Nicht totzukriegen: Was hat es mit „Ice Age: Am Siedepunkt“ auf sich?
Manny, Diego, Sid und ihre zwei Dutzend Eiszeitfreunde kehren für ein sechstes Kinoabenteuer zurück. Aber braucht es „Ice Age: Am Siedepunkt“ überhaupt noch?

Einer der großen Vorteile am Animationskino ist, dass man es so lange melken kann, bis die Stimmen der Sprecher und Sprecherinnen versagen. Zumindest ist das der Eindruck bei „Ice Age: Am Siedepunkt“, der nächstes Jahr in den Kinos erscheinen soll. Als alter „Ice Age“-Experte, was leider nicht so finanziell belohnend ist wie der Beruf eines Eiszeitexperten, erkläre ich, warum die Existenz des sechsten Films mehr als kurios ist.
„Ice Age: Am Siedepunkt“: Ein heißes Eisen
Nach fünf Teilen der „Ice Age“-Reihe konnte man vor allem eine Lehre ziehen: Die Reihe ist ein verhältnismäßiger Erfolg, aber per se nur im europäischen Raum. Der vorerst letzte Hauptteil der Reihe, „Ice Age: Kollision voraus!“, spielte bei einem Budget von 105 Millionen US-Dollar rund 405 Millionen US-Dollar ein, was zwar ein ganz nettes Ergebnis ist, aber nichts im direkten Vergleich zum direkten Vorgänger, der fast eine Milliarde einspielte.
Der Grund, warum es um die Reihe aber so lange still war, hing gar nicht mit Einspielergebnissen oder Ähnlichem zusammen, sondern vielmehr mit der Tatsache, dass Disney Fox gekauft hat und somit auch Blue Sky Studios besaß. Da Disney aber keinen Nutzen für ein drittes Animationsstudio sah, vor allem nicht während einer Pandemie, schloss man dieses.
Trotzdem folgten danach noch zwei weitere „Ice Age“-Projekte. Einerseits erschien der Spin-off-Film „Ice Age – Die Abenteuer von Buck Wild“, in dem Nebenfigur Buck im Rampenlicht stand. Dieses Projekt erhielt desaströse Kritiken. Andererseits kam als eine Art letztes Projekt von Blue Sky Studios die Serie „Scrat Tales“, in der Scrat in verschiedenen Kurzfilmen Abenteuer mit Baby Scrat erlebte. Das war im Jahr 2022, also vor knapp vier Jahren. „Ice Age“ ist dementsprechend kürzer weg gewesen als die „Toy Story“-Reihe. Grund genug, die Frage zu stellen: Braucht es einen sechsten „Ice Age“-Film überhaupt?
Milliarden Manni und Dollar Diego: Sind Sid und Co. überhaupt noch lukrativ?
Selbst als Fan der Reihe muss ich zugeben, dass „Ice Age“ schon immer etwas kreativ bankrott war. Die Urzeitwesen werden einfach in eine Naturkatastrophe geschmissen und damit sich alles anders anfühlt, werden noch weitere Charaktere dazugeschrieben – sozusagen „Stranger Things“ vor „Stranger Things“.

Was die Naturkatastrophen angeht, bleibt auch Teil 6 der Reihe treu. Ein erster Teaser, der erstaunlich stark an „Jackass 3D“ erinnert, zeigt Manni, Diego, Sid und Anhang, wie sie bei einer Art vulkanischer Explosion gen Himmel katapultiert werden. Was aber sofort auffällt, ist, dass die Zahl der Figuren im Teaser deutlich geringer ausfällt als zuletzt in der Reihe. So brachte es Teil 5 auf mindestens zwölf Charaktere in der Haupthandlung, während Scrat im All umhertollte. Auf dem Poster für „Am Siedepunkt“ sind es immerhin nur neun.
Darüber hinaus fällt auf, dass Fanliebling Buck, der bereits im fünften Teil zurückgekehrt ist, weiterhin von der Partie sein darf. Und auch Baby Scrat darf höchstwahrscheinlich aus Marketinggründen ebenfalls mitmischen. Eine erste Plotzusammenfassung erwähnt zudem wieder Dinosaurier, was bedeutet, dass erneut auf den Spuren von Teil 3 sowie dem Spin-off-Film gewandelt wird.
Und all diese Elemente sind prinzipiell eigentlich obsolet, denn „Ice Age: Am Siedepunkt“ wäre voraussichtlich auch ohne den ganzen vermeintlichen Nostalgia-Bait lukrativ. Heutzutage reicht es schließlich aus, dem Publikum einfach klarzumachen, dass die Charaktere lange weg waren, und schon dürften bei dieser „großen Rückkehr“ die Kassen klingeln.
Trotz all der Kritik freue ich mich irgendwie auf „Ice Age: Am Siedepunkt“. Vielleicht aber auch, weil das Vermengen alter Elemente dazu führt, dass man eine Geschichte bekommt, die wieder bei den alten Höhen mitmischen kann. Vielleicht aber auch nur, weil Scrat irgendwie immer zieht.






