zurück auf die Startseite des Streamingdienstes gespült werden. Dort stehen dann „The Irishman“, „The Wrong Missy“, „War Machine“ (mit Brad Pitt) und „War Machine“ (mit Alan Ritchson) Seite an Seite und bekommen zumindest noch eine zweite Chance, wenn auch kein ewiges Leben.

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