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„Michael“: Mehr Fanartikel als Film – Kritik zum Michael-Jackson-Biopic

Ein mildes Musikgenie mit schwerer Kindheit – „Michael“ wandelt auf bekannten Biopic-Pfaden, lässt sich dafür aber gleich zwei Filme Zeit.

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Video: Universal/TVMovie

Wenn Musiker aktiv an der Verfilmung ihres eigenen Lebens beteiligt sind, könnte man zunächst skeptisch werden und eine übermäßige Selbstbeweihräucherung befürchten. Allerdings bewiesen Rocketman und „Better Man“ in den vergangenen Jahren das Gegenteil: Kritisch und kreativ werden Elton John und Robbie Williams hier von allen Seiten beleuchtet – das Biopic als emotionale Verarbeitung früherer Höhen und Tiefen.

Anders sieht es jedoch aus, wenn Biopics ohne die zentrale Person auskommen müssen. „Bohemian Rhapsody“ zeigt das ganz anschaulich: Das turbulente Leben von Freddie Mercury wurde stark glattgebügelt, während sich die lebenden Queen-Mitglieder möglichst positiv darstellen lassen („Feier du mal deine Partys, Freddie, wir bleiben zu Hause bei unseren Frauen“ – als ob!).

Der Erfolg von „Bohemian Rhapsody“ zeigt natürlich, dass dieses Vorgehen durchaus beliebt ist. Ein filmgewordener Fanartikel, der nicht überrascht, aber genau das liefert, was Fans sehen wollen. Kein Wunder also, dass sich „Michael“ an genau dieser Erfolgsformel bedient und sich damit zufriedengibt, formelhaft die Hits abzuspielen.

Ein verfilmter Wikipedia-Eintrag (ohne die kritischen Stellen)

Colman Domingo als Joe Jackson in Michael.
Keine Frage: Joe Jackson hätte dieser Film nicht gefallen. Foto: Universal/Lionsgate

Los geht’s im Jahr 1966, als Patriarch Joe Jackson versucht, aus seinen fünf Söhnen eine erfolgreiche Musikgruppe zu formen. Von der ersten Szene an ist klar: Joe ist ein Monster – gewalttätig, übermäßig streng und egoistisch. Die Musik und die Karriere der Jackson Five werden deshalb kaum zelebriert, denn auch wenn Michael zweifellos Freude an Gesang und Tanz hat, wird der frühe Tour-Alltag von Joes Kontrollsucht überschattet.

Schnell springt „Michael“ weiter: Michael Jackson ist mittlerweile erwachsen und bereit für eine eigene Karriere. An Talent und Ideen mangelt es ihm nicht – nur am Mut, seinem Vater die Stirn zu bieten. Ein Konflikt, der sich durch den gesamten Film zieht.

Den aus Biopics bekannten Moment der Genugtuung, in dem die Hauptfigur ihre ersten echten Erfolge feiert, gibt es in „Michael“ kaum. Der Film verlässt sich darauf, dass das Publikum ohnehin weiß, wie berühmt Michael Jackson ist.

Dadurch wirkt „Michael“ oft überraschend klein: Wir sehen ihn vor allem im Studio oder zu Hause, beim Arzt oder beim Einkaufen. Dort wird Michael zwar von Fans erkannt, doch die Zahl der begeisterten Schaulustigen lässt sich an zwei Händen abzählen – unrealistisch und letztlich auch unterwältigend.

Begleitet wird Michael auf Schritt und Tritt von seinem Bodyguard Bill Bray, der im Film eine seltsame Rolle einnimmt: Als Bodyguard wird er nie wirklich aktiv, stattdessen schaut er in regelmäßigen Abständen bedeutungsschwer ins Leere, wenn es Michael schlecht geht oder ihm übel mitgespielt wird. Es ist eine seltsame Entscheidung, diese Figur, die der Geschichte eigentlich kaum Mehrwert bietet, immer wieder in den Fokus zu rücken, damit sie uns mit einem Blick sagen kann: „Armer, armer Michael!

Nötig wäre das nicht gewesen, denn Michael Jackson wird hier durchgehend als eine Art Engel auf Erden dargestellt – die Gutherzigkeit und Kreativität in Person. Jung und Alt, Mann und Frau, Crips und Bloods – alle staunen und strahlen, wenn Michael singt und tanzt. Sein teilweise exzentrisches Verhalten, seine Liebe zu Tieren, Spielzeug und Schönheitsoperationen, wird kaum eingeordnet und keinesfalls kritisch hinterfragt.

Nach dem erfolgreichen Auftakt von Michaels Solokarriere springt der Film episodenhaft durch die Zeit – von Lied zu Lied, von Album zu Album. Der größte rote Faden bleibt das angespannte Verhältnis zu Vater Joe, der allerdings zunehmend zur bösartigen Karikatur verkommt. Nichts gegen Colman Domingo, er ist ein hervorragender Schauspieler, doch hier wäre weniger mehr gewesen.

„Huch, fast die Musik vergessen!“

Michael Jackson beim Dreh des Thriller-Musikvideos in Michael.
Erstaunlich: Dieses Standbild ist schwungvoller als der ganze Film. Foto: Universal/Lionsgate

An Musik mangelt es „Michael“ nicht, fast durchgehend sind Michael-Jackson-Songs im Hintergrund zu hören. Doch wirklich mitreißende Musikszenen bleiben rar. Erst im letzten Akt – ausgerechnet während der „Victory Tour“, an der Michael nur widerwillig teilnimmt – kommt echte Stimmung auf und man bekommt ein Gefühl dafür, wie es gewesen sein muss, Michael Jackson live zu erleben.

Als Entschädigung für die lange Wartezeit liefert der Film dann gleich drei Auftritte hintereinander – nicht ganz so ikonisch wie das „Live Aid“-Finale aus „Bohemian Rhapsody“, aber dennoch stark inszeniert.

Doch mit Michaels Performance von „Bad“ im Jahr 1988 endet der Film abrupt. „His Story Continues“ heißt es, bevor der Abspann beginnt. Wirklich rund wirkt „Michael“ dadurch nicht, und es stellt sich die Frage, ob Jacksons Karriere ab den 1990er-Jahren noch genügend erzählerische Highlights bietet, um einen zweiten Film zu tragen. Die Missbrauchsvorwürfe, die ihn in den letzten beiden Jahrzehnten seines Lebens begleitet haben, sollen aktuellen Berichten zufolge im zweiten Teil zumindest keine Rolle spielen.