Die B-Seite des Kinos: Kritik zu „Power Ballad“ mit Paul Rudd und Nick Jonas
Was passiert eigentlich, wenn sich Paul Rudd und Nick Jonas zusammentun, um einen Song zu schreiben? Genau, das Publikum bekommt „Power Ballad“ – und den besten Coldplay-Song seit 2008.
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Das Kino ist in einer seltsamen Übergangsphase. Während auf der einen Seite zurzeit eine Horror-Renaissance stattfindet, versagen die hochbudgetierten Blockbuster häufiger und häufiger an den Kassen. Doch inmitten all dieser Filme, auf denen aus den falschen oder richtigen Gründen das Spotlight scheint, gibt es eine Art B-Seite, über die kaum jemand spricht. Zu dieser gehört auch „Power Ballad“, der vollkommen zu Unrecht unter ferner liefen stattfindet. Warum der Film mehr Aufmerksamkeit und Liebe verdient hat …
„Power Ballad“: Worum geht es in der Komödie?

Man stelle sich vor, dass man große musikalische Träume hatte, aber aufgrund ungeplanter Umstände, wie zum Beispiel urplötzlicher sowie unerwarteter Familienplanung, seinen kompletten Lebensmittelpunkt verlagern muss und nun Teil einer irischen Hochzeitsband ist. Wem es so oder so ähnlich gehen sollte, dürfte definitiv mit Rick Power (Paul Rudd) mitfühlen, der seine Ambitionen schon vor Jahren aufgegeben hat, aber mit seinem familiären Glück so zufrieden ist, dass ihn seine mittelmäßige Existenz nicht stört.
Zumindest ist dem so, bis der ehemalige Boyband-Star Danny Wilson (Nick Jonas) auf einer Hochzeit aufschlägt und sich sofort mit Rick versteht. In einer durchzechten und versoffenen Nacht jammen sie gemeinsam und am Ende schenkt Danny Rick sogar eine Gitarre. Doch Monate später bekommt Rick erst die Konsequenzen seines lasterhaften Abends zu spüren, als er bemerkt, dass Danny einen seiner Songs gestohlen hat und diesen im neuen Gewand als seinen ausgibt. Und während der Hit Danny in neue Höhen katapultiert, verliert Rick allmählich den Verstand …
Zwischen Katzenjammer und Weichspülpop: Wie gut ist die „Power Ballad“?
Der Titel „Power Ballad“ kreiert eine Erwartungshaltung. Die Erwartungshaltung, dass sich der Song, wegen dem sich Rick und Danny streiten, als musikalisches Meisterwerk entpuppen muss. Und irgendwie ist er das … und irgendwie auch nicht.
Der Konfliktherd ist ein Song namens „How To Write A Song Without You“, der sich am ehesten wie ein Coldplay-Song der 2000er-Jahre anhört – also aus dem letzten Jahrzehnt, in dem Coldplay noch gute Musik gemacht hat.
„How To Write A Song Without You“ ist ein zweischneidiges Schwert. Denn nicht nur Nick Jonas, sondern auch Paul Rudd hat den Song eingesungen und dabei entsteht eine unerwartete Diskrepanz. Paul Rudd, der ungefähr so „gut“ wie sein Kollege Ryan Gosling in „Barbie“ singen kann, fällt bei seinen vielen musikalischen Einlagen eher dadurch auf, dass er froh sein kann, sich schauspielerisch zu verdingen. Er singt zwar nicht furchtbar, aber den Troubadour nimmt man ihm jetzt auch nicht ab.

Nick Jonas hingegen, der im Vergleich zu seinem Bruder Joe Jonas auch nur die B-Seite der Jonas Brothers ist, kann nicht schauspielern, dafür aber singen. Ergo ergibt sich hier nur eine Balance, wenn Paul Rudd und Nick Jonas zusammenkommen. So singen sie nicht nur „How To Write A Song Without You“ gemeinsam, sondern auch den Stevie-Wonder-Hit „I Wish“.
Die zweite Strophe schwächelt: Wo „Power Ballad“ stellenweise durchhängt
Im modernen Musikkosmos ist es nichts Neues, dass man die meiste Mühe in die erste Strophe und den Refrain steckt. Die zweite Strophe ist dagegen eher das ungeliebte Mittelkind der aktuellen Musikszene, in der man froh sein kann, wenn das Erste, was man nach dem Refrain hört, aus mehr als drei Zeilen besteht.
In „Power Ballad“ ist das ganz ähnlich: Der Film steigt stark ein, hat eine gute Bridge (Konfrontation zwischen Rick und Danny) und mündet schlussendlich in einem großartigen letzten Refrain. Aber in der zweiten Strophe beziehungsweise im zweiten Drittel hängt die „Power Ballad“ zeitweise regelrecht durch. Und leider hat man sich hier nicht an dem nervigen Epitom der extrem verkürzten zweiten Strophe orientiert, sondern verbringt hier die meiste Zeit der Geschichte.
Klingt nach wie ein Tinnitus: „Power Ballad“ hat mehr verdient
„Power Ballad“ ist ein wenig wie das Hoch nach einem wirklich guten Konzert. Die Ohren sind noch halb taub und klingeln bis ins Unermessliche, das T-Shirt ist schweißnass und das Adrenalin pumpt durch alle Adern. Paul Rudd und Nick Jonas lassen das Publikum auf einem absoluten Hoch zurück und beweisen, dass es nicht immer nur Explosionen, Schockmomente oder marketingfreundliche Repräsentationsfiguren braucht – zumindest inhaltlich.
Denn an den internationalen Kinokassen ist „Power Ballad“ bereits baden gegangen, weshalb der Film hierzulande nur schmal ausgewertet wird. Stellenweise wird er wenigstens in Sneak-Previews platziert, was immerhin dazu führt, dass Personen, die diesen Film niemals gesehen hätten, ihn nun doch schauen.
Aber vielleicht ist das auch in Ordnung so, denn so kann ich mich stets prätentiös auf „Power Ballad“ berufen und den Film als „Geheimtipp“ verkaufen. Am Ende bleibt man mit dem Gefühl zurück, dass „Power Ballad“ ein Album ist, das unter dem Radar stattfindet und für eine kleine, determinierte Fanbase kreiert wurde – und der größte Fan dieses schmalen Kreises bin ich, denn „How To Write A Song Without You“ wird für immer ein Ohrwurm bleiben.








