Interview zum Antikriegsfilm

„Der Tiger“ mit David Schütter: „Wir sind im Panzer zu einem Körper geworden“

Monatelang eingesperrt im Panzer – für David Schütter und sein Team wurde „Der Tiger“ zum wohl härtesten Dreh ihres Lebens.

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Video: Prime Video / TV Movie

„Oh Gott, ist das eng.“ Mit diesem Gedanken stieg David Schütter zum ersten Mal in den Panzer aus dem Zweiten Weltkrieg – und genau dort verbrachte er mit Sebastian Urzendowsky, Laurence Rupp, Leonard Kunz und Yoran Leicher monatelang die Dreharbeiten zur neuen Amazon-Original-Produktion „Der Tiger“. Die Beklemmung, der Druck und die Intensität brachten das Team an seine Grenzen – und machten den Dreh für Schütter zu einer der prägendsten Erfahrungen seiner Karriere. Der Antikriegsfilm läuft aktuell in ausgewählten Kinos. Dafür haben wir David Schütter im Interview getroffen, um mit ihm über die vermutlich intensivste Zeit seines Lebens zu sprechen.

Monate im Panzer – wie aus Kollegen echte Freunde wurden

„Der eine war die Beine, der nächste waren die Arme, der andere waren die Ohren, die Augen und ich war der Kopf.“ erinnert sich David Schütter im Interview mit TVMovie.de. Was fast poetisch klingt, beschreibt die harte Realität am Set der neuen Amazon-Original-Produktion „Der Tiger“. Schon beim ersten Betreten des Panzers spürte er Beklemmung: „Dieser Panzer, der einen eigentlich beschützen soll, hat mir eher so ein bisschen Angst gemacht.“ Doch genau diese Enge ließ die Schauspieler zu einer verschworenen Truppe zusammenwachsen. Tagelang diskutierten sie über den schmalen Grat bei der Darstellung: „Diesen Drahtseilakt, dass wir keine Helden zeigen wollen, aber auch nicht nur böse Monster von weit weg, weil das auch nichts bringt in der Erinnerungskultur. Da waren wir ganz viel miteinander beschäftigt und haben uns viel ausgetauscht und waren eigentlich drei Monate nur, nur, nur zusammen.“

Auch die körperlichen Herausforderungen waren enorm: Rauch, Rütteln, stickige Luft. Während einige Kollegen auf Tabletten gegen die Übelkeit setzten, wollte Schütter das Gefühl bewusst spüren: „Ich habe sie nicht genommen. Ich habe gesagt, komm, das unwohle Gefühl und das Ungeheuer des Krieges soll man mir im Gesicht ansehen. Da habe ich es einfach mal passieren lassen.“ Für ihn wurde der Dreh so nicht nur zur Grenzerfahrung, sondern zu einer einzigartigen Reise in die beklemmende Realität, die „Der Tiger“ so eindringlich auf die Leinwand bringt.

Auf dem Bild ist David Schütter in seiner Rolle im Film „Der Tiger“ zu sehen. Er befindet sich im Inneren eines Panzers, trägt Kopfhörer und eine Uniform mit Mütze. Sein Gesicht wird von einem warmen Licht angestrahlt, wodurch seine angespannte und konzentrierte Mimik noch deutlicher wirkt. Der enge Raum im Panzer und die Schatten um ihn herum unterstreichen die beklemmende Atmosphäre der Szene.
David Schütter im „Tiger“-Panzer: Über Kopfhörer bekam er direkt von Regisseur Dennis Gansel seine Anweisungen. Foto: Amazon MGM Studios

David Schütter über die Dreharbeiten: „Vielleicht sollte Krieg auch nicht so viel Spaß machen“

„Ich war ganz allein in diesem Ding. Ein echter Panzer, der gefahren ist.“ Schon diese Schilderung von David Schütter macht klar, wie bedrückend die Arbeit im Inneren der stählernen Kolosse war. Über die Abläufe sagt er: „Es dauert ewig lange, bis man eine Szene neu ansetzen kann. Das muss dann einfach funktionieren.“ Jede Einstellung musste sitzen – trotz Enge, Lärm und Erschöpfung. „Wenn so ein Panzer ruckelt, dann ist da Rauch, Rauchgranaten, es brennt in den Augen. Am Ende sieht das toll aus, aber Spaß ist wirklich etwas anderes“, meint er, hält kurz inne und fügt nachdenklich hinzu: „Vielleicht sollte Krieg auch gar nicht so viel Spaß machen. Vielleicht ist es auch ganz gut so …“

Nach wochenlangen Drehs im Panzer näherte sich nicht nur die Handlung ihrem Ende, auch die Schauspieler zählten die Tage bis zum Abschluss. Für Schütter wurde der letzte Drehtag zum emotionalen Höhepunkt: „Ohne spoilern zu wollen – da kam alles zusammen, was man vorher verdrängt und in sich eingeschlossen hatte.“ Besonders in der finalen Szene überzeugt er mit einer darstellerischen Intensität, die die innere Zerrissenheit seiner Figur greifbar macht: den Blick auf einen Menschen, der begreift, dass dies seine letzten Atemzüge sind.

Vorbereitung gab es für diesen Moment nicht. Er entstand aus der Situation: „Die Enge, die Beklemmung, die Schmerzen, die Anstrengungen, die fehlende Privatsphäre und dieser Drahtseilakt, wie man das erzählen möchte. Ich glaube, da konnte man einfach mal kurz Ballast abwerfen“ - so Schütter.

uf einer dunklen Brücke steht ein schwerer Panzer, aus dessen Umgebung dichter Rauch in den Nachthimmel steigt. Der Mond scheint hell durch die Rauchwolken. Rund um den Panzer liegen Trümmerteile, brennt Feuer und verteilt sich Schutt.
Der „Tiger“-Panzer im Feuer: Rauch und stickige Luft machten den Dreh zu einer echten Probe. Foto: Amazon MGM Studios

Im Panzer lernte David Schütter, was wirklich zählt ...

Für David Schütter waren die Monate im Panzer nicht nur eine körperliche Grenzerfahrung, sondern auch eine intensive Auseinandersetzung mit sich selbst. „So einen Druck wie im Krieg habe ich noch nie erlebt“, erzählt er, „aber schnell entscheiden zu können, auch für eine Gruppe, das ist etwas, das ich nicht scheue.“ In solchen Momenten zeigt sich, dass er seiner Figur Leutnant Philipp näher ist, als er zunächst dachte – auch wenn er viele Seiten der Rolle kritisch betrachtet. Besonders beim Thema Regeln und Befehle wird das deutlich. Denn was im Krieg über Leben und Tod entschied, begegnet er im echten Leben mit Skepsis. „Ich habe schon einige Regeln in meinem Leben gebrochen“, sagt er offen. Und macht klar, was für ihn über allem steht: „Der kleinste gemeinsame Nenner, den wir alle haben sollten, ist der Humanismus – und da steht auch kein Befehl drüber.“

Damit trifft Schütter den Kern des Antikriegsfilms „Der Tiger“: Alles noch einmal hinterfragen und sich die Frage stellen – Was mache ich damit? Will ich so ein Mensch sein?

Quellen

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