„Tatort“ heute: Advent, Advent das „Licht“ brennt – Kritik zum Frankfurter Fall „Licht“ mit Edin Hasanovic
Das neue Ermittlerteam aus Frankfurt ermittelt in seinem zweiten Fall „Licht“ – diesmal wird der stillgelegte Fall eines verschwundenen Kindes wieder aufgemacht. Wir haben die Antwort, ob dieser „Tatort“ der perfekte Einklang in die Adventszeit ist.

Wo „Dunkelheit“ ist, ist auch „Licht“: Das neue Ermittlerteam rund um Melika Foroutan und Edin Hasanovic aus Frankfurt geht in die zweite Runde und ermittelt wieder in einem „cold case“. Diesmal helfen sie einer Mutter, ihre verschwundene Tochter zu finden – und geraten dabei selbst ins Kreuzfeuer …
- „Licht“ auf einen Blick: Darum geht es im Frankfurter „Tatort“
- Mehr von allem, aber dennoch nicht zu viel: Wie es „Licht“ gelingt, eine gute Geschichte zu erzählen
- Wenn das Erzählte auch noch gut aussieht: Auch technisch überzeugt „Licht“
- Noch mehr Strahlkraft in „Licht“: Was noch überzeugt
- Geblendet oder verblendet? Der eine Haken in „Licht“
- Lichtblick: Warum jeder „Tatort“-Fan „Licht“ schauen sollte
„Licht“ auf einen Blick: Darum geht es im Frankfurter „Tatort“
Es ist sechs Jahre her, dass die dreijährige Viktoria und ihr Vater (Christoph Pütthoff) verschwunden sind. Die Ermittlungen wurden schon lange eingestellt, aber Mutter Anna (Maren Eggert) gibt nicht auf – und lädt einen verzweifelten Suchaufruf in den sozialen Medien hoch. Die Person, die Hinweise auf den Aufenthaltsort ihrer Tochter hat, soll eine Belohnung von 5.000 Euro erhalten. Doch mit diesem Gesuch zieht Anna die falschen Personen an und verschwindet selbst. Nun liegt es an Ermittlerin Azadi (Melika Foroutan) und Kulina (Edin Hasanovic), Anna zu finden… und sie kreuzen die Spuren des eingestellten Vermisstenfalls.
Mehr von allem, aber dennoch nicht zu viel: Wie es „Licht“ gelingt, eine gute Geschichte zu erzählen
Vorab sei gesagt, dass der Einstandsfall „Dunkelheit“ des neuen Ermittlerteams aus Frankfurt auch schon ein Highlight der aktuellen „Tatort“-Saison war. So wurde man vor einigen Wochen in eine düstere Welt entführt, von der man dennoch mehr sehen will. Und dies ist auch der Fall in „Licht“.
Man spürt an jeder Ecke, dass sich Gedanken über alles gemacht wurden: die Welt, die Figuren, die Geschichte und das sogar sonst eher obsolete Charakterdrama. All diese Aspekte waren das letzte Mal schon interessant und sind es dieses Mal wieder. Da es um niedergelegte Fälle geht, gibt es überhaupt keine Möglichkeit, Azadi und Kulina zu einer Randerscheinung zu verklären, da das Duo alle Zusehenden immerhin aktiv durch den Fall lenken muss – aus der Täterperspektive zu erzählen ginge ja wohl schlecht. Dadurch ist man den Figuren und ihren persönlichen Problemen ausnahmsweise recht nahe. Ein Umstand, von dem sich andere Ermittler und Ermittlerinnen noch etwas abgucken könnten …
Wenn das Erzählte auch noch gut aussieht: Auch technisch überzeugt „Licht“
Auf einer inszenatorischen Ebene ist „Licht“ vielleicht nicht immer überragend, aber es gibt mindestens eine Idee, die mehr als überzeugt: So wie letzte Woche im Stuttgarter „Tatort“ mit Richy Müller bekommt man auch hier eine Plansequenz mit nahtlosem Szenenübergang geboten. Wie das aussieht?
Vater Julian und Tochter Viktoria steigen am Ufer unter einer Brücke aus ihrem Auto aus, während Kulina und Azadi ein paar Meter weiter stehen und den Fall rekapitulieren – sprich: ein nahtloser Szenenwechsel aus der Vergangenheit ins Hier und Jetzt. Immer wieder dreht sich die Kamera um Kulina und Azadi, nur um dann zu offenbaren, dass im Hintergrund alle Offenbarungen anhand des Autos gezeigt werden. Wie viel Arbeit in diese Einstellung hineingeflossen ist, kann man sich gar nicht vorstellen … sollte man aber, denn ich will definitiv mehr davon.
Noch mehr Strahlkraft in „Licht“: Was noch überzeugt
Wer sich noch an „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ (1983) erinnert, hat sicher noch das Medley eines Finales im Kopf – bestehend aus der Schlacht am Boden Endors, den Dogfights im Weltall und der Auserzählung des Vater-Sohn-Konfliktes. Handlungsstränge, die sich parallel abspielten und nacheinander gezeigt wurden. In einem etwas kleineren Umfang findet man so etwas auch in „Licht“. Während Azadi zwei Kinder befragt, sieht man parallel, wie Kulina die Schilderung der Kinder im Rahmen einer Durchsuchung entdeckt. So räumt man nicht nur beiden Ermittlern gleich viel Raum in der Handlung ein, sondern sorgt auch dafür, dass man sich die sonst so omnipräsente Exposition spart.
Geblendet oder verblendet? Der eine Haken in „Licht“

So schön alles in „Licht“ sein mag, gibt es eine Sache, die zwar schön anzusehen ist, aber auf Dauer schon etwas amüsierend wirkt. Wer genau darauf achtet, merkt, dass man in vielen Szenen geblendet wird – und das nicht von den wirklich soliden Schauspielleistungen seitens Foroutan und vor allem Hasanovic. Viel eher scheint von allen Seiten das titelgebende „Licht“ in jeden Raum und jedes Gesicht. Die Idee, dass inmitten dieses düsteren Falles dennoch immer etwas Licht präsent ist, ist zwar ganz nett, aber sobald auffällt, dass man in nahezu jeder Szene diesem grellen Leuchten ausgesetzt ist, verfällt die Subtilität etwas. Was man trotzdem positiv anmerken muss, ist, dass sich Gedanken bezüglich des Aussehens und der Farbgebung gemacht wurden … und das bedeutet für einen „Tatort“ schon recht viel.
Lichtblick: Warum jeder „Tatort“-Fan „Licht“ schauen sollte
Die Saison geht stark weiter und das neue Frankfurter Team steht jetzt schon mehr als würdig zwischen all den anderen Ermittler-Teams – und das, obwohl sie aus dem Keller heraus ermitteln. Wer einen spannenden Fall sehen möchte, der hier und dort etwas schaurig und finster ist, sollte „Licht“ definitiv eine Chance geben. Dazu kommen allerlei Wendungen und ein Ende, das den Zuschauer und/oder die Zuschauerinnen so traurig hinterlässt, wie der Rostocker „Polizeiruf“ es meist gerne hätte. Nächste Woche geht es dann mit einem neuen Fall aus Münster weiter, der die Zusehenden ebenso traurig hinterlassen dürfte … denn es ist der letzte Fall mit Mechthild Großmann als Wilhelmine Klemm.









