„Tatort“ heute: Unterirdisch schlecht – Kritik zum Kölner Fall „Die letzten Menschen von Köln“
Nach einem inhaltlich fragwürdigen „Tatort“ in der letzten Woche gibt es diese Woche einen überaus unterirdischen Fall – im wahrsten Sinne des Wortes.

Meine Damen und Herren, der diesjährigen „Tatort“-Saison ist nicht wirklich ein guter Start vergönnt. Nachdem der Hannoveraner Einstand „König in Gelb“ nicht unbedingt das Gelbe vom Ei war, lag all meine Hoffnung nun auf dem zweiten neuen „Tatort“ der Saison. Immerhin hat das Duo Ballauf und Schenk Anfang des Jahres noch einen der besten Fälle der letztjährigen „Tatort“-Runde abgeliefert. Doch „Die letzten Menschen von Köln“ ist uninspiriert und allem voran unsäglich öde.
„Die letzten Menschen von Köln“: Worum geht es im „Tatort“ heute?
Ein Berufsschullehrer mit durchgeschnittener Kehle sorgt für große Fragezeichen bei Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär). Das einzige Indiz, das den Ermittlern bleibt, ist eine volle Mailbox mit Nachrichten seiner Schwester, die aber spurlos verschwunden ist. Diese befindet sich in einem Zivilschutzbunker der Stadt Köln, in welchem sie mit anderen Preppern an einem Weltuntergangstraining teilnimmt. Und während Ballauf und Schenk bei Tageslicht im Dunkeln tappen, hegen die Prepper tief unter der Erde finsterste Absichten.
Jenseits von ausgelutscht
Für all jene, die sich nur mit öffentlich-rechtlichen Medien auseinandersetzen, mag das dieswöchige Gimmick des Doomsday-Preppings vielleicht noch recht modern und zeitgemäß wirken, aber ich persönlich finde, dass ein Thema, welches bereits 2013 in „Die Simpsons“ und 2014 in „Der Tatortreiniger“ aufgegriffen wurde, schon einen gewissen Bart hat.
Man versucht zwar, dieses allgegenwärtige Nischenthema durch die Einbindung der Angst vor Pandemien und dem Ukraine-Krieg etwas zeitgemäßer einzubinden, aber wirklich gelingen tut das nicht. Das hängt aber vor allem damit zusammen, dass der Fokus der Episode nicht wirklich auf der Bunker-Prämisse liegt. Verstehe das, wer will: Da gibt man sich die Chance, sich des deutschen Lieblingsgenres des Kammerspiels zu bedienen, und inszeniert stattdessen einen „Tatort“ nach Schablone.
Noch problematischer ist aber, dass keine Abrechnung mit den Schwurblern stattfindet. Selbstverständlich hat ein jeder und eine jede das Recht, sich auf den Weltuntergang vorzubereiten, aber man sollte solche Motivationen, die auch immer politisch verhaftet sind, immerhin einordnen und es nicht so wirken lassen, als würde ein solches Verhältnis rechtfertigen – aber gefühlt merke ich der ARD die Unentschlossenheit jede Woche an.
Geniert ambitioniert, dennoch durchschnittlich
Das Letzte, was ich in einem „Tatort“ erwartet hätte, ist eine Referenz auf die atomare Explosion aus „Terminator 2“. Doch in einem sehr seltsamen Versuch des Stadtmarketings kann man sehen, wie der Kölner Dom in einer sehr dürftig animierten Sequenz explodiert.
Dass der echte Dom in nächster Zeit explodiert, ist natürlich eher unwahrscheinlich, aber es gibt auch andere Dinge, mit denen man das Publikum nach Köln locken will. So wirbt man mit Führungen durch die städtischen Bunker, und wem das nicht reicht, dürfte bei den Bildern der Kölner U-Bahn-Stationen in regelrechte Großstadtromantik geraten.
In einer Hinsicht beweist man zumindest einen Hauch von visueller Raffinesse. Es findet nämlich ein Szenenübergang statt, der durch cleveres Schwenken in die tiefere Vertikale zuerst die Straße, dann eine U-Bahn-Station und zuletzt den Bunker zeigt.
Öde und blöde
Per se ist die Idee von einer Figur, die aus einem simulierten Weltuntergangsszenario aus einem Bunker fliehen will, gar nicht schlecht, aber leider sind die Figuren dieses Story-Strangs öde wie sonst was. Was diese Idee schon exorbitant aufwerten würde, wäre, wenn man einfach Ballauf und Schenk in dieses Szenario gedrängt hätte.
Man stelle sich ein Cold Open vor, in dem Ballauf und Schenk sich im Bunker verstecken und sich dann im Laufe des Falls offenbart, dass sie dort irgendeinem Täter oder einer Täterin auf der Spur sind. Das würde Dringlichkeit und Gravitas für die Hauptfiguren erzeugen. Stattdessen stehen die beiden Opas vom Dienst aber einfach nur rum und machen klassische Polizeiarbeit – die ich zwar in jedem anderen „Tatort“ vermisse –, aber Polizeiarbeit ist immer nur so spannend wie der Fall selbst.
Spannung selbst kommt aber während „Die letzten Menschen von Köln“ nie auf. Manchmal habe ich die Hoffnung, dass sich selbst bei einem „Tatort“, den ich bereits abgeschrieben habe, zumindest ein Ende offenbart, das das Ruder noch mal herumreißt, aber statt der großen Rettung wird hier eher mit uninspiriertem Quark aufgewartet, der mich jede Sekunde daran denken lässt, wie viel besser die vorhergehende Kölner Episode „Showtime“ war.
„Die letzten Menschen von Köln“: Das Niveau ist im Keller … pardon, Bunker
Ich hoffe wirklich nicht, dass die einzigen Ideen der neuen „Tatort“-Saison sind, die Ermittler und Ermittlerinnen entweder an Gimmick-Schauplätze zu stellen oder damit zu werben, dass nun in altbekannten Städten neue Teams ermitteln. Denn nach Lindholms Demenzdorf-Eskapaden der letzten Woche ist Ballaufs und Schenks kurzer Ausflug in den Bunker auch nicht unbedingt sehenswerter.
Wer also lieber zum Lachen in den Keller geht, sollte das heute Abend (mit leichter Verspätung) tun, denn wahnsinnig viel Freude wird beim dieswöchigen „Tatort“ sicherlich nicht aufkommen.






