Fatal Frame 2 – Crimson Butterfly im Test: Schaurig-schönes Remake
Nach und nach bringt Koei Tecmo die fernöstliche „Project Zero“-Reihe im neuen Gewand zu uns nach Europa – und „Fatal Frame 2: Crimson Butterfly“ ist ein Remake des beliebtesten Teils überhaupt. Ob Survival-Horror-Fans Grund zum Feiern haben, erfahrt ihr im Test!
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Survival Horror boomt: Das Grusel-Subgenre mit maximalem Schrecken bei minimalen Ressourcen erfreut sich aus ebendiesem Grund wachsender Beliebtheit. So schockten uns im Triple-A-Sektor etwa zuletzt „Silent Hill f“ und „Resident Evil Requiem“ – von Unmengen Indie-Games wie „Tormented Souls 2“ mal ganz abgesehen.
In den 2000ern jedoch (der Hochphase des Survival-Horror-Genres) gab es noch ganz andere Namen außer diesen beiden. So erfreuten sich Fans etwa an den vielen (guten) Spielen der „Project Zero“-Reihe, in denen ihr (meist in der Haut wehrloser kleiner Mädchen) nur mit einer Kamera bewaffnet im finsteren Japan Geister bekämpft hat.

Franchise-Verwirrung: Fatal Frame vs. Project Zero
Während die Reihe in den USA seit jeher „Fatal Frame“ heißt, ist sie hierzulande unter dem Namen „Project Zero“ bekannt (angelehnt ans „Zero“ Japans). Entsprechend hießen auch die letzten Teile „Project Zero: Priesterin des Schwarzen Wassers“ und „Project Zero: Die Maske der Mondfinsternis“. Mit dem neuen Teil setzt Entwickler Koei Tecmo passend zur wachsenden Popularität der Serie erstmals auf einen einheitlichen Namen.
Nach der alten Trilogie eher in die Obskurität abgedriftet, startete Inhaber Koei Tecmo immer wieder neue Versuche, seine ungewöhnliche Horrorreihe wiederzubeleben – zuletzt mit dem mittelmäßigen „Priesterin des Schwarzen Wassers“ und dem deutlich besseren „Die Maske der Mondfinsternis“.
Der aktuelle Teil „Crimson Butterfly“ erscheint unter dem US-amerikanischen Namen „Fatal Frame“ (siehe Kasten „Franchise-Verwirrung“ oben) und ist ein Remake des wohl besten Teils der Reihe, Numero 2. Genügt die Neufassung den Ansprüchen der Gruselgemeinde?
Worum geht's: Die Handlung von Fatal Frame 2
Die Grundhandlung von „Fatal Frame 2: Crimson Butterfly“ bleibt quasi gleich: Die Zwillingsschwestern Mio und Mayu verlaufen sich im Wald und stoßen auf das scheinbar verlassene Dorf Minakami. Dort passieren jedoch seltsame und unheimliche Dinge: Türen öffnen sich von selbst, Schatten bewegen sich im Dunkeln und immer wieder tauchen geisterhafte Erscheinungen auf.
Zu allem Überfluss werden die Schwestern auch noch getrennt und ihr erkundet mit Mio das finstere und verzweigte japanische Dorf und seine noch viel verzweigteren Gebäude. Auf der Suche nach Mayu (und einem Ausweg aus der Misere) erfahrt ihr immer mehr über die düstere Vergangenheit des Ortes – eine komplexe und makabre Geschichte um Macht, generationsübergreifenden Hass und rituelle Opfer.

Wie spielt es sich: Das Gameplay von Fatal Frame 2
Auch am Kern des Gameplays hat sich erst einmal nichts getan: Genau wie früher erkundet ihr in gemäßigtem Tempo typisch japanische Umgebungen wie das von einem Fluss durchzogene malerische Dorf und seine Schreine.
Immer wieder attackieren euch jedoch plötzlich auftauchende Geister, welche mit den Zombies aus „Resident Evil“ den Boden aufwischen. Die schrecklichen Schemen gehen nämlich durch Wände oder verschwinden ganz plötzlich um Sekunden später viel zu nah bei euch wieder aufzutauchen.
Noch schlimmer: In „Fatal Frame 2“ ballert ihr nicht etwa mit einer Magnum um euch, sondern verbannt das Böse mithilfe einer magischen Kamera. Dazu wechselt ihr mit der sogenannten Camera Obscura in die Ego-Perspektive, um alles Geisterhafte im Sucher zu erfassen und todzuknipsen.
Verschiedene Filmstärken verursachen dabei unterschiedlich großen Schaden, während spezielle Filter und Upgrades wie „Verlangsamung“ und „Zurückwerfen“ euch das Leben ein wenig einfacher machen. Dennoch sind die Kämpfe bereits auf „Story“ knackig und werden spätestens im normalen Modus dem Genre mehr als gerecht.

I want to hold your Hand
Ganz neu ist das Hand-Halten-Feature. Seid ihr zwischendurch mit Mayu vereint, könnt ihr ihre Hand halten und mit ihr die Gegend erkunden. Dann könnt ihr zwar nicht kämpfen oder Türen öffnen, wohl aber (halbwegs) sicher zusammen fliehen. Noch besser: Ihr gewinnt wieder an Gesundheit und Seelenfrieden – Ressourcen für Leben und spezielle Kamera-Attacken. Außerdem entsteht eine empathische Bindung zu eurer Schwester.
Vor allem in den engen Gängen der Gebäude müsst ihr ständig die Position wechseln und anschließend wieder durch den Sucher glotzen, um den unberechenbaren Geistern Herr zu werden. Das kann auch mal frustrieren, vor allem Neulinge.
Doch die beklemmende Atmosphäre und die motivierende Exploration des Dorfes und seiner Gemäuer macht das wieder wett: Kämpfe sind nämlich nur ein Teil von „Crimson Butterfly“: Ihr löst ebenso viele Puzzles, in denen ebenfalls oft die Kamera zum Einsatz kommt.
So sammelt ihr nicht nur die üblichen Schlüssel oder Wappen, sondern fotografiert bestimmte Orte, um sie zu „entfluchen“ und zugänglich zu machen. Ein ganz neuer Filter absorbiert dazu etwa Blutspuren- und Spritzer, woraufhin der Weg zu Schlüssel- oder einfach nur hilfreichen Items freigemacht wird.

Die Exploration involviert dabei viel Backtracking, was durch nicht immer eindeutige Missionsziele auch mal in verwirrtem Umhergeschleiche endet. Dennoch sind die klaustrophobischen und vertrackten Umgebungen derart faszinierend und exotisch japanisch, dass sich größere Titel eine Scheibe davon abschneiden könnten.
Außerdem ist löblich, wie viel neuen Content Koei Tecmo ins Remake reingeknallt hat: Es gibt frische Umgebungen und Collectibles, vor allem aber Features, die ein Survival-Horror-Spiel der Moderne braucht. Gefundene Items, die nicht mehr in eure Tasche passen, werden zum Beispiel auf eurer Karte markiert.
Oder die neue Stealth-Mechanik, mit dessen Hilfe ihr an manchen Stellen Geistern aus dem Weg geht. Dazu bleibt ihr schleichend außer Sicht und macht den Abgang – oder ihr geht in die verdeckte Offensive und fügt dem Feind hinterrücks mehr Schaden zu.

Wie sieht's aus: Die Grafik von Fatal Frame 2
Das Rundum-Remake von „Project Zero 2“ sieht wirklich klasse aus: Die neue Hinter-der-Figur-Perspektive übernahmen die Macher von der bereits zuvor neu aufgelegten Wii-Fassung, krempelten aber ansonsten technisch so gut wie alles um.
Die Umgebungen sind sehr detailreich und wurden aufgepeppt mit zahlreichen modernen Effekten: Vorhänge wehen komplexer im Wind, die Halme im Bambusfeld knacken krachend auseinander und Regen strömt atmosphärisch vor blitzendem Gewitter herunter.
Lediglich die Charaktermodelle sind nicht so hochaufgelöst: Mio (oder Mayu) tragen zwar hübsche, verzierte Kleidung (es gibt übrigens wieder zig freischaltbare Kostüme), aber der Detailgrad erreicht nie die Qualität einer Grace aus „Resident Evil Requiem“. Das fällt aber kaum auf, weil ihr die Figuren ohnehin meist von hinten seht.
Nur die kaum optimierten Flashback-Zwischensequenzen (dann und wann erhascht ihr Blicke in die Vergangenheit) sehen allzu sehr nach PS2-Ära aus.

Wie fühlt sich's an: Der Horror von Fatal Frame 2
Die Macher von „Fatal Frame 2: Crimson Butterfly“ (mitentwickelt hat das Spiel übrigens Team „Nioh 3“ Ninja) greifen tief in die Gruseltrickkiste, damit euer Herz ordentlich wummert. Grundspannend ist das Spiel erst einmal durch seine vollkommen gelungene Atmosphäre.
Die düstere, detailreiche Grafik macht Japanogruslern wie „The Ring“ alle Ehre, Technik und Sound untermalen das Ganze subtil. Wir zum Beispiel fanden im Test das ständige Knarzen der Holzdielen herrlich schaurig.
Am effektivsten ist aber die Kamera: Zwar gibt es keine fixen Perspektiven wie im Original, aber die neue Ansicht erzeugt dennoch effektiv Grusel: So geht die Kamera etwa beim quälend langsamen Türenöffnen besonders nah an die Figur heran, sodass ihr noch kälter erwischt werdet, wenn mal was dahinter lauert. Oder ein Vorhang hängt mitten im Gang und versperrt die Sicht auf den Gang dahinter – brrr!
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Fazit: Fatal Frame 2 – Crimson Butterfly
Was sind wir erleichtert: „Fatal Frame 2: Crimson Butterfly“ bringt den beliebtesten Teil des Geistergrusels nicht nur kosmetisch auf Stand, sondern überrascht uns Fans mit so viel neuem Content, dass wir das Zwillingsmärchen kaum wiedererkennen. So ist das Remake um Längen besser als das ohnehin gute „Project Zero: Mask of the Lunar Eclipse“. Survival-Horror-Neulinge sollten jedoch aufpassen: Der Ausflug ins makabre Japan ist durch seine Geisterkämpfe knallhart und nichts für schwache Nerven!






