Wo Woody ist, ist Bully nicht weit

„Diese zwei Jahre waren für mich echt hart“: Michael „Bully“ Herbig im Interview zu „Toy Story 5“

Seit 16 Jahren ist Michael „Bully“ Herbig in Deutschland auch als Woody unterwegs. Zum Start von „Toy Story 5“ durften wir mit ihm über Prequels, Spielzeuge und „Lissi“ sprechen.

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Video: Disney/TV Movie

Toy Story“-Fans der ersten Stunde denken vielleicht noch immer an Peer Augustinski, wenn es um die deutsche Stimme von Woody geht, doch mittlerweile ist Michael „Bully“ Herbig länger und häufiger die Stammstimme der beliebten Pixarfigur gewesen.

Seine Rückkehr in „Toy Story 5“ stand also eigentlich außer Frage, allerdings wirft die Rückkehr von Woody durchaus einige Fragen auf – immerhin verabschiedete sich der Cowboy am Ende des 4. Films emotional von Buzz und Co.

Wie machen sie das jetzt?“ war auch eine Frage, die sich Herbig gestellt hat, als „Toy Story 5“ samt Woody angekündigt wurde. Wirklich skeptisch war er durch das erfahrene Kreativteam von Pixar jedoch nicht, und somit ist Herbig mit dem fertigen Film auch mehr als zufrieden: „So aktuell und so relevant wie dieser Teil sind die Vorgänger nicht.“

Toys vs. Tech – auf das richtige Maß kommt es an

Michael Bully Herbig lächelt im Interview.
„Toy Story 5“ stellt die Frage, wie relevant normales Spielzeug in einer digitalen Welt noch ist. Foto: Disney/TV Movie

Die erwähnte Relevanz kommt durch die Technik-Thematik, die auch in Kinderzimmern weltweit zu spüren ist. Smartphones und Tablets ziehen immer jüngere Kinder in ihren Bann, klassisches Spielzeug spielt da schnell keine Rolle mehr – oder?

„Es ist wie mit allem: Du musst das gesunde Mittelmaß finden“, findet Herbig. Er will den Tech-Trend nicht komplett verteufeln, auch weil es eh kein Zurück mehr gibt: „Meine Großmutter hat immer gesagt: ‚Eine Welle, die du nicht aufhalten kannst, die musst du reiten'.“

Zeitgleich sind die Gefahren der verlockenden Bildschirme, gerade für Kinder, auch für Herbig nicht zu übersehen: „Wenn es kippt und eher zu einer Maßlosigkeit führt, dann ist es nicht gesund.“

„Natürlich ist ein iPad erstmal für die Eltern entspannter“, so Herbig, doch „ein Stück weit geht natürlich auch die Fantasie flöten.“

Man sollte Kinder in der Technikwelt begleiten und für ein gutes Gleichgewicht aus Spielzeug und Bildschirm sorgen – nicht weit weg von der Botschaft aus „Toy Story 5“.

„Toy Story“ – wie alles begann

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Video: Disney

Auch wenn Woody in „Toy Story 5“ zurückkehrt, steht diesmal eher Jessie im Vordergrund. Wie würde allerdings ein Film aussehen, in dem Woody komplett im Fokus steht? Wir haben Herbig drei Ideen vorgestellt – ein Spin-off mit Porzellinchen, einen „Woody's Roundup“-Marionettenfilm und ein Prequel – und gerade die letzte Idee sprach Herbig an.

Auch wenn „Toy Story 6“ schon im Gespräch ist, hat Herbig Zweifel an einer langen Filmzukunft für Woody: „Woody hat ja nicht nur das Problem, dass er analog ist […], er kämpft ja auch mit dem Verschleiß. Da frag ich mich, wie weit kann man das noch treiben?

Umso sinnvoller erscheint da ein Blick auf Woodys Zeit vor Andy. „Diese Prequel-Idee […] gefällt mir gut, weil es nochmal einen komplett anderen Look entstehen lässt“, so Herbig, der gerne sehen würde, was Woody beispielsweise in den 70ern getrieben hat.

Auf mehr „Woody's Roundup“ kann er jedoch gut und gerne verzichten: „Ich bin nicht so ein Marionetten-Fan.“

Ein Ball namens „Ball“

Wenn Erwachsene einen „Toy Story“-Film sehen, plagt sie leicht das schlechte Gewissen. Wenn es Spielzeuge so hart trifft, wenn man nicht mehr mit ihnen spielt oder sie sogar wegwirft – wo sind dann die eigenen Spielzeuge von früher gelandet? Herbig kennt dieses Gefühl, weiß aber immerhin, dass die Spielzeuge nach seiner Kindheit in Kartons verstaut wurden.

An sein Lieblingsspielzeug aus seiner Kindheit kann sich Herbig noch ganz genau erinnern: „Mein Lieblingsspielzeug war ein Ball. […] Ich habe ihm auch einen Namen gegeben: Ball.“

Vor allem die vielseitige Einsetzbarkeit von Ball hat Herbig sehr gefallen, doch ihre Wege trennten sich: „Natürlich war dann irgendwann die Luft raus.“

Doch immerhin ein Spielzeug wird tatsächlich im Herbig-Haushalt von Generation zu Generation weitergereicht: „Ich hatte so einen Stoffhasen, ich nannte ihn ‚Hasi', ziemlich kreativ! Den hatte sogar mein Sohn, als er klein war. Jetzt ist er aus dem Alter auch raus, aber wir heben ihn sicherheitshalber auf, vielleicht kommt noch eine dritte Generation dazu.“

„Diese Zeit war echt wild“ – Lissi sorgt für Albträume

Michael „Bully“ Herbig ist nicht nur ein gefragter Synchronsprecher für Animationsfilme – 2007 erschien mit „Lissi und der wilde Kaiser“ auch sein eigener Animationsfilm, basierend auf der beliebten „Sissi“-Sketchreihe aus der „Bullyparade“.

Was allerdings auf der Kinoleinwand nach Spaß aussah, war für Herbig hinter den Kulissen eine Tortur. „Wir haben damals ja sozusagen aus dem Nichts ein Animationsstudio auf die Beine gestellt.“ Die Folge war, dass ein großer Teil des Budgets bereits für die nötige Vorbereitung verwendet werden musste, ohne dass nur eine Sekunde an Material vorlag.

Diese zwei Jahre waren für mich echt hart. Ich habe bei keinem anderen Film […] solche Albträume gehabt.“

Letztendlich ging natürlich alles gut und der Film konnte rechtzeitig fertiggestellt werden, doch der große Aufwand und die lange Produktionszeit halten Herbig davon ab, noch einen weiteren Animationsfilm zu planen.

Doch ausschließen will Herbig nichts: Sofern sich die Produktion durch moderne Hilfsmittel, etwa die Unterstützung von KI, beschleunigen lässt, wäre er durchaus zu einem weiteren Animationsabenteuer bereit – auch wenn es dann vermutlich keine „Lissi“-Fortsetzung wäre.

„Toy Story 5“ startet am 23. Juli 2026 in den deutschen Kinos.

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