Soundcore Liberty 5 Pro Max im Test: Diese Kopfhörer haben ein überraschendes Geheimnis
Die Soundcore Liberty 5 Pro Max wollen mehr sein als einfach nur gute In-Ear-Kopfhörer. Vor allem das ungewöhnliche Ladecase macht Ankers neues Topmodell zu einem der spannendsten Earbud-Konzepte des Jahres. Doch braucht man das alles wirklich?

Bei kabellosen In-Ear-Kopfhörern ist es inzwischen gar nicht mehr so einfach, aus der Masse herauszustechen. ANC, Transparenzmodus, personalisierbarer Equalizer und räumlicher Klang gehören zumindest in der Oberklasse fast schon zum guten Ton. Anker versucht es bei den Soundcore Liberty 5 Pro Max deshalb mit einer anderen Strategie: Das Unternehmen packt nicht nur möglichst viel Technik in die Ohrhörer, sondern macht auch aus dem Ladecase ein kleines Gadget.
Das fällt bereits beim ersten Öffnen auf. Auf der Oberseite sitzt ein 1,8 Zoll großes AMOLED-Touchdisplay, über das sich zahlreiche Funktionen der Kopfhörer bedienen lassen. Und als wäre das nicht ungewöhnlich genug, kann das Case sogar Gespräche aufnehmen und mithilfe von KI transkribieren und zusammenfassen.
Klingt ein bisschen nach Technik-Spielerei. Im Alltag erweist sich davon aber erstaunlich viel als praktisch.
Soundcore Liberty 5 Pro Max: Das Case ist der eigentliche Star

Normalerweise verschwindet das Ladecase von In-Ears nach dem Einsetzen der Kopfhörer direkt wieder in der Hosentasche. Bei den Liberty 5 Pro Max ertappt man sich dagegen häufiger dabei, es in der Hand zu behalten.
Das Display funktioniert im Prinzip wie eine stark vereinfachte Smartwatch. Mit Wischbewegungen lässt sich beispielsweise zwischen Noise Cancelling und Transparenzmodus wechseln, die Musikwiedergabe steuern oder ein anderer EQ auswählen. Auch Einstellungen für Bluetooth, Displayhelligkeit und Dolby Audio sind erreichbar. Das Smartphone muss dafür nicht jedes Mal aus der Tasche geholt werden.
Braucht man das? Nicht unbedingt. Schließlich lassen sich viele Funktionen auch direkt über die Kopfhörer oder die Soundcore-App steuern. Nach kurzer Eingewöhnung möchte man das Display trotzdem nicht mehr ganz missen. Gerade unterwegs ist es angenehm, Einstellungen schnell am Case ändern zu können.
Allerdings hat die zusätzliche Technik ihren Preis: Das Ladecase fällt etwas üppiger aus als bei vielen Konkurrenten. Wer möglichst kompakte In-Ears für die Hosentasche sucht, findet unauffälligere Alternativen.
KI-Notizen: Cleverer Bonus oder unnötiges Gimmick?
Noch ungewöhnlicher wird es beim AI Note-Taker. Das Ladecase besitzt dafür selbst ein Mikrofon und kann unabhängig von den Ohrhörern Aufnahmen anfertigen. Anschließend werden diese in der Soundcore-App transkribiert und zu Notizen zusammengefasst.
Damit wird ausgerechnet ein Kopfhörer-Case zum kleinen digitalen Diktiergerät. Besonders für Menschen, die regelmäßig Meetings, Interviews oder Gespräche dokumentieren, kann das tatsächlich interessant sein. Während einer Aufnahme lassen sich wichtige Stellen außerdem markieren.
Für die meisten Käufer dürfte diese Funktion allerdings eher Bonus als Kaufargument sein. Wer nur Spotify hören und im Zug seine Ruhe haben möchte, wird den AI Note-Taker vermutlich nach dem ersten Ausprobieren wieder vergessen.
Spannender ist die Technik deshalb vor allem für eine bestimmte Zielgruppe: Wer beruflich viele Gespräche führt, bekommt hier Kopfhörer und Aufnahmegerät in einem Produkt.
Soundcore Liberty 5 Pro Max im Klangtest
Zum Glück hat Anker vor lauter Display und KI nicht vergessen, worum es bei Kopfhörern eigentlich geht. Klanglich spielen die Liberty 5 Pro Max auf einem hohen Niveau.
Die Abstimmung ist allerdings eindeutig auf Massengeschmack ausgelegt. Schon in der Standardeinstellung gibt es ordentlich Bass. Beats haben Druck und Filme oder Serien profitieren von einem kräftigen Fundament. Wer einen möglichst neutralen, analytischen Klang sucht, könnte die Tiefen dagegen als etwas zu dominant empfinden.
Hier spielt Soundcore eine seiner traditionellen Stärken aus: Der Klang lässt sich sehr umfangreich anpassen. Neben verschiedenen Presets steht ein Equalizer zur Verfügung, außerdem kann HearID anhand des eigenen Hörvermögens ein persönliches Klangprofil erstellen.
Stimmen bleiben trotz der kräftigen Basswiedergabe klar verständlich, was nicht nur bei Musik, sondern auch bei Podcasts, YouTube-Videos und Serien positiv auffällt. Gerade für den alltäglichen Mix aus Musik und Streaming liefern die Liberty 5 Pro Max damit ein sehr überzeugendes Gesamtpaket.
ANC der Liberty 5 Pro Max überzeugt im Alltag
Auch beim Active Noise Cancelling gibt sich das Topmodell keine Blöße. Die Intensität lässt sich in mehreren Stufen einstellen, alternativ übernimmt ein adaptiver Modus die Anpassung automatisch.
Vor allem gleichmäßige tieffrequente Geräusche werden effektiv reduziert. Bahn, Bus, Flugzeug oder das monotone Brummen einer Klimaanlage verlieren dadurch deutlich an Präsenz. Komplett von der Außenwelt abgeschnitten ist man natürlich nicht, doch für den täglichen Arbeitsweg oder längere Reisen ist die Geräuschunterdrückung stark.
Gut gefällt außerdem der Transparenzmodus. Wer kurz mit jemandem sprechen oder eine Durchsage hören möchte, muss die Kopfhörer nicht herausnehmen. Mit „Easy Chat“ kann das sogar automatisch passieren: Beginnt man zu sprechen, wird die Musik leiser und der Transparenzmodus aktiviert.
Das ist eine dieser Funktionen, die auf dem Datenblatt zunächst nach Spielerei klingt und im Alltag schnell ziemlich praktisch werden kann.
Komfort: Groß, aber überraschend bequem

Optisch unterscheiden sich die Liberty 5 Pro Max deutlich von klassischen AirPods-artigen Kopfhörern mit Stiel. Die relativ großen Ohrhörer sitzen direkt in der Ohrmuschel und werden zusätzlich über kleine Ear Fins stabilisiert.
Anker liefert mehrere Größen für Ohrstücke und Aufsätze mit, sodass sich der Sitz vergleichsweise genau anpassen lässt. Sind die richtigen Aufsätze gefunden, sitzen die Kopfhörer sicher und angenehm – auch über längere Zeit.
Unauffällig sind sie allerdings nicht. Die Liberty 5 Pro Max tragen sichtbar auf und dürften Fans möglichst kleiner Earbuds schon deshalb weniger ansprechen. Dafür sind sie nach IP55 gegen Staub und Wasser geschützt und damit auch für Sport oder einen Regenschauer geeignet.
Akku: Auch lange Reisen sind kein Problem
Bei deaktiviertem ANC gibt Anker bis zu zwölf Stunden Wiedergabe mit einer Akkuladung an, mit eingeschalteter Geräuschunterdrückung sind es bis zu 6,5 Stunden. Zusammen mit dem Ladecase sollen maximal 50 beziehungsweise 28 Stunden möglich sein.
Praktisch ist vor allem die Schnellladefunktion: Bereits fünf Minuten Laden können bis zu vier weitere Stunden Wiedergabe ermöglichen. Das Case kann per USB-C oder kabellos geladen werden.
Damit gehören Akku-Sorgen im normalen Alltag weitgehend der Vergangenheit an. Lediglich wer ANC permanent aktiviert und sehr lange unterwegs ist, muss die Ohrhörer zwischendurch ins Case zurücklegen.
Fazit: Für wen lohnen sich die Soundcore Liberty 5 Pro Max?
Die Soundcore Liberty 5 Pro Max sind hervorragende In-Ears – und gleichzeitig ein ziemlich ungewöhnliches Technikexperiment. Guter Klang, starkes ANC, überzeugende Gesprächsqualität und zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten würden bereits für ein gelungenes Gesamtpaket sorgen.
Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal steckt jedoch im Ladecase. AMOLED-Touchscreen, eigenständiges Mikrofon, Übersetzungsfunktionen und KI-Notizen findet man bei gewöhnlichen In-Ears schlicht nicht. Und überraschenderweise ist einiges davon mehr als bloße Spielerei.
Genau hier liegt allerdings auch das größte Fragezeichen. Wer diese Extras nicht nutzt, bezahlt für Funktionen, die für das eigentliche Musikhören kaum einen Vorteil bringen. Denn die günstigeren Liberty 5 Pro bieten bei den entscheidenden Kopfhörer-Disziplinen bereits sehr viel vom gleichen Erlebnis.
ANKER
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