Kein „Tatort“ heute: Dafür wird heute mit „Der Wanderer zieht von dannen“ der letzte „Polizeiruf“ aus Halle gezeigt
Der „Tatort“ macht eine Woche Pause und schickt dafür den letzten Hallenser „Polizeiruf“ ins Rennen. Ist das ein würdiger Ersatz oder sollte man lieber etwas anderes schauen?

Nach dem Saarbrücker „Tatort“, der letzten Sonntag etliche Zuschauer und Zuschauerinnen verärgerte, legt die Krimireihe eine Pause ein und schickt ihren kleinen Bruder, den „Polizeiruf“, ins Gefecht. Dieser hat mit „Der Wanderer zieht von dannen“ den letzten Fall der Ermittler aus Halle im Gepäck. Dort suhlt man sich zwischen Trauer, Melancholie und sexuellen Eskapaden. Ob diese Mischung funktioniert, verraten wir dir in unserer Kritik …
- „Der Wanderer zieht von dannen“: Handlung
- Lieber aufgeschossen als aufgeschlossen: Peter Kurth ist das Herzstück von „Der Wanderer zieht von dannen“
- Randnotizen, die niemand braucht: „Der Wanderer zieht von dannen“ und sein seltsamer Sexplot
- Bis denne: Funktioniert der Abschied vom Hallenser „Polizeiruf“?
- „Der Wanderer zieht von dannen“: Warum kann es nicht Koitzsch bleiben?
„Der Wanderer zieht von dannen“: Handlung
Prinzipiell wirkt der Fall für Koitzsch (Peter Kurth) und Lehmann (Peter Schneider) bereits erledigt. Die betagte Frau Krüger (Sybille Maria Dordel) wird tot in ihrer Badewanne aufgefunden – ein Toaster scheint der Frau den Garaus gemacht zu haben. Doch auf den zweiten Blick fühlt sich Ermittler Koitzsch an einen ungelösten Altfall erinnert und vermutet, dass er es mit einem Serienkiller zu tun hat, der einsame Menschen im Visier hat – ein Beuteschema, in das auch Koitzsch und Lehmann fallen.
Lieber aufgeschossen als aufgeschlossen: Peter Kurth ist das Herzstück von „Der Wanderer zieht von dannen“
Henry Koitzsch und somit auch Peter Kurth sind der feuchte Traum einer jeden Person, die für den „Tatort“ oder „Polizeiruf“ schreiben darf. Denn während sich viele Autoren und Autorinnen anstrengen, ihre emotional zerrissenen Ermittler so cool wie möglich zu machen, muss Koitzsch sich gar nicht anstrengen, tough zu wirken. Peter Kurth steht einfach mit seiner gottgegebenen Gravitas da und isst sein Butterbrot, während eine Leiche vor ihm obduziert wird. Auch das Rauchverbot im Büro ist ihm herzlich egal. Dabei wirkt er aber nie so, als wäre er Teil einer antiwoken Agenda, sondern bleibt einfach cool – Koitzsch und Kurth sind sozusagen zu cool, um ein Statement für irgendetwas bleiben zu wollen.
Randnotizen, die niemand braucht: „Der Wanderer zieht von dannen“ und sein seltsamer Sexplot
Während Lehmann eine weitestgehend unproblematische Randnotiz in „Der Wanderer zieht von dannen“ bleibt, nimmt eine andere Figur viel zu viel Raum ein. Die Rede ist von Cordelia Wege, die die Rolle der Katrin Sommer spielt – eine Frau, die sich dadurch auszeichnet, sexuelle Beziehungen mit mehr als fünf Männern gleichzeitig gehabt zu haben. Daran ist per se auch nichts schlimm – jeder und jede nach seiner oder ihrer Fasson –, aber leider passt dieser Handlungsstrang überhaupt nicht in diesen „Polizeiruf“. Derartige Geschichten passen eher in den Bremer „Tatort“, aber inmitten der Koitzsch-Eskapaden, die stark an den „Tatort“ aus Dresden oder Frankfurt erinnern, wirkt die Sommer-Sex-Story eher deplatziert.
Bis denne: Funktioniert der Abschied vom Hallenser „Polizeiruf“?
Alle, die sich fragen, warum Koitzsch und Lehmann nach drei Fällen und knapp fünf Jahren Dienstzeit die Waffe schon wieder niederlegen, finden die Antwort in diesem Artikel. Wir haben währenddessen die Ermittlungen geführt, ob der Abschied von den beiden Ermittlern funktioniert.
Es passiert das, was alle zuerst erwarten, wenn man sich von einem „Tatort“- oder „Polizeiruf“-Ermittler oder einer Ermittlerin verabschieden muss. Ungleich Bonard aus dem Berliner „Tatort“, die sich reichlich unspektakulär verabschiedete, weiß man in Halle noch, wie man zu seinen Zuschauern und Zuschauerinnen „Auf Wiedersehen“ sagt. Doch man verabschiedet sich auch etwas reumütig, denn …
„Der Wanderer zieht von dannen“: Warum kann es nicht Koitzsch bleiben?
Es ist beinahe etwas unfair: Während Faber in Dortmund augenscheinlich ewig weiter ermitteln darf, hätten eigentlich Koitzsch und Lehmann eine langjährigere Karriere verdient. Denn emotionale Zerrissenheit und Schmerz werden hier so viel besser eingefangen, als man es in Dortmund jemals könnte und konnte.
Doch man soll sich immer dann verabschieden, wenn es am schönsten ist. Und lieber verlasse ich Koitzsch und Lehmann auf einem absoluten Hoch, als dass das Duo in seinem 327. Fall nur noch Quatsch auflöst.









