Drei Filme in 43 Jahren

„Tron: Ares“ auf Disney+: Style over Substance – was will man mehr? | Filmkritik

15 Jahre nach „Tron Legacy“ konnte sich Disney endlich zu einer weiteren Fortsetzung der Sci-Fi-Franchise durchringen. Darum lohnt es sich, dem Film auf Disney+ eine Chance zu geben.

Zwei Dillinger-Programme aus „Tron: Ares“.
Ein Computer-Papierkorb wäre in der Welt von „Tron: Ares“ ein Ort des Schreckens. Foto: © 2025 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved

Höher, schneller, weiter – Hollywood will bekanntermaßen bei Fortsetzungen immer eine Schippe draufsetzen. Doch der „Mehr von allem“-Ansatz birgt auch Risiken, denn schnell weicht man zu sehr von der ursprünglichen Erfolgsformel ab.

Man denke hier nur an Jurassic Park: Der Dino-Nervenkitzel macht zwar Spaß, aber das Konzept des defekten Freizeitparks war ein Trumpf, den man in den späteren Filmen immer mehr aus den Augen verlor. Jurassic World mit seinen Dinos in der freien Wildbahn wich zu stark vom Original ab.

Anders, aber doch ähnlich: die Serie „Westworld“. Auch hier stammt die Vorlage von Michael Crichton, einem Mann, der Chaos in Freizeitparks offensichtlich sehr genossen hat. Doch nach zwei Staffeln, in denen Androiden gegen ihre Programmierung verstoßen und aus der Unterdrückung ausbrechen, erreichen sie in Staffel 3 die echte Welt – direkt sank das Interesse rapide ab.

Manchmal ist eine simple, aber sehr gute Idee eben besser als ein unnötiges Upgrade.

Neu, anders, aber doch gleich

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Video: Disney

„Tron: Ares“ wirkte durch den ersten Trailer wie das nächste Kapitel dieser unglücklichen Tradition. Warum soll es im dritten Teil einer Filmreihe, die Menschen in eine digitale Welt transportiert, plötzlich darum gehen, wie Programme in unsere Welt kommen? Danach hat niemand gefragt – und schnell erhärtete sich der Verdacht, dass dieser Ansatz aus Kostengründen gewählt wurde.

„Tron“ erschien 1982, „Tron Legacy“ folgte 2010 – eine zeitliche Lücke von 28 Jahren, neben der sich die 15 Jahre Wartezeit auf „Tron: Ares“ fast wie ein Katzensprung anfühlen. Es ist ein seltsames Franchise, das nie erfolgreich genug für eine direkte Fortsetzung war, aber durch seinen Look bekannt genug blieb, dass Disney alle Jubeljahre einen weiteren Versuch wagt.

„Tron: Ares“ startet somit nicht unter dem Motto „Hier ist der Film, auf den ihr alle gewartet habt“, sondern eher mit einem leisen „Vielleicht geht ihr ja diesmal ins Kino“. Somit wäre es Disney nicht zu verdenken, das Budget diesmal etwas kleiner zu halten – auch wenn „Tron“ natürlich vor allem von seinen Effekten lebt.

Ein Fest für Augen und Ohren ...

Jeff Bridges als Kevin Flynn steht vor Ares.
Spielt seit 27 Jahren den Dude: Jeff Bridges. Foto: © 2025 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved

Glücklicherweise hat Disney verstanden, dass ein „Tron“-Film vor allem eines sein muss: cool. Und so ist es als großes Lob zu verstehen, dass „Tron: Ares“ der coolste Film ist, den sich ein 14-Jähriger erträumen könnte – die nächste Generation an „Tron“-Fans dürfte damit gesichert sein.

Natürlich lebt „Tron: Ares“, genau wie „Tron Legacy“, von seinen optischen Reizen – die Filme sind quasi OLED-Demo-Videos mit Handlung. Aber erneut ist es das Zusammenspiel mit der Musik, das dieses „Tron“-Sequel so sehens- und hörenswert macht.

Daft Punk waren eine perfekte Wahl für den Soundtrack von „Tron Legacy“, und Nine Inch Nails gelingt es tatsächlich ebenfalls, einen zeitlosen Soundtrack abzuliefern, der jede Szene bereichert. Wenn hier die (überwiegend roten) Lichter über die Leinwand rasen und die Klänge der Nine Inch Nails aus den Boxen wabern, ist das ein Erlebnis, das man sich als Sci-Fi- oder Musikfan nicht entgehen lassen sollte.

... aber nicht für's Hirn

Zwei Dillinger-Programme infiltrieren die Encom-Server.
Zum Thema KI und dem „Geist in der Maschine“ hat „Tron: Ares“ nichts zu sagen. Foto: © 2025 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved

Was die Handlung angeht, kann „Tron: Ares“ hier nicht mithalten. Das ist aber gar nicht schlimm – schon „Tron Legacy“ fuhr mit dem „Style over Substance“-Ansatz sehr gut. Die Handlung ist funktional, teils vorhersehbar, aber vor allem ein Mittel zum Zweck, um von einer Actionszene zur nächsten zu führen.

Zwar könnte man annehmen, dass Ares (Jared Leto) als Programm mit eigenen Plänen und Träumen als aktueller KI-Kommentar fungiert, doch hier bleibt „Tron: Ares“ so altmodisch wie seine Vorgänger. 1982 sahen die Computerprogramme einfach aus wie Menschen in leuchtenden Anzügen, damit man sich das Server-Leben besser vorstellen kann, und daran hat sich bis heute nichts geändert – große Ideen oder Erklärungen sucht man hier vergeblich.

Die Übergänge zwischen digitaler und realer Welt sind nicht so störend wie befürchtet. Auch diesem „Tron“-Film mangelt es nicht an Szenen aus dem Raster – auch wenn die Lightcycles auf echten Highways nicht ganz so beeindruckend aussehen.

Vorwissen wird eigentlich nicht verlangt. Neben einigen kleinen Anspielungen und einem kurzen Cameo-Auftritt von Jeff Bridges sind die Verbindungen zu früheren Filmen überschaubar.

Dennoch findet man sich in dieser Welt etwas schneller zurecht, wenn einem Begriffe wie Encom und Dillinger etwas sagen. Es kann also nicht schaden, die ersten beiden Filme noch einmal nachzuholen oder die Erinnerung aufzufrischen – schon allein, um die technischen Fortschritte von 1982 bis heute vor Augen geführt zu bekommen.

Besonders mutig wird „Tron: Ares“ übrigens erst ganz am Ende. Dann wird nämlich deutlich eine direkte Fortsetzung angedeutet – hoffentlich müssen wir darauf nicht wieder 15 Jahre warten.