Der beste Dinosaurier-Film aller Zeiten – Kritik zu „The End of Oak Street“
Wer hätte gedacht, dass es dieses Jahr gar keine Zyklopen, Superhelden oder Obsessionen braucht, wenn Ewan McGregor und ein paar Dinosaurier in „The End of Oak Street“ schon ausreichen?

Seit knapp 66 Millionen Jahren wandeln die Dinosaurier nicht mehr auf der Erde – und fast genauso lange hat man Ewan McGregor nicht mehr auf der Kinoleinwand gesehen. Zugegeben, diese Zeitangabe ist etwas übertrieben, aber der letzte große Film ist „Guillermo del Toro’s Pinocchio“ gewesen, der immerhin bald vier Jahre alt wird. Umso glücklicher sollten alle Dino- und Ewan-McGregor-Fans sein, wenn ich ihnen verrate, dass nicht nur die Urzeitechsen, sondern auch der alteingesessene britische Darsteller ein grandioses Kino-Comeback feiern. Warum „The End of Oak Street“ der beste Dinosaurier-Film aller Zeiten ist …
„The End of Oak Street“: Wovon handelt der Film?

Greg (Ewan McGregor) und Denise (Anne Hathaway) staunen nicht schlecht, als ein grelles Licht dafür sorgt, dass ihre komplette Nachbarschaft urplötzlich in der Urzeit aufgeschlagen ist. Genauer gesagt ist nicht nur die Flora mit prähistorischen Pflanzen gefüllt, sondern auch die Fauna wartet mit Dinosauriern aller Art auf, von denen die meisten leider keine Pflanzenfresser sind.
Von einer Sekunde auf die andere müssen sich Greg, Denise sowie ihre Kinder Audrey (Maisy Stella) und Brian (Christian Convery) mit den neuen Lebensumständen zurechtfinden und kämpfen ums nackte Überleben – in der Hoffnung, einen Weg zu finden, wie vielleicht wieder alles in Ordnung kommt.
Dinosaurier sind ausgestorben – originelle Ideen nicht
Vielleicht gibt es noch irgendeine Person hier, die sich an „Jurassic World: Dominion“ erinnert. Der Film war im Jahr 2022 ein Legacy-Sequel, das mit viel Nostalgie lockte, aber eigentlich eine ganz andere Idee versprach: Können Menschen und Dinos im Hier und Jetzt koexistieren? Leider interessierte den Film diese Frage überhaupt nicht und man erzählte stattdessen irgendetwas rund um Inseln, Flugzeuge und einen T-Rex – oder kurzum: nichts, was in der „Jurassic“-Reihe nicht schon einmal erzählt worden wäre.
„The End of Oak Street“, der eigentlich mal „Flowervale Street“ heißen sollte, muss bemerkt haben, dass die von Steven Spielberg geschaffene Filmreihe den kreativen Bankrott erreicht hat, und zeigt stattdessen, wie es wirklich aussehen sollte, wenn Dinos auf uns treffen – wenn auch im Jahr 1982.
Man stelle sich beispielsweise vor, dass man vor einem blutrünstigen Urzeiteidechsenpredator fliehen muss, aber gigantische schildkrötenähnliche Wesen versperren den Ort, der mal eine Straße war. Oder wie reagiert ein T-Rex eigentlich auf eine Schrotflinte? Oder zuletzt: Inwiefern müssten Menschen mit den Fäkalien und dem Sexualverhalten dieser haushohen Kreaturen klarkommen?
„The End of Oak Street“ stellt Fragen, die man niemals hatte, und beantwortet diese mit wunderschönen Bildern und einer Geschichte über familiären Zusammenhalt. Familiärer Zusammenhalt, der wohlgemerkt nicht ohne zwei Darsteller funktionieren würde.
Ewan Again: Life finds a Anne Hathaway

Während Ewan McGregor in den letzten Jahren sehr verhalten war, was seine Präsenz betrifft, kann man das zumindest 2026 nicht von Anne Hathaway behaupten. Nachdem die Schauspielerin bereits mit „Der Teufel trägt Prada 2“ und „Die Odyssee“ gigantische Kassenerfolge eingefahren hat, kann man nur hoffen, dass ein Teil dieser Strahlkraft auch „The End of Oak Street“ etwas finanzielles Glück bescheren wird. Denn all jene, die Anne Hathaway jetzt schon mögen, werden sie nach „The End of Oak Street“ voraussichtlich noch mehr lieben.
Jenseits aller Klischees ist es eher sie, die hier die väterliche Rolle einnimmt, ohne Ewan McGregor dabei verweichlicht wirken zu lassen. Beide Darsteller spielen stets verwirklichte Figuren mit Träumen, Bedürfnissen und all den anderen Begleiterscheinungen des menschlichen Daseins, die man leider in vielen Filmen heute vermisst. Das kreiert den wunderschönen oder doch eher bittersüßen Umstand, dass einem die Figuren ans Herz wachsen und Wendungen sowie weitere Entwicklungen dafür sorgen werden, dass man vielleicht die ein oder andere Archaeopteryx-große Träne verdrücken muss.
„The End of Oak Street“: Spielberg-esque Filmmagie der alten Schule
Bevor mir jetzt jemand vorwirft, den Vergleich zu Spielberg nur der Dinosaurier wegen zu ziehen, möchte ich diesen Vorwurf bereits jetzt abstrafen. Denn auch wenn viel von der Magie in „The End of Oak Street“ aufgrund des Kontrastes zwischen Dinosauriern und der „modernen“ Welt entsteht, sind es doch vor allem die Kleinigkeiten, die beweisen, dass Regisseur David Robert Mitchell ein kleiner Träumer ist.
Irgendwo zwischen sexuell aktiven Dinosauriern und durchtrennten Schulbussen schlummern kleine Bilder, die für große Emotionen sorgen. Das zeigt sich vor allem gegen Ende des Films, wenn eine simple Telefonzelle im Starkregen und ein Pizzawagen dafür sorgen, dass man sich unsicher ist, ob nicht vielleicht die Augen feuchter als die Klamotten der Darsteller sind. „The End of Oak Street“ ist voller toller Momente rund um Zusammenhalt, Familiengefühl und Abenteuer, die in ihren besten Momenten nicht nur an „Jurassic Park“, sondern auch an „Jumanji“ oder „Gremlins“ erinnern.
Wer also ertragen kann, dass die erste halbe Stunde ein riesiges Mysterium daraus macht, was das Werbematerial bereits verrät, dürfte einen großartigen Film serviert bekommen, der meiner bescheidenen Meinung nach den Boden mit allen anderen Dino-Filmen aufwischt. Oder um es kurz zu sagen: Der beste Dino-Sommerblockbuster seit „Ice Age 3“ im Jahr 2009 – und ehrlicherweise noch viel, viel besser.









