„Tatort“ heute: Schämt ihr euch nicht? – Kritik zum Saarbrücker Fall „Das Ende der Nacht“
Heute wird mit leichter Verspätung die letzte „Tatort“-Wiederholung der Sommerpause ausgestrahlt. Und diese fängt zwar stark an, offenbart sich aber schnell als Schall und Rauch …

„Niemand kommt ohne Grund nach Saarbrücken.“ Das wird gleich in der ersten halben Stunde der dieswöchigen „Tatort“-Wiederholung „Das Ende der Nacht“ festgestellt und bewahrheitet sich gewissermaßen – denn ein guter Grund ist der heutige „Tatort“ wirklich nicht.
Dafür gibt es aber viele gute Fragen. Warum kann die TKKG-Bande aus Saarbrücken diesmal nicht überzeugen? Worum geht es überhaupt? Und welche der Figuren forciert am meisten Fremdscham?
„Das Ende der Nacht“: Worum geht es im „Tatort“ heute?
Prinzipiell ist diese Nacht in Saarbrücken eine stille, idyllische Sommernacht. Doch während die ersten Sonnenstrahlen nicht mehr lange auf sich warten lassen, sorgt eine Explosion bereits für einen verfrühten Sonnenaufgang. Ermittlerin Pia Heinrich (Ines Maria Westernströer) ist die Erste, die entdeckt, dass die Explosion mit einem Raubüberfall auf einen Geldtransporter zusammenhängt. Das Ergebnis: 3 Millionen entwendete Euro sowie ein toter Wachmann.
Heinrich, Schürk (Daniel Sträßer), Hölzer (Vladimir Burlakov) und Baumann (Brigitte Urhausen) offenbart sich schnell, dass es sich hierbei um Serientäter handelt, die sich scheinbar in unmittelbarer Nähe befinden. Doch als sie die vermeintlichen Verbrecher konfrontieren wollen, wird Pia als Geisel genommen …
Faber wäre stolz auf Schürk: Wer hat sich das nur so zusammengereimt?
Während ich das Saarbrücker Vierergespann im Fall „Das Böse in Dir“ noch grundsympathisch fand, zeigt sich in „Das Ende der Nacht“ schnell, dass diese Figuren vielleicht etwas ambivalenter sind als gedacht – und das leider auch im negativen Sinne.
Spätestens als Schürk das erste Mal auftritt, draußen am Pool schlafend, weil es ihm im Haus zu eng ist, habe ich mir gedacht: „Mensch, Faber wäre stolz auf ihn.“ In fast jeglicher Hinsicht eifert der Jungkommissar dem alten Hasen aus Dortmund nach und ist nur einen beigen Trenchcoat davon entfernt, vollends wie Jörg Hartmanns Krimi-Karikatur anzumuten.
Das Gefühl, das dadurch am ehesten auftritt, ist Fremdscham der besonderen Sorte. Schürk, aber auch die anderen Figuren, lassen kaum eine Gelegenheit aus, anzumerken, wie schlecht es ihnen geht – meist untermauert von Sätzen, die vor Pathos triefen. Klar, nicht alle „Tatort“-Teams müssen einander gleichen, aber all das „Anderssein“ hilft bei extrem überzeichneten Figuren auch nicht mehr. Und das ist tendenziell ärgerlich, weil …
Kitsch und Klischee im „Tatort“ aus Saarbrücken
Nicht alle guten Elemente des Falles haben das wohltitelgebende Ende der Nacht vollends mitbekommen, denn es sind nur einige in der knapp 90-minütigen Lauflänge aufgetaucht. Der Fall ist immer dann am besten, wenn man versucht, die kleine Liebesgeschichte zwischen Schürk und Heinrich weiterzuerzählen. Hier sind irgendwo echte Emotionen versteckt. Diese äußern sich ebenso wie der Pathos zwar stark verkitscht, aber immerhin spürt man so kurzzeitig irgendetwas abseits von Fremdscham.
Andererseits denkt man sich in diesen Momenten trotzdem wieder: „Himmelherrgott, Kinder, hört auf, hier rumzuschmusen. Ihr müsst nicht nur einen Mord, sondern auch eine Explosion aufklären.“ Wenn dann aber mal was aufgeklärt wird, kann man sich dem TKKG-Vergleich nicht vollends entziehen. So pirscht Schürk wohl in der auffälligsten Verfolgung überhaupt „heimlich“ einem Verdächtigen hinterher. Aber das scheint er wohl von Kollegin Baumann gelernt zu haben, die mit ähnlich viel Fingerspitzengefühl auf eine Person zutapert, die den Sprengsatz für eine Bombe in der Hand hält. Rundet man das noch mit Heinrich ab, deren Entführung sich wie eine der obligatorischen Entführungen Gaby Glockners anfühlt, wundert man sich, dass Hölzer nicht zufälligerweise Klößchen heißt.
„Das Ende der Nacht“ oder doch eher „Das Ende der Nerven“? Lohnt sich der „Tatort“ heute?
In dieser wirklich durchwachsenen Sommerpause ist „Das Ende der Nacht“ definitiv nicht der schlimmste Beitrag – die Krone geht diesmal an Borowski –, aber viel Freude dürfte man beim Schauen auch nicht verspüren. Das liegt nicht nur am Inhalt der Episode, sondern auch daran, dass die Folge gerade mal 1,5 Jahre alt und dementsprechend mehr als präsent in den meisten Köpfen sein dürfte. Erneut stellt sich hier die Frage, warum ausgerechnet dieser Fall wiederholt wurde.
Aber das Ende Ihrer Nacht sollte der dieswöchige „Tatort“ wirklich nicht sein. Tun Sie sich einen Gefallen und schauen Sie heute Abend irgendetwas anderes – vielleicht gibt es ja im Privatfernsehen etwas, was weniger Fremdscham forciert.






