Nölen über Nolan

Ein versauter Film, aber definitiv kein guter – Kritik zu „Die Odyssee“

Nach drei Jahren Pause meldet sich Christopher Nolan mit „Die Odyssee“ zurück … und ich wünschte mir, dass er weiterhin pausieren würde.

Jimmy Gonzales, Matt Damon und Himesh Patel stehen in Rüstungen an einem Strand.
„Die Odysee“ ist vieles – aber definitiv kein befriedigendes Filmerlebnis. Foto: © Universal Studios. All Rights Reserved.

Manchmal legt einem das Leben Steine in den Weg. Mein Stein ist schon seit jeher Christopher Nolan, der meiner Wahrnehmung nach der Meister darin ist, eine breite Masse für vollends überladene Filme zu begeistern. Mit jedem Film versuche ich, ihm doch noch eine Chance zu geben, aber ebenso wie Odysseus in „Die Odyssee“ bin ich müde und weiß gar nicht mehr, ob ich noch weiter gegen den gigantischen Zyklopen kämpfen sollte, der Nolan mittlerweile ist.

Jedoch bevorteilt das Glück all jene, die mutig sind, weshalb ich mit „Die Odyssee“ und Nolan abrechnen und all jenen wackeren Seelen, die das hier lesen, verraten werde, warum ich solche Filme nicht mehr sehen kann.

„Die Odyssee“: Wohin geht die Reise?

Video Platzhalter
Video: Universal Pictures

Nach seinem ruhmreichen Sieg im trojanischen Krieg versucht Odysseus (Matt Damon), seines Zeichens König von Ithaka, jahrzehntelang verzweifelt, zurück nach Hause zu finden. Seine Irrfahrt führt seine Gefolgschaft und ihn über die stürmische See, zu kleinen und großen Monstern sowie in die Hände ruchloser Göttinnen und Hexen.

Dabei ahnt der verschollene König, dass die viel größere Gefahr in Ithaka selbst lauert. Etliche Freier, angeführt von Antinoos (Robert Pattinson), haben es sich in seinem Palast gemütlich gemacht und hoffen darauf, Odysseus' Frau Penelope (Anne Hathaway) heiraten zu können. Unterdessen tut Odysseus' Sohn Telemachos (Tom Holland) alles in seiner Macht Mögliche, um die Freier von seiner Mutter fernzuhalten, und begibt sich auf die Suche nach seinem Vater.

So dröge, so dissonant: In „Die Odyssee“ ist alles wie immer

Hassen ist ein hartes Wort, mit dem gerne mal wahllos umhergeworfen wird, aber im Falle von Nolan und seinen Filmen kommt die Nutzung dieses Wortes aus den tiefsten Tiefen meines Herzens. Ich weiß nicht, warum der Funke nie übergesprungen ist und bei allen anderen schon, aber ich hasse es, wie Christopher Nolan Geschichten erzählt.

Dieser Hass auf diese Art des Geschichtenerzählens lässt sich auf zwei Worte herunterbrechen: prätentiös und überhöht. Dieser Mann ist der festen Ansicht, dass das, was er zu erzählen hat, so bedeutend ist, dass er mit einer Selbstverständlichkeit einen fast dreistündigen Film präsentiert, der über große Strecken aber nichts zu erzählen hat.

Spätestens seit „Oppenheimer“ fühle ich mich in seinen Filmen so, als würde er das Meme von Rick Dalton aus „Once Upon a Time … in Hollywood“ replizieren wollen, in dem er energisch auf den Fernseher zeigt, sobald er selbst zu sehen ist. Die damalige Schar an Schauspielern und Schauspielerinnen, die aufgefahren wurde, ist hier auch vorhanden – und vermittelt das Gefühl, dass ich jedes Mal voller Begeisterung auf die Leinwand zeigen soll, wenn jemand auftaucht, den oder die ich kenne.

Viel gehört, kaum was gespürt: „Die Odyssee“ ist ein typischer Nolan

Viel schlimmer ist aber, dass Christopher Nolan glaubt, dass die Lauflänge seines Epos eine Bereicherung für meine Zeit sei, und eine umfangreiche und erzählenswerte Geschichte derartig repetitiv erzählt, dass ich jegliches Interesse verliere.

Die Schauplätze sind zwar immer wieder spannend, furchteinflößend sowie mysteriös – wenn auch selten schön anzusehen –, gleichen sich zur selben Zeit aber auch zu sehr. So gibt es eine Abfolge zweier Schauplätze, bei der man die eine Gefahr einfach nur verkleinert und auf mehrere Figuren umverteilt hat. Die Absurdität dieser thematischen Nähe ist aber viel eher, dass beide Situationen mit nahezu demselben Endergebnis enden.

Bei der eigentlichen Odyssee wird viel zu schnell Tempo gemacht, während alles andere rund um Telemachos und Penelope in langen dramatischen Strecken auserzählt werden muss. Das ist ein vollends dissonantes Erlebnis – mal ganz abgesehen davon, dass Nolan sich wie immer entscheidet, seine Geschichte in nicht chronologischer Reihenfolge zu erzählen. Damit ist die einzige Reise, die dieser Film mitbringt, die, auf die das Publikum geschickt wird … eine mehr als holprige und tonal indifferente Reise wohlgemerkt.

Ehre, wem Ehre gebührt: Nolans kurze Erfolgsmomente

Und trotz aller Probleme, die der Film mitbringt, gibt es zumindest eine Szene, die in mir im positivsten Sinne Unbehagen ausgelöst hat. Wer weiß, welche Stationen „Die Odyssee“ mitbringt, sollte sich jetzt schon vor dem Part fürchten, der die Hexe Circe umspannt. Als jemand, der eine regelrechte Abneigung gegenüber Anthropomorphismus hat – insbesondere, wenn er Schweine beinhaltet –, kann ich verstehen, warum Nolan nun proklamiert, dass er als Nächstes einen Horrorfilm drehen will. Das notwendige Auge für einen Body-Horror-Streifen scheint er mitzubringen und bietet dem Publikum ein versautes Unterfangen.

Ein weiteres Wunder ist, dass der britische Regisseur aus Schauspielern und Schauspielerinnen Leistungen herauskitzelt, bei denen man niemals vermutet hätte, dass sie zu solchen Leistungen in der Lage sind. Als jemand, der nicht unbedingt häufig über John Leguizamo und Himesh Patel nachdenkt, erwische ich mich nun dabei, dass die beiden mietfrei in meinem Kopf leben.

Natürlich sind die meisten anderen Darsteller und Darstellerinnen auch gut in dem, was sie tun, aber man muss Nolan anrechnen, dass er auch vermeintlichen B-Ware-Talenten tolle Leistungen entlocken kann … wenn nur die Dialoge und die generelle Geschichte besser wären.

„Die Odyssee“: Prätentiöse Filmbros werden ihn lieben – der Rest macht lieber einen großen Bogen drum

Um vollends transparent zu sein, hatte ich eigentlich schon vor Wochen die Überschrift „Christopher Nolan ist so ein Lappen – Kritik zu „Die Odyssee““ parat, aber meine Erwartungen wurden leider unterwandert. Ich hatte mit einem tendenziösen Film für Filmbros gerechnet, die immer dann im Kino auftauchen, wenn Nolan sie ruft und abgesehen davon nur „Geheimtipps“ wie „Everything Everywhere All at Once“ kennen.

Und gewissermaßen habe ich diesen Film bekommen. Aber gleichzeitig wurde mir auch ein Seherlebnis geboten, das immerhin in einigen Schauwerten gelegentlich mit der Langeweile bricht, und das kann ich von „Oppenheimer“ oder „Tenet“ nicht behaupten.

Es gilt dieselbe Regel wie bei jedem Nolan-Film: All jene, die ihn vergöttern, werden prätentiös wie eh und je sein. Der Rest wird sich fragen, worum so ein Lärm gemacht wird, und sollte sich bis zur Oscarverleihung 2027 in einer Höhle verstecken – ich habe gehört, dass bei Polyphem noch ein Platz frei ist.

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