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Faber fumbled wieder

„Tatort“ heute: Furchtbar, freudlos, Faber – Kritik zum Dortmunder Fall „Cash“

Edgelord Faber „versüßt“ die „Tatort“-Sommerpause mit der Wiederholung „Cash“, die wie fast jeder Dortmunder Beitrag keinen Spaß bringt.

Faber reicht seiner Kollegin Herzog auf einem Schrottplatz einen Baseballschläger.
Keule zerlegt die Welt: Faber (Jörg Hartmann) darf wieder edgy sein. Foto: WDR/Bavaria Fiction GmbH/Thomas Kost

Wenn es mir in meinem Job wirklich vor einer Sache graut, dann ist es der Dortmunder „Tatort“. Selbstverständlich wird auch dieses Jahr mit „Cash“ ein Fall aus dieser Stadt wiederholt und wie eh und je bringt mir diese Extra-Dosis Faber keine Freude. Und das, obwohl man hier nicht einmal auf demselben Tiefpunkt wandelt, auf dem sich die Reihe sonst häufig befindet.

„Cash“: Wovon handelt der Dortmunder „Tatort“?

Sportwetten sind ein schwieriges sowie zwielichtiges Geschäft. Dementsprechend ist es keine Überraschung, als der Mitarbeiter eines Wettbüros tot in seiner Wohnung aufgefunden wird. Während Faber (Jörg Hartmann) und Herzog (Stefanie Reinsperger) unter größten Anstrengungen versuchen, den Fall zu lösen, hat Kollege Pawlak (Rick Okon) ganz andere Probleme. Nicht nur hat er bei dem Wettbüro, in dem das Opfer gearbeitet hatte, Spielschulden, sondern möchte auch das Sorgerecht für seine Tochter zurückgewinnen. Früher oder später kreuzen sich Fabers und Pawlaks Spuren – und das ausgerechnet beim skrupellosen Geldwäscher Abakay (Adrian Can).

Die Telenovela des Ruhrgebiets: Der Dortmunder „Tatort“ steht sich selbst im Weg

Wenn auch alteingesessener, ist der Dortmunder „Tatort“ prinzipiell die Antithese zum „Tatort“ aus Frankfurt. Während das letztgenannte Team zwar versucht, die Charaktere weiterzuerzählen, wird die eigentliche Geschichte dabei nie hintenangestellt. In Dortmund hat man hingegen veraltete Krimi-Karikaturen, die lieber mit Baseballschlägern auf Autos hauen, als eine kohärente Handlung zu erzählen.

Und vorab sei gesagt, dass ich Faber trotz aller Schwächen, die ihn umgeben, mag, denn er ist in seiner Funktion als Bürgergeld-Schimanski einzigartig im „Tatort“-Kosmos. Aber kann man ihn nicht einmal in einer Handlung platzieren, die etwas taugt? Eine klar fokussierte Geschichte, in der nicht alle Charaktere Hauptfiguren sind und temporäre Probleme mit Charakterzeichnung verwechselt werden?

Die „Tiefe“, die man diesen Figuren andichtet, ähnelt meist eher der von Telenovela-Charakteren à la „GZSZ“. Dort sind schließlich auch alle immer genau das, was die Handlung gerade von ihnen verlangt. Wie ironisch, dass dort zuletzt ebenfalls ein Mord aufgeklärt werden musste.

Immerhin ein paar nette Ideen – mehr aber auch nicht

Wo „Cash“ inhaltlich versagt, versucht man wenigstens optisch neue Höhepunkte zu erreichen, was in Dortmund aber auch keine allzu große Herausforderung ist. Umso stärker fällt hier auf, wie ambitioniert man war, sich vom üblichen Schuss-Gegenschuss-Gewitter zu distanzieren.

So bedient man sich etwa der Kunst des Matchcuts, also eines charmanten Schnitttricks, bei dem Szenenübergänge über visuell ähnliche Bilder gestaltet werden. Aber als wäre das nicht genug, platziert man die Kamera auch unter Glastischen oder fährt dynamisch durch die Szenerie. Selbst die Titeleinblendungen, die in vorherigen Fällen regelrecht dilettantisch wirkten, sind hier immerhin stimmig.

Apropos stimmig: Die Idee, einen Fall mit Fußballbezug während der WM auszustrahlen, ist ein netter Kniff. Leider ist der Bezug rund um Sportwetten so lose, dass er auch schnell übersehen werden kann. Denn Faber auf einen Fußballplatz zu stellen, löst in mir nicht unbedingt Glücksgefühle aus.

Abschied von Pawlak: Der Dortmunder „Tatort“ und seine Geschichte

Es ist auf jeden Fall nichts Neues, dass der Dortmunder „Tatort“ versucht, eine fortlaufende Geschichte zu erzählen. Allerdings ist man bei der Wahl dieser Geschichten derartig festgefahren, dass es keinen Spaß macht, die Fälle außerhalb ihrer ursprünglichen Reihenfolge zu schauen.

Selbstverständlich ist das auch der Tatsache geschuldet, dass das Team in Dortmund so häufig ausgewürfelt wird, dass eigentlich in fast jedem Fall jemand hinein- oder herausgeschrieben wird.

In dieser Wiederholung muss man sich (erneut) von Ermittler Pawlak verabschieden, der mit seiner Geschichte rund um das Sorgerecht für seine Tochter zwar noch eine der interessanteren Figuren ist. Gleichzeitig fällt dadurch aber auch auf, wie sehr die eigentlichen Kriminalfälle in den Hintergrund rücken, wenn sich alles nur auf seine Abziehbilder … pardon, Figuren konzentriert.

Selbst ein Eigentor wäre besser: Faber schießt wieder meilenweit daneben

Das Schöne daran, wie schlecht ich den Dortmunder „Tatort“ finde, ist, dass ich weiß, dass er eines Tages kommen wird: der Fall, der mich aus den Socken haut. Doch bis dahin ist der Weg wahrscheinlich noch lang und steinig. Und bei meinem Glück sowie dem Trend, Teams in dieser „Tatort“-Sommerpause gleich doppelt ermitteln zu lassen, sehe ich Faber diesen Sommer vermutlich noch ein zweites Mal.

Wer meine Meinung teilen sollte, was beim Dortmunder „Tatort“ leider nie der Fall ist, kann wenigstens eine Dreiviertelstunde später Fußball schauen. Denn dort weiß man wenigstens, dass Klischees kein Stilmittel sind – weil dort überhaupt keine Stilmittel stattfinden.

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