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Mehr als nur hochnäsig?

„Monster“ Staffel 4: Wer war Nance O'Neil? Die Wahrheit hinter ihrer Freundschaft mit Lizzie Borden

In der neuen Staffel von „Monster“ begeistert sich Lizzie Borden nicht nur für Bridget Sullivan, sondern auch für die Schauspielerin Nance O'Neil. Diese Freundschaft gab es wirklich, sie lief nur anders ab.

Jessica Barden als Nance O'Neil.
Jessica Barden ist unter anderem aus „The End of the F***ing World“ bekannt. Foto: © 2026 Netflix, Inc.

„Monster: Die Geschichte von Lizzie Borden“ auf Netflix handelt nicht nur von den Morden an Andrew und Abby Borden und Lizzies Beziehung zu Haushälterin Bridget Sullivan, sondern auch von Lizzies Leben vor und nach der Tat (die ihr in der Realität nie nachgewiesen werden konnte).

Dabei spielt die Schauspielerin Nance O'Neil eine wichtige Rolle – sie war für kurze Zeit eine der wenigen Personen, die Lizzie Borden zur Zeit der Morde an Vater und Stiefmutter in ihr Leben ließ.

Die Serie zeigt die erste Begegnung folgendermaßen: Bridget führt Lizzie zu einer Nachmittagsvorstellung ins Theater. Bridget kann mit der Schauspielerin wenig anfangen, Lizzie hingegen ist fasziniert. Sie lädt Nance sogar zum Essen zu den Bordens ein. Anfangs wirkt Nance in der Serie egoistisch und affektiert, doch auch sie findet Gefallen an Lizzie.

So viel zur Fiktion. Doch wie war es wirklich?

Nance lebt für die Bühne

Nance O'Neil hieß eigentlich Gertrude Lamson. 1874 geboren, folgte sie ihrer älteren Schwester Lillian Lamson auf die Bühne. Ihr Debüt gab sie 1893. Das Publikum war begeistert, den Namen Nance O'Neil legte sie sich zeitnah als Künstlernamen zu.

Bis in die 1930er Jahre trat sie in über 30 Filmen und mehreren Broadway-Produktionen auf. Mit den Borden-Morden hatte sie nichts zu tun. Ihre Verbindung zu Lizzie Borden begann erst Jahre später.

Boston, 1904: Der erste Kontakt

Anfang 1904 sah Lizzie Borden Nance O'Neil in einem Theaterstück in Boston. Zwölf Jahre waren seit den Morden vergangen, das Treffen ereignete sich in der Realität also deutlich später als in der Serie. Lizzie war beeindruckt – von Talent, von Bühnenpräsenz, von allem.

Sie schrieb einen Brief und ließ ihn mit Blumenstrauß hinter die Bühne schicken. Nance fühlte sich geschmeichelt und willigte in ein Treffen ein. Ricca Allen, eine weitere Schauspielerin, begleitete sie.

Lizzie als große Gönnerin

Im Sommer 1904 lud Nance zu einer einwöchigen Party in ihr Anwesen in Tyngsboro, Massachusetts. Gerüchten zufolge beteiligte sich Lizzie an den Kosten. Das war jedoch nicht die einzige finanzielle Unterstützung.

Ricca Allen brauchte 50 Dollar, um Schulden bei ihrem Manager zu begleichen und Lizzie half ihr aus. Als Nance in Schwierigkeiten mit Gläubigern steckte, konnte sie sich erneut auf Lizzie verlassen –und das nicht nur finanziell. Sie erschien sogar bei Gerichtsverhandlungen, um ihre Freundin zu unterstützen.

Für eine Person, die seit dem Mordprozess isoliert lebte, war das höchst ungewöhnlich.

Das Ende einer kurzen Freundschaft

Im Herbst 1904 warf Lizzie eine Dinnerparty für Nances Theaterkompanie. Ein kleiner Skandal in den Klatschkreisen der damaligen Zeit, manche hielten es unangebracht, Schauspieler im eigenen Zuhause zu empfangen.

Nach der Party besuchte Nance Maplecroft erst wieder im Mai 1905. Sie war krank geworden. Lizzie schickte eine Kutsche, damit Nance sich bei ihr erholen konnte.

Kurz darauf endete die Freundschaft zwischen Lizzie und Nance. Als die Theaterkompanie weiterzog, reiste auch Nance ab. Sie blieben, soweit es sich noch feststellen lässt, nicht in Kontakt.

Mehr als nur Freundinnen?

Bis heute ranken sich Gerüchte um eine potentielle romantische Beziehung. Beweise gibt es allerdings keine.

Viel plausibler ist die Annahme, dass Nance Lizzies Großzügigkeit ausgenutzt hat. Lizzie, isoliert und einsam, freute sich einfach über eine Bekanntschaft, die etwas Positives in ihr von Blut und Tod gezeichnetes Leben brachte.

In späteren Jahren nannte Nance Lizzie eine „zerbrechliche, kleine, altmodische Dame“. Sie empfand Mitgefühl. „Wir wurden Freunde, blieben aber nur in Erinnerung Freunde", sagte sie. „Wie Schiffe, die in der Nacht vorbeifahren.“

Lizbeth statt Lizzie

Eine Spur könnte die Freundschaft dennoch hinterlassen haben. 1905 begann Lizzie, sich „Lizbeth“ zu nennen. Offiziell änderte sie den Namen nie, aber sie verwendete ihn konsequent bis an ihr Lebensende.

Nance schenkte Lizzie im Juni 1905 ein Gedichtbuch. Auf die Innenseite schrieb sie: „Für meine liebe Lizbeth, mit Liebe von Daphne.“

Vielleicht wollte Lizzie mit dem Namen, den ihre Freundin ihr gab, die Erinnerung an die Phase bewahren, die sie später als glücklichste Zeit ihres Lebens beschrieb.

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