(Kein) „Tatort“ heute: Freddy tanzt, ich kotze – Kritik zum Kölner Fall „Freddy tanzt“
Ballauf und Schenk gegen die Nations League. Die beiden „Tatort“-Kommissare werden mit einer Wiederholung ins Rennen geschickt – ob das spannender als Fußball wird, bleibt fragwürdig …

Meine Damen und Herren, selbst nach der „Tatort“-Sommerpause hat die neue Saison der Krimireihe weiterhin mit vielen Verschiebungen und Ausfällen zu tun. Am heutigen Sonntag wird die Krimireihe sowohl auf den WDR als auch den SWR verbannt – und zumindest der Beitrag „Freddy tanzt“ von Ballauf und Schenk, der im Westdeutschen Rundfunk ausgestrahlt wird, ist nicht unbedingt das Nonplusultra der Unterhaltung.
„Freddy tanzt“: Worum geht es im „Tatort“ heute?
Normalerweise ist es recht schwierig, Verdächtige in einem Mordfall zu finden, doch als Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) die Leiche eines brutal verprügelten Obdachlosen finden, können sie sich vor möglichen Tätern und Täterinnen gar nicht mehr retten. Insbesondere die Bewohner und Bewohnerinnen eines Mehrfamilienhauses wirken allesamt mehr als dubios – und beim Befragen der Hausgesellschaft verliert Ballauf den Verstand, während Schenk einer der Mieterinnen schöne Augen macht.
Wie der Münsteraner „Tatort“ auf Wish bestellt
Viele Personen kritisieren Boerne (Jan Josef Liefers) und Thiel (Axel Prahl) dafür, dass ihre Krimi-Komödien nicht immer unbedingt lustig sind – jetzt stellen Sie sich mal vor, dass jemand versucht, einer der schlechteren Krimikomödien nachzueifern. Denn aus unerklärlichen Gründen werden in einem Fall, der ein zutiefst furchtbares Verbrechen behandelt, unangebrachte Witze mit leichtfüßigen Elementen vermengt.
Generell ist das größte Problem von „Freddy tanzt“, dass es stolze 37 Minuten braucht, bis man versteht, worauf die Folge hinauswill. Ich möchte einmal festhalten, dass man zu diesem Zeitpunkt bereits fast die Hälfte der Laufzeit erreicht hat. Statt Gräueltaten gegen Obdachlose aufzuklären, ist Schenk mit seinen Gedanken schon in der Hose, denn der alte Schwerenöter verguckt sich in eine der potenziellen Täterinnen.
Das ist natürlich ganz „Haha“-, „Hihi“- und „Huhu“-lustig – will zumindest „Freddy tanzt“ suggerieren. Eigentlich schlummert selbst in dieser Ausgangslage eines Mannes, der (angedeutete) Eheprobleme hat und sich deswegen in eine andere Frau verguckt, ein tief menschlicher Ansatz, aber dem kommt man nur selten nach.
Zäh wie Leder und nicht ganz durchdacht
Konkret äußert sich dieser Mangel an Fokus daran, wenn man mal rekapituliert, wie Ballauf und Schenk überhaupt an das Mehrfamilienhaus als Tatort geraten. Zuerst wird von Klischee-Juppies erzählt, die einen Obdachlosen verprügeln. Dann landet man bei Orchestermusik und schlussendlich fühlt es sich so an, als würden Ballauf und Schenk im Wohnhaus aus „Prange“ ermitteln.
Der titelgebende Moment, in dem Freddy tatsächlich tanzt, ist gewissermaßen zutiefst menschlich, aber auch viel zu kurz. Statt sich auf das zu konzentrieren, was emotional wichtig ist, werden lieber mehrere Minuten darauf verschwendet, Ballauf und Schenk auf ein schwerhöriges Ehepaar treffen zu lassen – glauben Sie mir: Das ist zum Brüllen komisch und keineswegs zäh wie Leder.
Freddy Schenk, was ist los?
Dabei ist es mal schön, wenn Schenk näher beleuchtet wird, denn der Ermittler kommt im Vergleich zu Ballauf immer etwas zu kurz. Und dennoch muss man sagen, dass der obligatorische „Ballauf verliebt sich“-Fall namens „Diesmal ist es anders“ es minimal besser verstanden hat, die Schwere eines verliebten Ermittlers auszuspielen.
Und man hat es dort geschmackvoller eingefangen. In „Freddy tanzt“ darf Schenk den Babysitter spielen, stellt seiner Geliebten beim Umziehen nach und schüttet sich, bevor er überhaupt beim Babysitten allein ist, schon ein Glas Rotwein ein. Zumal wir hier mit jemandem agieren, der seiner Frau potenziell fremdgehen würde. Dass das den Ermittler nicht unbedingt sympathischer macht, muss ich wohl niemandem sagen.
„Freddy tanzt“ vor Trauer – ich auch
Was bei den meisten „Tatort“-Wiederholungen, die aus der Mitte der 2010er stammen, auffällt, ist, dass die Fälle überladen, öde und/oder zäh sind. „Freddy tanzt“ möchte mehr erzählen, aber tut es nie, weil die Episode zu einem Zeitpunkt erschien, an dem sich niemand großartig für den „Tatort“ interessiert hat. Das fiel bereits bei dem Andreas-Hoppe-Nachruf „Roomservice“ auf, der auch nie ganz wusste, wo er eigentlich hinmöchte.
Am Ende des Tages bleibt ein Wagnis an diesem Sonntagabend zurück. Entweder schaut man „Freddy tanzt“ und hat im besten Fall eine moderate Zeit oder man fühlt sich mutig und entscheidet sich für den „Tatort“ im SWR oder gar Fußball – mit der Hoffnung, dass man dort zumindest etwas weniger enttäuscht wird.






