Bella Ramsey: Warum „Sunny Dancer“ nach „The Last of Us“ genau zur richtigen Zeit kam
Nach „The Last of Us“ hätte Bella Ramsey direkt ins nächste große Prestigeprojekt wechseln können. Stattdessen zog es den Star für „Sunny Dancer“ sechs Wochen lang in ein Sommercamp nach Schottland. Im Gespräch mit TV Movie erzählt Ramsey, warum der kleine Independentfilm zur perfekten Zeit kam.

Als Bella Ramsey das Drehbuch zu „Sunny Dancer“ las, hätte der Kontrast zum bisherigen Alltag kaum größer sein können. Hinter dem Star lagen intensive Monate rund um „The Last of Us“ und die damit verbundene Aufmerksamkeit. Vor Ramsey lag die Geschichte der 17-jährigen Ivy, die nach einer überstandenen Krebserkrankung von ihren Eltern in ein Sommercamp für junge Betroffene geschickt wird. Kein großes Spektakel, sondern ein vergleichsweise kleiner britischer Independentfilm über Freundschaft, erste Liebe, Trauer und die Frage, wie man nach einer einschneidenden Erfahrung wieder ins Leben zurückfindet.
Genau diese Bodenständigkeit reizte Ramsey. Statt Ivy über ihre Krankheit zu definieren, interessiert sich „Sunny Dancer“ dafür, wer die Jugendliche abseits ihrer Diagnose ist. Und auch für Ramsey selbst wurde der Dreh zu einer willkommenen Veränderung: sechs Wochen Schottland, ein junges Ensemble und eine Produktion, die sich zeitweise tatsächlich mehr nach Sommercamp als nach Filmset anfühlte.
Nach „The Last of Us“ suchte Bella Ramsey genau dieses Projekt
Das Drehbuch habe sich für Ramsey ungewöhnlich geerdet angefühlt. Gerade weil die Geschichte so reduziert und alltäglich erzählt werde, habe sie sie gereizt. „Es fühlte sich sehr geerdet an“, erinnert sich Ramsey im Gespräch mit TV Movie. Eine solche Normalität sei für sie sogar eine neue schauspielerische Herausforderung gewesen.
Hinzu kam die Begeisterung von Regisseur George Jaques, die sie schnell mitgerissen habe. Nach der großen Maschinerie rund um „The Last of Us“ sei die Vorstellung eines sechswöchigen Drehs in Schottland deshalb ziemlich verlockend gewesen. „Ich dachte nur: Möchte ich sechs Wochen nach Schottland fahren und in einem Sommercamp leben? Ja, genau das möchte ich machen.“
Dass diese Entscheidung richtig war, sei ihr schon während der Dreharbeiten klar geworden. Die Zeit bei „Sunny Dancer“ beschreibt Ramsey rückblickend als „einen kompletten Reset“, der für sie persönlich prägend gewesen sei.
Ein Film über junge Menschen, nicht über ihre Krankheit
Im Mittelpunkt von „Sunny Dancer“ steht Ivy, die nach ihrer Krebserkrankung zunächst wenig Interesse daran hat, ausgerechnet mit anderen Betroffenen ein Sommercamp zu besuchen. Doch dort trifft sie auf Jugendliche, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben und trotzdem vor allem eines sind: Teenager.
Genau das war auch die Idee von Regisseur George Jaques. Die Inspiration für „Sunny Dancer“ entstand durch die Krebserkrankung seiner Mutter und zahlreiche Begegnungen mit Jugendlichen des Teenage Cancer Trust. Dabei stellte er fest, dass Krebs zwar Teil ihres Lebens war, aber längst nicht das Interessanteste an ihnen.
Statt seine Figuren auf ihre Diagnose zu reduzieren, lässt „Sunny Dancer“ sie deshalb lachen, feiern, flirten, streiten und sich verlieben. Die Krankheit wird nicht ausgeblendet, bestimmt aber auch nicht jede Szene. Gerade dieser Wechsel zwischen Leichtigkeit und ernsten Momenten prägt den Film.
Bella Ramsey: „Jeder hat sich irgendwann einmal so gefühlt“
Auch Ivys Gefühl, nach ihrer Erkrankung nicht mehr richtig dazuzugehören, ist ein wichtiger Teil der Geschichte. Bella Ramsey konnte sich damit unmittelbar identifizieren. Auf die Frage, wie sehr sie dieses Gefühl kenne, antwortet sie ohne langes Zögern: „Oh, sehr. Absolut. Ich glaube, jeder hat sich irgendwann einmal so gefühlt.“
Interessanterweise habe sie ausgerechnet an Filmsets häufig das Gegenteil erlebt. Für Ramsey sind sie Orte, an denen Menschen zusammenkommen, die anderswo vielleicht selbst Schwierigkeiten hatten, ihren Platz zu finden. „Ich habe oft das Gefühl, dass am Filmset all die Menschen zusammenkommen, die früher nirgendwo richtig dazugehört haben. Es sind irgendwie die Außenseiter der Welt.“
Vielleicht funktioniere die Filmbranche auch deshalb so gut, überlegt Ramsey. Dort träfen die unterschiedlichsten Charaktere aufeinander, die zumindest eine Sache verbinde: die Leidenschaft für ihre Arbeit. Der Beruf sei schließlich zu hart, um ihn dauerhaft aus anderen Gründen auszuüben.
Die Dreharbeiten wurden selbst zum Sommercamp

Dass die Freundschaften in „Sunny Dancer“ so selbstverständlich wirken, ist kein Zufall. Noch bevor die eigentlichen Dreharbeiten begannen, verbrachte der junge Cast eine gemeinsame Probenwoche.
Dabei wurden nicht nur Szenen einstudiert. Die Darsteller gingen unter anderem Kajak fahren und lernten, Flöße zu bauen. Letzteres sollte ursprünglich sogar im Film zu sehen sein. Ramsey erinnert sich allerdings lachend daran, dass die Gruppe dabei nicht unbedingt Talent bewies. Die entsprechende Sequenz schaffte es am Ende nicht in den fertigen Film.
Wichtiger war ohnehin etwas anderes: Die Schauspieler:innen sollten sich kennenlernen. Für Ramsey ging diese Rechnung auf. Die Chemie innerhalb der Gruppe sei nicht erst vor der Kamera entstanden. „Wir hatten wirklich die beste Zeit“, erinnert sie sich. Es habe sich nicht so angefühlt, als müssten sie für den Film vorspielen, wie gut sie miteinander auskommen.
Dass die Gruppe so harmonierte, führt Ramsey auch auf das Casting zurück. Regisseur George Jaques und sein Team hätten nicht nur darauf geachtet, welche Schauspieler zu den einzelnen Rollen passen, sondern auch, welche Persönlichkeiten miteinander funktionieren. Ramsey vergleicht diesen Prozess sogar mit einer Art Matchmaking für eine ganze Gruppe.
Nach der Probenwoche folgten sechs Wochen Dreh. Für Ramsey fühlte sich das irgendwann tatsächlich so an, als sei sie selbst in einem Sommercamp gelandet. Umso merkwürdiger sei nun der Gedanke, dass diese gemeinsame Erfahrung gefilmt wurde und plötzlich von einem Kinopublikum betrachtet werden kann.
Bella Ramsey zieht sich vom Trubel um ihre Person zurück

Wie schnell sich das eigene Umfeld verändern kann, hat Bella Ramsey spätestens mit „The Last of Us“ selbst erlebt. Mit dem Erfolg der Serie wuchs auch die öffentliche Aufmerksamkeit enorm. Im Gespräch wirkt Ramsey allerdings erstaunlich nüchtern, als es um den Druck geht, der mit dieser Bekanntheit verbunden ist.
Sie versuche, sich damit möglichst wenig zu beschäftigen. Vor allem eine Entscheidung helfe ihr dabei: „Nicht mehr auf Social Media zu sein, hilft mir sehr.“
Statt ständig wahrzunehmen, was über sie geschrieben oder diskutiert wird, versucht Ramsey offenbar, sich stärker auf die eigentliche Arbeit zu konzentrieren. Gerade bei „Sunny Dancer“ scheint das besonders gut funktioniert zu haben. Die sechs Wochen in Glasgow beschreibt sie als eine Art abgeschlossene Blase, in der die Welt außerhalb des Sets zeitweise kaum eine Rolle spielte.
Dabei sei auch der unterschiedliche Bekanntheitsgrad innerhalb des Ensembles unwichtig gewesen. Einige Mitglieder des jungen Casts standen zum ersten Mal für einen Film vor der Kamera, während Ramsey gerade aus einem der größten Serienprojekte der Welt kam. Am Set habe sich das jedoch kaum bemerkbar gemacht. Alle seien gemeinsam Teil derselben Gruppe gewesen.
Neil Patrick Harris beobachtete genau das mit Interesse. Ramsey hätte nach dem enormen PR-Marathon rund um „The Last of Us“ allen Grund gehabt, eine Sonderrolle einzunehmen. Stattdessen sei sie einfach „eine von vielen“ gewesen. Für Harris war es eine Freude zu sehen, wie selbstverständlich das Ensemble miteinander umging.
Warum „Sunny Dancer“ trotz des ernsten Themas leicht sein darf

Diese Gemeinschaft ist auch deshalb wichtig, weil „Sunny Dancer“ seine Jugendlichen nicht ausschließlich über schwere Erfahrungen erzählen möchte. Es geht um Krankheit und Trauer, gleichzeitig aber um die Dinge, die Jugendliche unabhängig davon beschäftigen: Freundschaft, Verliebtsein, Unsicherheit und die Suche nach dem eigenen Platz.
Harris findet gerade diesen Kontrast wirkungsvoll. Man sehe junge Menschen, die sich aufgrund ihrer Erfahrungen zunächst verschlossen haben und sich langsam wieder öffnen. Gleichzeitig dürften sie sich verlieben, heimlich knutschen und all die Dinge tun, die zum Erwachsenwerden dazugehören.
Dann erinnere der Film das Publikum plötzlich wieder daran, wie zerbrechlich das Leben sein kann. Für Harris liegt genau darin die emotionale Kraft von „Sunny Dancer“.
„Sunny Dancer“ ist ab dem 13. August in den deutschen Kinos zu sehen.






