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"Simpsons"-Macher über Loki, Zukunftsvorhersagen und typische Amerikaner!

Zurzeit mischt Marvel-Liebling "Loki" nicht nur die Serienwelt auf, sondern macht in einem neuen „Simpsons“-Kurzfilm-Crossover auch Zwischenstopp in Springfield. Zum Start von "Bart und Loki: Zwei Glorreiche Halunken" konnten wir mit „Simpsons“-Produzent Al Jean reden, der die gelbste Familie der TV-Geschichte so gut wie kaum ein anderer kennt.

Bart & Loki Disney
Der brandneue "Simpsons"-Kurzfilm "Bart und Loki: Zwei Glorreiche Halunken" ist ab heute bei Disney+ erhältlich! Foto: Disney+

Können die Schreiber und Schreiberinnen der "Simpsons" wirklich die Zukunft vorhersagen? Oder leistet Marvel-Held Loki fleißig Schützenhilfe, damit die Simpsons-Verantwortlichen auch weiterhin für ihre hellseherischen Fähigkeiten gefeiert werden? Wie dem auch immer sei, passt es gerade perfekt, dass der viel diskutierte Marvel-Antiheld und selbsternannte "Gott des Schabernacks" inmitten seiner gefeierten Mini-Serie bei Disney+ nun auch einen Abstecher zu den „Simpsons“ macht, wo er in einem brandneuen Kurzfilm namens "Bart und Loki: Zwei Glorreiche Halunken" endlich mal eine funktionale Familie erlebt – oder eben auch nicht.

Der kurzweilige Disney+-Kurzfilm war der perfekte Anlass, um mit Produzent Al Jean einmal etwas ausführlicher über die unglaubliche Erfolgsgeschichte der "Simpsons" zu sprechen, die mit über 700 Episoden in mittlerweile 32 Staffeln die am längsten laufende US-Primetime-Serie ist. Seit über 30 Jahren ist Jean mittlerweile auch als Produzent, Autor und ehemaliger Showrunner an Bord und kennt die Geheimnisse der Simpsons wie kaum ein anderer. Ob die Verantwortlichen wirklich hellseherische Fähigkeiten haben, wie man nach 30 Jahren noch frische Ideen findet und wie witzig es Disney fand, dass die Macher sich in der Vergangenheit immer wieder über ihren aktuellen Arbeitgeber lustig gemacht haben, lest ihr in unserem Interview!

Die Simpsons Al Jean
Produzent Al Jean ist ein "Simpsons"-Urgestein Foto: IMAGO / ZUMA Wire

TVMovie.de: Was sind für dich die Kernmerkmale von "Loki"?

Al Jean: Die Leute haben sehr unterschiedliche Vorstellungen von Loki. Einige unserer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen kannten die Figur natürlich sehr gut, andere wiederum weniger gut. Aber Loki hat in den letzten Wochen überraschenderweise ziemlich viel öffentliche Aufmerksamkeit bekommen (lacht). Die wichtigste Eigenschaft von Loki ist aber sicher seine Fähigkeit als Formwandler und damit die Möglichkeit in andere Rollen zu schlüpfen. Tom Hiddleston hat natürlich auch die Rolle im Kurzfilm eingesprochen und hätte nicht netter und witziger sein können. Er hat uns allerdings nicht verraten, wie die Mini-Serie enden wird (lacht).

War es eigentlich ein Problem, dass ihr euch in der Vergangenheit immer wieder über Disney lustig gemacht habt?

Wir bekommen absolut keinen Druck und uns wird ganz freie Hand gelassen. Da wir jetzt selbst Teil von Disney sind, werden sie sich selbst ja nicht verklagen wollen (lacht). Wir haben über die Jahre viele Witze über Disney gemacht, die für alle in den unterschiedlichen Staffeln der "Simpsons" auf Disney+ zugänglich sind. Ihnen war es nur wichtig, dass wir uns auch in der Zukunft treu bleiben. Sie wollen, dass die "Simpsons" die "Simpsons" bleiben.

Muss man 2021 zweimal darüber nachdenken, ob man einen politisch-brisanten Witz in der Serie einbaut?

Al Jean: Wir haben die einzigartige Voraussetzung, dass es diese Serie schon 30 Jahre gibt. Dinge, die Zuschauer und Zuschauerinnen also früher als witzig und harmlos empfanden, sind es heutzutage nicht mehr zwangsläufig. Es ist wahr, dass wir so ziemlich jede Nationalität stereotypisieren, vor allem Amerikaner. Speziell dicke amerikanische Männer (lacht). Sie kommen in der Serie vermutlich am schlimmsten weg. Unsere Herzen sind aber am richtigen Fleck. Wenn wir uns über einen „Underdog“ lustig machen, dann passiert das eigentlich nur, weil wir uns mit ihm verbunden fühlen. Dass wir ab und an mal über das Ziel hinausgeschossen sind, liegt aber auch daran, dass wir schon 30 Jahre auf Sendung sind.

Wie findet man nach über 700 Folgen noch frische Ideen? Hat sich der Prozess in über 30 Jahren verändert?

Al Jean: Der Prozess, wie wir Ideen diskutieren, hat sich nicht verändert. Was sich verändert hat, ist allerdings die Tatsache, dass Leute Ideen pitchen und irgendeiner sagen muss: "Das haben wir schon gemacht!" Nach 700 Folgen ist das vermutlich keine Überraschung (lacht). Mittlerweile habe ich auch ein anderes Verständnis dafür, was es bedeutet, dass wir eine Idee bereits in der Serie hatten. Es ist fast unmöglich sich nach 700 Folgen immer wieder komplett neu zu erfinden, vor allem, weil sich die Welt in 30 Jahren auch deutlich verändert hat. Als die erste Folge ausgestrahlt wurde, gab es noch keine Handys und auch kein Internet. Uns interessiert eben, wie eine Mittelklasse-Familie heute durch den Alltag kommt. Und das unterscheidet sich natürlich stark von dem, wie es vor 30 Jahren war.  

Die Simpsons
"Die Simpsons" im Jahr 1989 - gleich und doch ganz anders! Foto: IMAGO / Mary Evans

TVMovie.de: Könnt ihr euch den großen Erfolg der Serie bei einem erwachsenen Zielpublikum erklären?

Al Jean: Wir haben "Die Simpsons" nie für Kinder geschrieben. Wir wussten, dass es sich Kinder und junge Zuschauer wegen der Animationen anschauen werden, aber die Drehbücher wurden im Stil einer ganz regulären Serie erstellt. In der 6. Folge denkt Homer darüber nach Marge zu betrügen. Das war im Jahr 1990 weit seiner Zeit voraus. Das ist vermutlich auch der Grund, warum die Serie schon lange existiert. Ich denke, der weltweite Erfolg der Serie rührt auch daher, dass die Zuschauer und Zuschauerinnen nicht nur mit uns lachen, sondern auch über uns. Homer ist eben der stereotype Amerikaner, der in ihr Land kommt, viel zu viel isst, zu viel quatscht und generell ziemlich ignorant ist (lacht).

TVMovie.de: Hand aufs Herz: Könnt ihr die Zukunft vorhersagen?

Al Jean: Wenn wir in 30 Jahren nie etwas korrekt vorhergesagt hätten, wäre das ziemlich doof, oder? (lacht). Wenn man genug Darts wirft, dann trifft man auch öfter mal ins Schwarze. Aber natürlich: Die Trump-Sache war ziemlich verrückt. Und auch ein paar andere Vorhersagen, bei denen wir selbst rätseln, wie das passieren konnte. Das Einzige, was wir in Zukunft gerne ändern möchten, ist mehr optimistische Vorhersagen zutreffen zu lassen (lacht). Wir müssen mit unserem Orakel mal ein ernstes Wörtchen darüber sprechen.

 

"Bart und Loki: Zwei glorreiche Halunken" ist seit dem 07. Juli 2021 auf Disney+ abrufbar. Hier könnt ihr euch Disney+ Abo sichern.



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