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Ciao, Corinna …

„Tatort“ heute: Corinna und der Wolf – Kritik zum Fall „Gefahrengebiet“ aus Berlin

Eine Wölfin in Berlin? Ermittlerin Bonard hat in ihrem letzten Fall alle Hände voll zu tun – aber bekommt sie einen würdigen Abschluss, oder überzeugt das Berliner Team mal wieder niemanden?

Mark Waschke (l.) und Corinna Harfouch stehen im Wald. Harfouch trägt eine gelbe Jacke, Waschke einen schwarzen Mantel.
Ein letztes Mal Berlin: Bonard (Corinna Harfouch) ermittelt in ihrem letzen Fall – Partner Karow (Mark Waschke) stimmt das traurig. Foto: rbb/Conny Klein

Letzte Runde in Berlin – zumindest für Ermittlerin Bonard, denn „Gefahrengebiet“ ist für sie der letzte Fall. Und dafür werden eine Wölfin, Survival-Experten und sehr schlechte Laune aufgefahren. Und irgendwo zwischen schlechten Schauspielern und Schauspielerinnen sowie einer ermüdenden Geschichte lauert ein Fall, der auf dem Papier prinzipiell interessant ist …

„Gefahrengebiet“: Warum sucht das Berliner „Tatort“-Team nach einer Wölfin?

Eine Frau findet beim Spazierengehen mit ihrem Hund einen toten Obdachlosen mit großen, klaffenden Wunden. Automatisch kommt der Verdacht auf, dass eine Wölfin dahinterstecken könnte – einen Verdacht, den Ermittler Karow (Mark Waschke) als absoluten Unfug abtut. Während Karow nach einem Mörder sucht, handhabt Bonard (Corinna Harfouch) ihren letzten Fall etwas anders: Sie begleitet Prof. Dara Kimmerer (Anne Ratte-Polle) zu einem Überlebenstraining – warum, bleibt schleierhaft …

Impfungen, Warnsignale und Handy-Kritik: Für wen ist dieser „Tatort“?

Der „Tatort“ und sein Versuch, modern zu sein, sind ein zweischneidiges Schwert – ein Schwert, an dem sich meist alle Zielgruppen schneiden. Und dafür ist „Gefahrengebiet“ aus Berlin ein perfektes Beispiel:

Immer wieder wird mit Anglizismen um sich geworfen, damit man behaupten kann, dass man wisse, wie man in der heutigen Welt zu sprechen neigt. Andererseits wird aber jeder Anglizismus erklärt, damit auch die späten Semester vor dem Fernseher alles verstehen können. Das ist zwar inklusiv gemeint, wirkt aber so, als würde man gerade eine Verfilmung eines Anglizismen-Dudens sehen.

Aber auch andere Konzepte werden breitgetreten. So wird zum Beispiel über Impfungen gegen Zecken und Warnsignale auf dem Handy gesprochen – fast so, als wollte man all jenen jenseits der 50 einen Aufklärungskurs geben. Und natürlich wird der größte Kritikpunkt angeführt: Wir sind zu süchtig nach unseren Handys … ein weder origineller noch revolutionärer Gedanke.

Am Ende stellt man sich die Frage, für wen das eigentlich alles ist: Die junge Zielgruppe wird sich nicht ernst genommen fühlen, während die Älteren einen Schwall an Exposition um die Ohren gehauen bekommen.

Man will Mut zeigen, aber eigentlich auch nicht: Weitere forcierte Plots im „Tatort“

Mark Waschke steht mit schwarzem Mantel im Wald.
Große Emotionen oder überhöht? Karow (Mark Waschke) muss in diesem „Tatort“ seine eigenen Gefühle ergründen … Foto: rbb/Conny Klein

Repräsentation ist wichtig, aber zwischen Repräsentation und Agenda liegt ein sehr schmaler Grat – eine Gratwanderung, die hier reichlich schiefläuft.

Ausnahmsweise versucht man, Ermittler Karow etwas mehr Fleisch zu geben, und erzählt mehr über sein Liebesleben. Ebenso wie seine Ex-Kollegin Nina Rubin (Meret Becker) interessiert er sich für das eigene Geschlecht. Und daran ist nichts schlimm. Immerhin ist das eine Darstellung der Realität, aber in Berlin fühlt sich Karows Homosexualität wie eine Agenda an – ganz nach dem Motto: Karow ist schwul, damit irgendjemand schwul ist.

Das zeigt sich auch daran, wie inkonsequent die Darstellung von Homosexualität ist. Karow und sein Liebhaber dürfen zwar zu zweit nackt im Bett liegen und sich ebenso nackt gegenüberstehen, aber der sich anbahnende Kuss wird weggeschnitten, bevor man auch nur sehen könnte, wie die Lippen aufeinandertreffen. Das ist repräsentativ, aber gleichermaßen auch mutlos.

Alles außer Arbeiten: Wird in Berlin überhaupt noch ermittelt?

Nachdem sich Bonard und Karow in ihrem letzten Fall richtig ins Zeug gelegt haben, scheinen sie ihre Überstunden in „Gefahrengebiet“ ausgleichen zu wollen, denn das Ermitteln ist absolute Nebensache.

Stattdessen geht Bonard aus fadenscheinigen Gründen in den Wald – und löst dabei zufälligerweise einen Fall. Dasselbe gilt für Karow, der allen mitteilt, dass Bonard keine Abschiedsfeier möchte, alleine feiern geht und in Bunkern den Beischlaf ausübt. Und dreimal darf man raten, was dann passiert … korrekt, auch er löst den Fall zufälligerweise. Dabei entsteht zwar eine nette Parallelmontage, aber die Schreibe wirkt dadurch nicht weniger dilettantisch.

Bye bye, Bonard: Funktioniert der Abschied von der „Tatort“-Ermittlerin?

Lange hat Bonard nicht an der Seite von Karow ermittelt. Ebenso wie in Dortmund niemand mit Faber ermitteln möchte, scheint auch niemand mit Mark Waschkes „Tatort“-Kommissar ermitteln zu wollen. Dementsprechend müsste man denken, dass Karow es gewohnt sein sollte, sich von seinen Partnerinnen zu verabschieden, aber trotzdem fällt es ihm schwer.

Dabei hätte man sich ausnahmsweise ein Beispiel am Münsteraner „Tatort“ nehmen können, denn dort wurde erst vor Kurzem Mechthild Großmann verabschiedet. Und das wurde gemütlich in kleiner Runde mit einer Flasche Sekt getan. Doch in Berlin herrschen große Emotionen, und deswegen kann man mit diesem Umstand nicht normal umgehen. Nahezu unbedeutend zieht Bonard von dannen und hinterlässt ein „Tatort“-Team, das dringend etwas Beständigkeit benötigt.

Fazit: Hier wird niemand abgeholt – außer Bonard

„Gefahrengebiet“ ist eine Geduldsprobe, aber auch ein Test, wie viel Quatsch man dem Publikum bieten kann, bevor es endgültig abschaltet. Denn die Wahrheit ist, dass „Gefahrengebiet“ trotz aller Fehler überwiegend nur belanglos und aufgeblasen ist. Es wird ein großes Tamtam darum gemacht, dass Bonard geht, aber interessiert das überhaupt irgendwen? Immerhin ist die Ermittlerin knapp drei Jahre dabei gewesen – also definitiv nicht lang genug, um Eindruck zu hinterlassen.

Man kann nur hoffen, dass Karow und somit auch Mark Waschke einen Partner oder eine Partnerin bekommen, die nicht nur seine Arbeit, sondern auch sein Schauspiel auffangen kann. Denn wenn der Berliner „Tatort“ so weitergeht, werden die Beschwerden, die man online liest, nur mehr werden …

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