Nintendo Entertainment System: Mit dieser Konsole fing für mich alles an
Ich liebe Games – und Retrospiele sogar noch mehr. Meine Lieblingskonsole: das Nintendo Entertainment System mit seinen knuffig-bunten 8-Bit-Spielen. Und so bin ich dem grauen Brotkasten verfallen!

Weihnachten 1991 fing für mich alles an: Während mein älterer Bruder hinter mir mit seiner Freundin herumknutschte, spielte ich erstmals „Super Mario Bros.“ auf dem Nintendo Entertainment System. Von da an war ich dem NES völlig verfallen – und eigentlich sogar Videospielen an sich.
Keine andere Retro- oder Nintendo-Konsole (auch nicht die darauffolgenden mit besserer Grafik) hat mich seither so begeistert. Das liegt vor allem an der zeitlos schönen Pixeloptik. Nicht ohne Grund bedienen sich Games bis heute an diesem Stil. Spiele wie „Shovel Knight“ sind moderne Hommagen an Klassiker wie „Duck Tales“.

Oldschool ist mein Ding
Aber nicht nur die Optik hat es mir angetan, auch die Musik ist mein Highlight der Retrozeit. Ich stehe auf die sogenannten Chiptunes und mag den dudeligen Oldschool-Sound viel lieber als etwa die technisch ausgereifteren Kompositionen der 16-Bit-Ära.
Das klotzige Design der Konsole, das Quietschen der Klappe und das Einlegen der Spiele inklusive Pusten: Ich mag das Haptische daran genau wie ich immer noch echte Bücher lese. Noch genialer sind allerdings die grauen Module mit ihren bunten Etiketten und dem kultigen Griff.

Eine neu entdeckte Liebe
Früher besaß ich übrigens gar nicht mal so viele Spiele: Maximal zehn konnte Klein-Pavel sein stolzes Eigen nennen, darunter natürlich Klassiker wie „Mega Man 2“ oder „Super Mario Bros. 3“. Irgendwann ist das NES aber dann doch erst einmal verstaubt und wurde durch „moderne“ Konsolen wie die PlayStation 2 ersetzt.
Neu entdeckt habe ich meine Liebe zum NES in der Corona-Zeit. Wie viele andere Menschen habe auch ich in dieser Zeit mit dem Sammeln angefangen und mich für die guten alten Module entschieden. In relativ kurzer Zeit wuchs meine Sammlung dabei dank einer super netten Facebook-Community auf über 140 Titel an.

Meine NES-Sammlung
Ganz konkret befinden sich mittlerweile 148 NES-Spiele in meinem Besitz. Ein Großteil davon entstammen der PAL-Region (also bei uns in Europa erschienene Titel), verstärkt häufe ich mittlerweile aber auch NTSC-Spiele aus den Vereinigten Staaten an.
Der einfache Grund: Ich sammle nicht des Sammelns wegen, sondern spiele die Games tatsächlich – und irgendwann gehen die guten Titel eben aus. Die USA hat nämlich einige coole Games, die hier überhaupt gar nicht erschienen sind.

Viele Sammler da draußen setzen übrigens auf Originalverpackungen, mir reicht meist das Modul – Spiele in der OVP sind nämlich deutlich teurer. Mehr als 100 Euro habe ich für ein solches Spiel noch nie ausgegeben.
Apropos teuer: Unterm Strich sind NES-Spiele leistbar und viele Titel bekommt ihr für 15 bis 50 Euro. Möchte man aber ein PAL-B-Komplettset (also 340 Games), muss man tief in die Tasche greifen. Für die seltensten Games fallen Preise zwischen 5.000 und 10.000 Euro an – insofern du überhaupt noch eins davon findest.

App-Tipp: Retro Game Collector
Seid ihr auch Retrospiel-Sammler oder wollt einer werden, empfehle ich euch zum Katalogisieren die App Retro Game Collector. Die Basis-Anwendung ist kostenlos, das Freischalten der in Konsolen unterteilten Spieledatenbanken kostet aber extra. Eine ist jedoch zum Start frei und ich nutze seit Tag 1 die vom NES. Hinterlegt sind alle verfügbaren PAL- und NTSC-Titel, komplett mit Info- und Klappentext sowie Screenshot. Richtig cool: Die App addiert automatisch den grob geschätzten Gesamtwert eurer Spiele – damit ihr immer wisst, wie viel ihr in Modulen angelegt habt. Meine Sammlung beläuft sich mittlerweile auf 5.780 US-Dollar. Hätte ich vorher nicht gedacht!
Meine 10 liebsten NES-Spiele
Auch als Retro-Nerd bin ich ehrlich: Das NES hat nicht gerade die stärkste Spielebibliothek der Nintendo-Geschichte. Von den knapp 150 Spielen in meiner Vitrine sind wahrscheinlich nicht mehr als 30 wirklich empfehlenswert – das sind meine 10 ganz persönlichen Lieblinge!
Mega Man 3

Für die breite Masse ist „Mega Man 2“ das beste Spiel der berühmt-berüchtigten Jump'n'Run-Reihe – ich persönlich liebe am meisten Teil 3. Er hat die geilsten Bosse, die coolsten Levels und einen genialen Soundtrack. Gerade Snake-Mans Stage ist ein absoluter Ohrwurm – wenn man Chiptunes mag, versteht sich. Ansonsten ist „Mega Man 3“ wie auch die anderen Teile ein genialer Platformer, der durch die Bosswaffen- und Schwächen eine taktische Komponente erhält.
Maniac Mansion

„Maniac Mansion“ war mein erstes NES-Spiel außer dem der Konsole beiliegenden „Super Mario Bros.“ – und wie wahnsinnig toll fand ich das durchs SCUMM-Interface wegweisende Adventure von Ron Gilbert. Verrückte Charaktere, eine durchgeknallte Story und absurde, aber immer faire Rätsel: Bis heute zählt das Game für mich zu den besten Knoblern. Auch die herrlich gruselige Atmosphäre und die makabren Gags hatten es mir angetan. Habt ihr schon einmal einen Hamster in die Mikrowelle gesteckt? Hier geht's!
Super Mario Bros. 2

Auch hier mag ich den Underdog lieber als den Bestseller: Teil 3 ist ohne Frage genial, aber „Super Mario Bros. 2“ finde ich persönlich noch eine Spur cooler: Grund ist neben den vier (durchaus unterschiedlich) spielbaren Figuren vor allem das Mario-untypische Design. Weil das Spiel eigentlich auf dem Famicom-Game „Doki Doki Panic“ basiert (Nintendo hat eigentlich nur die Spielfiguren durch die Mario-Rige ersetzt), gibt's hier keine Goombas und Koopas, sondern ganz andere verrückte Viecher – wie das gruselige Zweigesicht Phanto, das euch durch die Level jagt.
Little Nemo: The Dream Master

Lange vor „Resident Evil“ war Entwickler Capcom bekannt für exzellente Videospiele – und vor allem fürs NES programmierten die Japaner jede Menge Klassiker. Neben „Duck Tales“ gehört mein Herz dabei vor allem „Little Nemo: The Dream Master“. In der Umsetzung eines Zeitungs-Comic-Strips hüpft ihr als kleiner Junge im Nachthemd durch bunte, wunderschön designte Traumwelten, um die Welt vorm Nightmare King zu retten. Coolste Idee: Um alle Schlüssel des Levels zu finden, schlüpft ihr in die Häute verschiedener Tiere und nutzt ihre Fähigkeiten.
The Battle of Olympus

Habt ihr Interesse an griechischen Sagen und steht auf klassische 8-Bit-Action-Adventures wie „Zelda 2: The Adventure of Link“, kann ich euch den Underdog „The Battle of Olympus“ nur empfehlen. Dort holt ihr als Orpheus eure große Liebe Helene aus der Unterwelt zurück. Dazu geht es nach Athen, Kreta oder Peloponnes, wo ihr mit Keule bis Schwert Gewürm bis echte Sagenmonster erledigt. Richtig super fand ich schon immer die offene Spielwelt: Jedes Areal hat mehrere Ausgänge und ihr geht die Levels nach eigener Reihenfolge an.
Kabuki Quantum Fighter

Auch „Kabuki Quantum Fighter“ hat kaum einer auf dem Schirm – dabei handelt es sich hier um eine echte NES-Perle mit originellem Dreh. Im Kern ein Hardcore-Platformer mit vielen Gegnern und noch mehr tödlichen Stacheln, imponiert vor allem eure Hauptwaffe – das eigene Haupthaar. Mit dem schlagt ihr wie eine Peitsche zu, nutzt aber auch verschiedene Schusswaffen. Neben dem genialen, asiatisch angehauchten Grafikstil rockt auch die originelle Story: Ein tödlicher Computervirus bedroht die Welt und ihr werdet als US-Colonel digitalisiert und in die Maschine transferiert.
Duck Tales

„Duck Tales“ war für viele Kids der Zeichentrick-Hit der 80er und 90er – und sobald ihr die Theme der Kultserie im Hauptmenü der 8-Bit-Version hört, werdet ihr wieder genau dort hin transportiert. Aber auch abseits des Akustischen gehört das Spiel zu den besten Jump'n'Runs des gesamten NES-Archivs. Es gibt einfach nichts Schöneres, als mit Dagobert Duck und seinem Pogo-Stick auf der Suche nach unermesslichem Reichtum durch die Welt zu hüpfen – vom Amazonas übers gruselige Transsilvanien bis hin zum Mond.
The Simpsons: Bart vs. The Space Mutants

Es kann nicht alles gut sein – und auch das Nintendo Entertainment System hat jede Menge Gurken im Repertoire. Als eine davon gilt „The Simpsons: Bart vs. The Space Mutants“, doch trotzdem hängt mein Herz an diesem eher obskuren Titel. Der Grund: Das verrückte Spielprinzip und der bescheuerte Plot. Um invasive Aliens vor dem Bau einer Superwaffe zu hindern, manipuliert ihr als Bart Simpson in jedem Level andere Gegenstände. So färbt ihr auf der Straße lilafarbene Gegenstände ein oder sammelt im Kaufhaus Hüte.
Bubble Bobble

Jedes Kind der 80er-Jahre kennt „Bubble Bubble“: Der Arcade-Hit erschien später auf so gut wie allen Plattformen, unter anderem auch für das NES. Allein (oder noch besser: zu zweit!) fangt ihr als Drache mit Blasen die Gegner ein und verwandelt sie anschließend durch Berührung in punktespendendes Obst. Sind alle Feinde erledigt, scrollt der Screen nach unten und es geht tiefer ins Retro-Labyrinth. Hängen bleibt neben dem süchtig machenden Gameplay-Loop auch der kultige Soundtrack.
Faxanadu

Ein ungewöhnliches Highlight für das NES ist „Faxanadu“: Das allein durch seine rötlich-braune Farbpalette schon optisch ungewöhnliche Spiel ist zudem ein Vorläufer des RPGs. Das Töten von Gegnern bringt Erfahrungspunkte und mehr Gold – und das investiert ihr dann in stärkere Waffen und Key-Items. Apropos: Der sehr offene und mysteriöse Weltenbaum (der Hauptschauplatz des Spiels) ist voller verschlossener Türen, für die ihr erst einmal den Schlüssel finden müsst.
Das Ende einer Reise?
Mittlerweile kaufe ich nur noch gelegentlich NES-Games, weil mir das Futter ausgeht – ich sammle keine Sportspiele und der Rest ist zu teuer. Derzeit konzentriere mich mich deshalb auf Game-Boy-Classic-Spiele. Der erste echte Nintendo-Handheld war nämlich gleichzeitig auch mein erster. Und die Spiele sind im Schnitt deutlich preiswerter!






