Ausflug in die Unvergänglichkeit

„Tatort“ heute: Zweimal so lang und doppelt so gut – Kritik zu „Unvergänglich“ aus München

Batic und Leitmayr nehmen Abschied. Am Ostersonntag und Montag läuft mit „Unvergänglich“ ihr letzter Fall. Wir verraten dir, warum dieser das Einschalten definitiv wert ist …

Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) sitzen in einem roten Porsche.
Ride or die: Batic (Miroslav Nemec, l.) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) ermitteln in ihrem letzten Fall. Foto: BR/NEUESUPER GmbH/Hendrik Heiden

Niemand hat so lange ermittelt wie sie, niemand hat so viele Fälle wie sie: Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl). Mit ihrem 100. Fall, der „Unvergänglich“ heißt, verabschiedet sich das Duo nun – aber nicht ohne noch eine Überraschung im Ärmel zu haben. Es handelt sich hierbei nämlich um einen Zweiteiler. Teil 1 läuft am Ostersonntag um 20:15 Uhr, die Fortsetzung dann am Folgetag zur selben Uhrzeit. Und wir können ganz klar sagen, dass dieser einmalige „Tatort“-Abschied in Überlänge ein absolutes Osterhighlight ist.

„Unvergänglich“: Was kann man vom Doppel-„Tatort“ erwarten?

Nach 35 Jahren ist Schluss, denn Batic und Leitmayr gehen gemeinsam in den Ruhestand. Doch vier Tage vor der wohlverdienten Pensionierung taucht in einem unterirdischen Betriebsraum eine Leiche auf, die dort augenscheinlich schon länger liegt. Nun beginnt ein Rennen gegen die Zeit für die Kommissare – schaffen sie es, den Fall vor dem Eintritt in die Rente zu lösen?

Im Rahmen ihrer Ermittlungen stellen sie schnell fest, dass der Fundort der Leiche nicht der Tatort ist. Der verzweifelte Versuch, ihren letzten Fall rechtzeitig zu lösen, treibt das Duo in die Arme vieler zwielichtiger Personen: darunter unter anderem ein kleptomanischer Hausmeister, Vertreter der Münchner Drogenszene … und ein Serienmörder, der es auf die Kommissare abgesehen hat.

Voller Liebe und Reminiszenzen: Die großen Stärken von „Unvergänglich“

100 Fälle ziehen zwar mit der Zeit vorüber, aber das bedeutet nicht, dass all diese Episoden in Vergessenheit geraten sollten. Man nimmt sich in dem Überlängenformat die Zeit, auf die langjährige Reihe zurückzublicken und gibt den Ereignissen der Vergangenheit Luft zum Atmen.

Fans der ersten Stunden werden sich zum Beispiel noch an die ersten drei Fälle der Kommissare erinnern, in denen Leitmayr einen roten Porsche fuhr. Dieser wurde damals aus der Serie geschrieben, da er bei den Dreharbeiten eher ein Hindernis war. Ebenjener Porsche kehrt nun zurück – als Geschenk, das sich Leitmayr selbst zum Ruhestand macht.

Auch an die alten Haudegen der Reihe wird erinnert. Kalli (Ferdinand Hofer), der das Duo demnächst beerben wird, kommt nicht zu kurz und auch die operative Fallanalystin Christine Lerch, die nur für sieben Fälle dabei war, darf für einen Gastauftritt zurückkehren. Ebenso erinnert man an Carlo, der von 1992 bis 2017 als Batic und Leitmayrs Chef fungierte. Diese Reminiszenzen wirken aber nie wie ein bemühtes Nostalgiefest, sondern sind eher eine charmante Verbeugung vor der Historie der Reihe.

Batic und Leitmayr: True Bromance

Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer, r.) stehen sich gegenüber. Hofer trägt Polizeimontur.
Staffelstabübergabe: Im Herbst übernimmt Kalli (Ferdinand Hofer, r.) als neuer „Tatort“-Kommissar in München. Foto: BR/NEUESUPER GmbH/Hendrik Heiden

Meine Oma sagt immer, dass es wahre Liebe nur unter Männern geben würde – ob sie damit Recht hat, lässt sich infrage stellen, aber Batic und Leitmayr lassen Grund für die Annahme, dass sie damit nicht falschliegt. Denn der Fall ist selbstverständlich in seiner Position als Finale auch sehr persönlich. Man kann einen Hauch von dem Leben erhaschen, das sich beide für ihren Ruhestand ausmalen. Vor allem merkt man aber, dass jahrzehntelange gemeinsame Arbeit nicht einfach so an den beiden vorbeizieht. Auch wenn sie große Schwierigkeiten haben, es sich einzugestehen, kann das Duo nicht ohneeinander – und hat somit vielen „Tatort“-Zweck-Duos einiges voraus.

Vor allem versteckt sich in dem Fall aber eine differenzierte KI-Kritik. Man versucht nicht zu verneinen, dass man KI benötigt, aber es wird auch klargemacht, dass Personen wie Batic und Leitmayr nicht durch künstliche Intelligenz ersetzt werden können. „Eindeutig ein Fall für KI. Ich meine Kalli und Ivo.“, so Leitmayr, als es darum geht, dass sie sich klassisch durch Akten wühlen müssen.

Freche Sprüche ziehen sich allgemein durch den ganzen Fall. Kontinuierlich frotzeln sich die beiden Silberlocken und haben sichtlich Spaß daran, viele letzte Male uneinig sein zu dürfen. Selbst Personen, die die Ermittler zum ersten Mal sehen, dürften verstehen, warum sie es auf 100 Fälle gebracht haben. Aber inmitten all dieser Sympathie stellt sich eine Frage:

Sterben Batic und Leitmayr?

Man kennt die alte Mär der Kommissare, die in ihrem letzten Fall ermitteln: Der leichteste Ausweg, um einem solchen Szenario Gravitas zu verleihen, ist es, sie sterben zu lassen. Oder um es mit den Worten der Münchner Brummbären zu sagen: „Das wäre wirklich ein arges Klischee.“

Ob sie nun ableben werden oder nicht, muss offengehalten werden. Nicht etwa, weil der Fall diese Frage offenlässt, sondern viel eher, weil die Presse nicht darüber berichten darf. Was man aber sagen kann: Das Ende wird den beiden Ermittlern definitiv gerecht – und dürfte den einen oder die andere mit einer Träne zurücklassen.

Das Ende einer Ära: „Unvergänglich“ zeigt Beständigkeit

Batic und Leitmayr sind vieles, aber vor allem sind sie „Unvergänglich“. Selten hat man bei einem Duo so viele Fälle, die im schlimmsten Fall gerade mal moderat sind. In ihren Episoden waren sie stets wandlungsfähig – man vergleiche nur den tonalen Unterschied zu ihrem vorletzten Fallund sie waren in der Inszenierung stets anschaulich.

„Unvergänglich“ zementiert all das noch einmal. Es fühlt sich gar nicht so an, als hätte man sich mehr oder weniger Mühe als sonst gegeben, sondern viel eher so, als hätte man genauso viel Liebe hineingesteckt wie immer. Batic und Leitmayr hinterlassen definitiv eine Lücke im „Tatort“-Kosmos, aber es wartet bereits ein würdiger Ersatz, der nach der Sommerpause anfangen wird zu ermitteln.

Nun aber genug des Lobliedes, denn wie die Silberlocken schon in „Unvergänglich“ sagten: „Wenn ihr jetzt anfangt zu singen, mach ich von meiner Dienstwaffe Gebrauch.“

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