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Technik

Aus für PlayStation-Discs: Sind Blu-ray & DVD jetzt am Ende?

Sony hat bekannt gegeben, dass PlayStation-Spiele ab 2028 nicht mehr auf Disc, sondern ausschließlich digital erscheinen werden. Grund zur Panik für Freunde von Blu-ray/DVD/4K UHD? Nein, denn Gen Z finden immer mehr Gefallen an physischen Medien.

Sony verabschiedet sich von PS-Spielen auf Disc und setzt auf digital. Hat das Auswirkungen auf den DVD-/Blu-ray-Markt?
Wie steht es um die Zukunft von physischen Medien im Allgemeinen, nachdem Sony bekannt gab, dass es PlayStation-Spiele nur noch digital geben wird? Foto: TVM/PR (Collage)

Seit Kurzem ist GTA 6 vorbestellbar. Endlich, möchte man sagen. Doch beim Klick auf den Warenkorb mag der ein oder andere Gamer stutzig geworden sein, denn das Spiel bekommt man im November nicht auf Disc. Lediglich ein Download-Code wird in der Amaray-Hülle zu finden sein.

Die Nachricht hat einen gewissen Schockfaktor inne, aber wenn wir ehrlich sind, war es nur eine Frage der Zeit, und GTA 6 ist dabei nicht weniger als der Startschuss für eine neue Gaming-Ära. Denn Sony hat offiziell angekündigt, dass ab Januar 2028 alle neuen Spiele für die PlayStation ausschließlich in digitaler Form veröffentlicht werden und nicht mehr auf Disc.

Sony verhilft der Blu-ray zum Siegeszug

Ich lege die Karten direkt auf den Tisch: Ich bin kein Gamer und mit sehr großer Wahrscheinlichkeit werde ich mir GTA 6 nicht zulegen. Dennoch bin ich von Sonys Ankündigung persönlich getroffen. Vielleicht mache ich mir auch ein bisschen Sorgen, welche Implikationen und Auswirkungen das auf den gesamten Markt von physischen Medien haben könnte. Insbesondere beziehe ich mich auf Heimkinounterhaltung in Form von DVD, Blu-ray und 4K UHD.

Zu Beginn der 2000er herrschte ein erbitterter Kampf um das Nachfolgeformat für die DVD. In der einen Ecke war die Blu-ray, ihr gegenüber stand die HD DVD. Beide hochauflösenden optischen Disc-Formate schenkten sich über die Jahre nichts, um in der Pre-Streaming-Ära die Home-Entertainment-Vormachtstellung für sich zu beanspruchen.

Blu-ray zu RoboCop von Arrow Video
Der Blu-ray-Release von Arrow Video zu „RoboCop“ bietet nicht nur 2 Discs, Postkarten und einen Sticker, sondern auch ein doppelseitig bedrucktes Poster sowie ein über 70 Seiten dickes Booklet. Kein Streamer kann da mithalten Foto: TVM/Privat

2007 ist dann eine Entscheidung zugunsten der Blu-ray gefallen. Das Format bot eine größere Speicherkapazität (25 GB/50 GB im Vgl. zu 15 GB/30 GB bei der HD DVD) und einen besseren Kopierschutz. Doch der finale Nagel im Sarg der HD DVD war die Entscheidung von Sony, ihre im selben Jahr neu erschienene PlayStation 3 Blu-ray-kompatibel zu machen. 2008 wurden die Entwicklung und Herstellung von HD DVDs durch Toshiba offiziell eingestellt.

2007 entschied sich Sony für die Disc und trug zum weltweiten Siegeszug der Blu-ray bei. 20 Jahre später die 180-Grad-Wende. Keine Discs, nur noch digital. Hat diese Entscheidung wie schon damals eine (diesmal negative) Auswirkung auf Blu-rays und das Nachfolgeformat 4K UHD?

Die Illusion des Streamings

Die Welt des Entertainments hat sich verändert in den letzten 20 Jahren. Das will und kann ich nicht bestreiten. Insbesondere junge Menschen, so hört man oft, würden in einer ausschließlich digitalen Welt leben. Das ist auch das offizielle Argument von Sony, in Zukunft auf Discs zu verzichten: „[…] die Vorlieben der Verbraucher und die Unterhaltungsbranche insgesamt [verlagern sich] zunehmend von physischen Discs hin zu digitalen Formen“, heißt es in der Pressemitteilung.

Streaming scheint den Markt der Film- und Serienunterhaltung zu dominieren. Netflix hier, Disney+ da, Prime Video nur einen Knopfdruck entfernt. Alles ist online verfügbar. So zumindest das Versprechen. Aber das ist eine Lüge, denn natürlich ist nicht alles online verfügbar. Lizenzen laufen aus und der Lieblingsfilm ist plötzlich nicht mehr auf Netflix. Auch die Zensur spielt eine Rolle: Netflix hat eine Folge der Comedy-Serie „Community“ gelöscht, nachdem Blackface-Vorwürfe im Netzt laut wurden.

Ich habe die komplette Serie auf DVD im Regal stehen. Niemand kommt zu mir nach Hause und beschlagnahmt meine DVD. Denn es ist meine DVD.

Das physische Medial als "kulturelle Rebellion"

Ist die DVD denn nun ihrem unausweichlichen Untergang geweiht? Interessiert sich denn wirklich niemand mehr für die Blu-ray?

Wie Daten der Digital Entertainment Group (DEG) zeigen, sind die Verkaufszahlen für DVD und Co. 2024 im Vergleich zum Vorjahr um 23,4 Prozent zurückgegangen. 2025 waren es aber nur noch 9,3 Prozent im Vergleich zu 2024, berichtet Flatpanelshd.com.

Weiterhin sinkende Zahlen, ja. Aber Zahlen, die sich mit großen Schritten in den grünen Bereich bewegen. Erfreulich ist zudem, dass die Verkäufe der UHD-Discs im vergangenen Jahr um 12 Prozent gestiegen sind. Ich als Enthusiast physischer Medien interpretiere das als einen positiven Trend. 

Was aus langfristiger Sicht noch wichtiger ist als die nackten Zahlen, ist die immer größer werdende Wichtigkeit physischer Medien für der Gen Z – die Konsumenten von morgen. Vinyl, Musikkassetten, sogar kabelgebundene Kopfhörer sind wieder im Trend. In dem Artikel „DVDs are the new vinyl records: Why Gen Z is embracing physical media” der Los Angeles Times von Februar 2026 geht es genau darum: der Streaming-Frust junger Menschen und wie sie physische Medien als „kulturelle Rebellion“ sehen.

Ich bin seit Jahren Sammler und Befürworter physischer Medien. Ich war ein DVD-Rebell, bevor es überhaupt cool war. Und es freut mich ungemein zu sehen, dass auch junge Menschen die Disc und ihre Vorteile immer mehr zu schätzen wissen.

Also nein, das Ende der DVD ist noch nicht gekommen. Und vielleicht wird es das auch nie. Das kann aber letztlich nur die Zeit zeigen. Sicher aber ist, dass es nicht in der Hand globaler Großunternehmen liegt, sondern in den kollektiven Händen kulturhungriger Menschen.

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