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Livin' La Vida Lobo

Großartiger Film – wenn auch ohne Dino: Kritik zu „Supergirl“

Nach einer einjährigen Kino-Pause kehrt das DCU auf die große Leinwand zurück und hofft, das Publikum mit „Supergirl“ für sein neues Filmuniversum begeistern zu können. Und zumindest mich hat es vollends begeistert …

Supergirl schaut hoffnungsvoll in die Ferne und schwebt in der Luft.
Gekommen um zu bleiben: „Supergirl“ ist ein charmanter Roadmovie. Foto: © 2025 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved. TM & © DC

Ich weiß nicht recht, wieso, aber seit der Ankündigung freue ich mich auf „Supergirl“. Um die Absurdität dieser Aussage einzuordnen: Ich habe mit „Supergirl“ kaum bis gar nichts am Hut und würde tendenziell nicht behaupten, dass die Figur, ebenso wie ihr Cousin Superman, zu meinen liebsten DC-Charakteren gehört – zumindest bis jetzt, denn dank „Supergirl“ habe ich Blut geleckt.

„Supergirl“: Wovon handelt der zweite DCU-Film?

Video Platzhalter
Video: Warner Brothers/DC/TVMovie

Kara Zor-El aka Supergirl (Milly Alcock) ist nicht unbedingt bester Dinge. In einer Art Findungsphase zieht sie durchs Universum und landet am liebsten auf Planeten mit roter Sonne, denn dort kann sie sich maßlos betrinken. Doch ihr destruktives Verhalten kreuzt den Weg der Waise Ruthye (Eve Ridley), die ihre gesamte Familie infolge der Missetaten des ruchlosen Schlächters Krem (Matthias Schoenaerts) verloren hat.

Als dieser Karas Hund Krypto vergiftet, sieht sie sich gezwungen, gemeinsam mit Ruthye auf einen Rachefeldzug zu gehen, der sie einmal quer durch die Galaxie führt – in der Hoffnung, Krem und vielleicht sogar sich selbst zu finden.

Kondensiert, cool, Kara: „Supergirl“ ist ein kleines feines Abenteuer

Supergirl und ihr Hund Krypto sitzen gemeinsam in einem Raumschiff.
Streuner unter sich: Trotz Krypto bleibt Supergirl das wahre Highlight des Films. Foto: © 2026 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved

Im direkten Vergleich zum Vorgängerfilm „Superman“ erzählt „Supergirl“ eine kondensierte Geschichte, die nicht so überfrachtet wie der Kickstart des DCU anmutet. Hier hampeln keine hundert weiteren Helden, Schurken und Sidekicks herum. Stattdessen stehen Kara und Ruthye im Fokus der Handlung – mit den genau richtigen Prisen an Lobo. Keine forcierte Romanze und kein Versprechen, dass Tausende Sequels kommen werden.

Stattdessen folgen wir überwiegend zwei Figuren, die für sich stehen und aneinander wachsen dürfen. Kara Zor-El beziehungsweise Supergirl ist weniger eine Ansammlung von knapp hundert Jahren Comicgeschichte wie ihr Cousin Superman, sondern einfach ein Charakter – und das sogar mit Ecken und Kanten. Im Film normal, doch fürs Superheldenkino ungewöhnlich. Was hingegen gewöhnlicher ist …

Augen auf bei Adaptionen: Wenn „Supergirl“ den Dino aussparen muss

Einer der Gründe, weshalb „Supergirl“ ein derartig kondensierter und in sich geschlossener Film ist, hängt damit zusammen, dass der Capeflick auf dem Comic „Supergirl: Woman of Tomorrow“ basiert. Das merkt man vor allem in den ersten fünfzehn Minuten, in denen der Film dem Comic sehr detailgetreu folgt.

Doch im Verlauf des Films verliert sich der Bezug zum Quellmaterial allmählich. Die Beats der Geschichte sind zwar noch weitestgehend flächendeckend vorhanden, aber wie ich im Interview mit Regisseur Craig Gillespie erfuhr, hängen die Änderungen mit dem Budget des Films zusammen. Exemplarisch dafür ist eine Szene, in der Ruthye Supergirl verteidigen und sich beweisen muss, als ein Dinosaurier auftaucht. Der Film adaptiert zwar Teile dieses tollen Moments, aber der Dino fehlt – und das ist tatsächlich ein Problem.

Es ist vollkommen in Ordnung, einer eigenen kreativen Vision zu folgen, wenn man etwas adaptiert, aber dann sollte man zumindest sicherstellen, dass die eigene Vision mindestens genauso gut aussieht wie das Original. Doch wo „Woman of Tomorrow“ mit wunderschönen, verträumten, fantasievollen Bildern aufwartet, fehlt es „Supergirl“ stellenweise daran. Die Sets sind zwar hier und dort echt cool, aber über allem liegt so ein beige-brauner Ton, der nur eine Orangestufe davon entfernt ist, an „Mad Max: Fury Road“ zu erinnern.

Klar ist das am Ende des Tages eine Budget-Frage, aber der Erinnerungswürdigkeit des Films hätte es gutgetan, wenn er sich stärker von anderen farblosen Superheldenprojekten abgehoben hätte.

„Supergirl“ ist das, was das DCU braucht

Im Anschluss dieser Kritik sei aber angemerkt, dass das Meckern auf hohem Niveau ist. „Supergirl“ ist etwas, was die wenigsten nach „Superman“ erwarten dürften. Wo letzterer Film vollends darin vernarrt war, ein Buch aufzuschlagen und aufzuzeigen, welche Geschichten man alle erzählen könnte, verlässt sich „Supergirl“ darauf, primär eine Geschichte zu erzählen.

Hardcore-Fans der MCU-Telenovela-Struktur werden von diesem Umstand voraussichtlich enttäuscht und/oder verwirrt sein, aber ich persönlich finde es besser, dem Publikum erst einmal die Chance zu geben, sich in Charaktere zu verlieben, statt es mit leeren Hüllen zu bombardieren.

Und ehrlicherweise ist es recht einfach, sich in die Figuren zu verlieben – allen voran Milly Alcocks Supergirl, die frech und heroisch, aber auch verletzlich und sentimental ist. Letztendlich macht sie ihren Job so charmant, dass sie neben Jimmy Olsen mein meisterwarteter Charakter in „Superman: Man of Tomorrow“ ist.

Ob dieser ungewöhnliche Ansatz für einen Superheldenfilm aufgeht, ist hingegen eine andere Frage. Mit dem Säbelrasseln der Minions im Nacken und dem Erfolgszug von „Backrooms“ und „Obsession“ in der Brust dürfte die Frau aus Stahl es schwer haben, sich zu behaupten. Andererseits gibt es zurzeit keine direkte Blockbuster-Konkurrenz, weshalb immerhin dieses Feld frei wäre.

Ganz gleich, wie die Einspielergebnisse verlaufen mögen, heißt es so oder so: „Look Out“, denn Supergirl ist hier, um zu bleiben – und das ist gut so!

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