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Das Ende einer Schauspielkarriere

„Jana Nayagan“ : Ist das ein gelungener Abschied für Thalapathy Vijay?

„One Last Time“: Mit diesem Gedanken ging ich in den letzten, neu veröffentlichten Film „Jana Nayagan“ mit Thalapathy Vijay rein. Voller Aufregung hofft man auf einen krönenden Abschluss für den tamilischen Schauspieler ...

Vetri Kondan plant seinen nächsten Schritt
Vetri Kondan (Thalapathy Vijay) schmiedet einen Plan gegen den Rivalen „Himmler“. Foto: TMDB

Dieser Kinobesuch war für mich alles andere als ein gewöhnlicher Filmabend. „Jana Nayagan“ bedeutete Abschied nehmen von einem Stück meiner Kindheit, denn ich wusste, das ist der letzte große Kinoauftritt von Thalapathy Vijay. Im Saal fragte ich mich gespannt, wie dieser Film wohl einen so großen Star verabschieden würde.

Thalapathy Vijay als Vorbildfunktion für viele Fans

Wie schon in all seinen bisherigen Filmen wird auch in „Jana Nayagan“ sofort klar, dass Vijay als der attraktive, eloquente und scheinbar unbesiegbare Held inszeniert wird. Ein Mann voller Charisma, dem das Publikum blind vertraut. Natürlich weiß ich auch, dass es im echten Leben solche Helden nicht gibt. Aber gerade als Fan stört mich das überhaupt nicht! Im Gegenteil: Diese Überhöhung gehört zu einem Vijay-Film einfach dazu. Mit all seinen Erfolgen und Rückschlägen ist er für viele Fans ein echtes Vorbild, denn seine Lebensgeschichte zeigt uns immer wieder aufs Neue, dass selbst große Träume Realität werden können.

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Die emotional greifende Familiengeschichte

Am meisten gefallen hat mir, dass der Film nicht nur auf Action setzt, sondern auch eine familiäre Ebene hat. Besonders die Geschichte zwischen Viji, die Tochter eines Polizistenkollegen und Vetri Kondan als Ziehvater hat für mich gut funktioniert. Dazu greift der Film ein wichtiges Thema auf: Die psychische Erkrankung von Viji bzw. ihre Angststörung. Diese wird nicht nur im Film erwähnt, sondern visuell spürbar in Szene gesetzt.

Der Film zeigt Vijay nicht nur als starken Mann, sondern als verantwortungsvollen Ziehvater, der mit seiner Erziehung dem jungen Mädchen Halt und Mut mitgibt. Auch die Konstellationen zwischen Viji (Mamitha Baiju) und ihrem Freund Karthik (Teejay Arunaselam) und zwischen Vetri und der Journalistin Kayal (Pooja Hegde) haben für mich dazu beigetragen, dass der Film nahbarer wirkt. Genau diese Kombination aus Familie, Freunde und emotionaler Verletzlichkeit hat mir gut gefallen.

Wenn Politik alles überlagert, wird aus dem Film fast eine Kampagne

Der Film will so viel gleichzeitig sein, dass er sich für mich stärker wie eine politische Botschaft mit Kinoverpackung anfühlte. Genau die Punkte die er mit seiner Wahlkampagne (TVK-Patei) entgegenkommen wollte: Drogenmissbrauch, Alkohol, Chancengleichheit, Gewalt gegen Frauen und Kinder, Vergewaltigung, Korruption und illegaler Waffenhandel wurden nacheinander „abgefrühstückt“.

Dazu lagen viele versteckte politische Zeichen und Easter Eggs im Film: Das Tattoo, das auf die Patei TVK verweist, die MGR-Anspielungen, die Dr.-B.-R.-Ambedkar-Bezüge, der Name des Antagonisten, „Himmler“, erinnert an einen NS-Verbrecher und am Ende sogar die kleinen Insider-Momente mit Vijay's letzten Regisseuren wie Lokesh, Atlee und Nelson. Vieles davon fand ich als Fan durchaus unterhaltsam, manches sogar sehr clever gesetzt. Aber irgendwann kippte es für mich ins Offensichtliche: Ich hatte das Gefühl, dass der Film nicht nur unterhalten, sondern auch von der politischen Lage Indiens intensiver aufklären will. Dadurch wurde „Jana Nayagan“ für mich weniger zu einem klassischen Actionfilm und mehr zu einer Art politischem Statement. Das mag zwar gewollt sein, aber mir fehlte leider dabei die Leichtigkeit des Storytellings bei einem „Entertainerfilm“ wie dieser.

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Waren die ganzen Kampfszenen im Film wirklich nötig?

Grundsätzlich schaue ich mir Vijay in seinen actionreichen Stunts wirklich gerne an, doch irgendwann war das zu viel. Die Kämpfe waren zu brutal, zu lang gezogen und zu wenig spannungsfördernd. Vor der Veröffentlichung des Filmes wurden einige brutale Szenen gekürzt, aber auch mit dieser gekürzten Version konnte ich die Klage wegen zu harter Gewaltdarstellung im Film nachvollziehen.

Besonders die KI- und Roboter-Elemente waren für mich der Punkt, an dem der Film fast schon ins Lächerliche kippte. Die Idee, dass sich unsere Welt immer stärker digitalisiert und solche Technologien gegen Menschen eingesetzt werden könnten, ist an sich nicht unrealistisch. Aber in der Umsetzung wirkte es auf mich zu künstlich und überzogen. Ich konnte die langen Kampfszenen mit den Dronen- und Roboterangriffen irgendwann nicht mehr ernst nehmen.

Dazu kam es mir vor als würde der Rivale „Himmler“ vor allem in der zweiten Hälfte des Filmes mehr Bildschirmzeit bekommen als Vijay selbst. Der Ex-Polizist „Amrish Poojari“, der nach seiner Erniedrigung zum Machtmenschen „Himmler“ wird, verfolgt aktiv seinen Racheplan während man sich fragt, wo Vetri nun geblieben ist. Gegen Ende haben mich besonders die realistisch inszenierten Kampfszenen begeistert. Sowohl die Auseinandersetzungen zwischen Viji und den Rivalen als auch die Szenen, in denen sie gemeinsam mit ihrem Ziehvater Vetri kämpft. Besonders beeindruckt haben mich dabei nicht nur Vijis eigene Stunts, sondern auch das durchweg starke Spiel von Mamitha Baiju, die jede ihrer Szenen überzeugend gemeistert hat.

Und so soll ich nun Abschied nehmen?

Am Ende blieb für mich ein zwiespältiges Gefühl. Das Bild am Ende mit Vijays tintenmarkiertem Zeigefinger rief dazu auf, das Wahlrecht in Indien ernst zu nehmen. Daneben jedoch „The End“ zu schreiben, war für mich ein sehr abruptes Ende. Viele im Kino schienen in dem Moment ähnlich irritiert zu sein, weil sich die meisten im Kinosaal fragten: „War es das jetzt schon?“

Ich hätte mir auch einen emotionaleren Abschluss wie in den anderen Kinos gewünscht: Ein Rückblick über seine Filmkarriere zum Abschied hat bei mir im Kino leider gefehlt. Stattdessen blieb ich mit dem Film überladen an Themen, offenen Gedanken und Gefühlen zurück. Ich wusste mit diesem Film wollte er seinen Schritt in die Politik verkünden, aber genau das macht den Abschied für mich schwer greifbar.

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