„Tatort“ heute: Batic und Leitmayr bleiben die MVPs – Kritik zum Fall „Game Over“
Auch wenn Batic und Leitmayr mittlerweile aufgehört haben, hält sie das nicht davon ab, die Sommerpause mit einer Wiederholung zu bereichern. In „Game Over“ ermitteln die Silberlocken in der Welt des E-Sports.

Das Letzte, womit ich jemals gerechnet hätte, ist, die Worte „CS:GO“ oder „1337“ aus dem Mund von Franz Leitmayr zu hören. Und noch weniger hätte ich erwartet, dass ich mich bei der Nennung solcher Begriffe im „Tatort“ nicht fremdschämen würde. Aber Fremdscham kann man in der Batic-und-Leitmayr-Wiederholung lange suchen, denn der Fall „Game Over“ ist vieles – aber schlecht oder gar cringe auf keinen Fall.
„Game Over“: Worum geht es im „Tatort“ heute?
Als der jungen Polizistin Lena (Xenia Benevolenskaya) bei einem Auto ein kaputtes Rücklicht auffällt, hält sie den Wagen an, um die fahrende Person zu kontrollieren. Doch statt Führerschein und Fahrzeugpapieren bekommt sie mehrere Schüsse in den Oberkörper und stirbt später an den Folgen ihrer Verletzungen.
Als Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) ihre Ermittlungen aufnehmen, führt sie alles recht schnell in den für sie fremden Kosmos des Gaming und des E-Sports. Der mutmaßliche Täter soll nämlich einem Polizei-E-Sport-Team namens „Munich Sheriffs“ angehören. Da die Ermittler aber nicht wissen, welches Mitglied des Teams für die Tat verantwortlich sein könnte, müssen sie einen E-Sportler einschleusen.
Looten und leveln: Batic und Leitmayr haben ihre Hausaufgaben gemacht
Wenn Kalli (Ferdinand Hofer) sein Handy rausholt, um über einen „CS:GO“-Knife-Kill zu sprechen, der auf Reddit gelandet ist, dann weiß zumindest das ältere Publikum wahrscheinlich nicht, worüber überhaupt gesprochen wird – aber das ist gut so, denn das beweist, dass man seine Hausaufgaben rund um das Thema gemacht hat, von dem man erzählen möchte.
Jetzt mag manch einer mutmaßen, dass Batic und Leitmayr den Themen Gaming und E-Sport nicht fremder sein könnten, aber dem widerspreche ich vehement. Batic und Leitmayr fungieren hier als Identifikationsfiguren in einem Täter-„Tatort“, die dem Publikum eine unfassbar spannende Welt nahebringen, die authentisch dargestellt wurde. Dabei versucht man nie krampfhaft jung zu sein, sondern nimmt sich vielmehr die Zeit, um von Leistungsdruck zu erzählen. Gleichzeitig stellt man den Polizeiapparat nicht als fundamental guten Haufen dar, sondern bemüht sich um eine differenzierte Darstellung – eine Idee, die zuletzt im Schwarzwald furchtbar umgesetzt wurde.
Batic und Leitmayr haben in die besten Grafikkarten investiert
Im Vergleich zu anderen „Tatort“-Produktionen (Dortmund, hust hust) frage ich mich immer wieder, wie viel Geld in die Episoden investiert wird. Der Produktionswert der Fälle der Silberlocken ist stets in den Bildern zu sehen. Das merkte man auch schon in der letzten Münchner Wiederholung „Königinnen“, die ebenfalls einen Whodunit-Fall erzählte – wenn auch in einem kompakteren Rahmen.
Aber auch in einem Batic-und-Leitmayr-Fall, der in der bayerischen Landeshauptstadt spielt, holt man alles heraus. Man kann eine Geschichte inhaltlich so authentisch erzählen, wie man will, aber das muss mit der Optik Hand in Hand gehen – und das tut es. Das Set-up der E-Sportler sieht akkurat aus, die Arena der E-Sport-Veranstaltung ist prall gefüllt und selbst die Gamer-Obsession mit hässlichen LED-Strips wurde berücksichtigt.
Dazu gesellen sich technische Spielereien wie beispielsweise ein Kameraschwenk, in dem man Batic, Leitmayr und Kalli in drei verschiedenen Verhörsituationen sieht. Aber auch Montagen und Einstellungen jenseits der Schuss-Gegenschuss-Hölle kommen hier zum Einsatz. Das Highlight ist wohl ein Moment, in dem Dreharbeiten gezeigt werden, die sich aber erst nach einem Schwenk zu Batic und Leitmayr als solche offenbaren.
Lediglich eine Szene, in der Kalli erwürgt wird, mutet etwas merkwürdig an, was mit der Inszenierung in diesem Fall leider Hand in Hand geht.
Tank, Damage, Support: Batic und Leitmayr sind bestens versorgt
Zumindest in manchen Games, „Overwatch“ zum Beispiel, ist es unumgänglich, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Tank, Schaden und Unterstützung zu haben. In diesem Fall sind Batic und Leitmayr aufgrund ihrer Plot-Armour ganz klar die Tanks, während Kalli als Damage herhält. Dass diese drei Männer zu diesem Zeitpunkt längst eingespielt waren, ist bei Weitem nichts Neues.
Als Support halten hier vor allem Oliver Wnuk und Lea van Acken her, die beweisen, dass Nebendarsteller und Nebendarstellerinnen im „Tatort“ nicht wahllose Wegwerfware der Schauspielkunst sein müssen. Gleichzeitig balanciert der talentierte Cast den weniger talentierten Cast aus – so wie es sich in einem guten Match gehört.
GG: Batic und Leitmayr bleiben die MVPs
Es ist wirklich ein trauriger Umstand, dass es Anfang des Jahres für Batic und Leitmayr tatsächlich „Game Over“ hieß, denn irgendwie verstand das „alte Ehepaar“ des „Tatorts“ schon immer, wie man am besten abliefert.
Aber am Ende des Tages ist das ehemalige dynamische Duo ein wenig wie ein Match in einer Lobby mit Fremden. Man ist zwar zunächst skeptisch, ob man wirklich zusammenpasst und abliefern kann, aber schon nach den ersten paar Minuten versteht man, dass fremde Mitspieler manchmal deutlich besser sein können als die eigenen Teammates. Entsprechend groß ist die Hoffnung, dass sich Batic und Leitmayr irgendwann mal wieder in meine Lobby verirren.









