Moderne Survival Horror Games: Alter Horror, neu gemacht
Survival-Horror boomt – aber nicht die großen Marken treiben das Genre voran. Moderne Indiegames der alten Schule bringen den Grusel von damals authentischer zurück.

„Resident Evil“ war nie richtig tot, während „Silent Hill“ gerade eine neue Blüte erlebt. Aber vor allem Capcoms Bestseller-Serie hat trotz einer gewissen Rückbesinnung mit den früheren Teilen nicht mehr viel zu tun. Survival-Horror-Fans der alten Schule müssen sich deswegen anderswo umschauen, um authentischer bedient zu werden.
Wie praktisch also, dass jede Menge Entwickler aus aller Welt ebenso auf den alten Shit stehen und ihrer Leidenschaft mit der Umsetzung richtig cooler Oldschool-Games frönen – und die bieten vorgerenderte Hintergründe, Tank Controls, ein eingeschränktes Inventar oder gleich alles zusammen. Wir zeigen euch die besten modernen Survival-Horror-Spiele für PC und Konsolen!
Unser Survival-Horror-Liebling: Signalis

Ästhetisch bedienen sich die meisten modernen Retro-Games bei den Pixeln der 8- und 16-Bit-Ära. Doch hin und wieder zitieren nostalgische Indie-Entwickler auch die klotzigen Spiele der PlayStation. Dorthin hätte auch „Signalis“ vom deutschen Studio Rose-Engine gut gepasst. Der wunderbar kantige und bewusst unscharfe Look des Survival-Horror-Titels schafft die passende Stimmung für düstere Science-Fiction der schaurigen Art.
Aus der Top-Down-Perspektive erkundet ihr als Android eine verlassene Erziehungsanstalt im All. Während euch in langsamen, aber fordernden Kämpfen mordlustige Kollegen mit Kurzschluss an die künstliche Gurgel wollen, löst ihr allerorts klassische Puzzles. Die sind zwar gerne mal kryptisch, aber selten von der Stange.
So entdeckt ihr etwa unter einem Röntgengerät eine versteckte Schlüsselsignatur und brennt anschließend die dazugehörige Keycard via Rohling am PC. Oder ein futuristisches Radio spuckt euch bei korrekter Frequenz die Kombination für einen Wandsafe aus.
Währenddessen erinnert die bliepende Raumstation an „System Shock“ und ihre bedrohlichen Bewohner ans „Resident Evil“-Remake: Viele der fiesen Viecher stehen nämlich urplötzlich wieder auf, wenn ihr sie nicht rechtzeitig mit einer Plasmafackel verbrennt. Gut getextete Dokumente und charmant inszenierte Flashbacks aus der Ego-Perspektive erzählen obendrein eine spannende Geschichte voller Weird-Fiction-Zitate.
Crow Country

„Crow Country“ zählt zu den charmantesten neuen Survival-Horror-Spielen, was vor allem dem ungewöhnlichen Look geschuldet ist: Das Indiegame sieht mit seinem isometrisch-klotzigen Stil aus wie ein frühes PSX-Game. Aber auch das Game dahinter ist klasse.
Als Ermittlerin erkundet ihr einen düsteren Vergnügungspark, um dem Verschwinden seines Gründers auf die Spur zu gehen. Neben überraschend gelungenen Puzzles rocken dabei auch die vergleichsweise einsteigerfreundlichen Kämpfe gegen morbide Animatronics-Gegner. Aber Achtung: Auf eure Ressourcen müsst ihr trotzdem achten!
Fear the Spotlight

Sucht ihr nach einer wirklich frischen Survival-Horror-Erfahrung, legen wir euch das kurze, aber sehr gelungene „Fear the Spotlight“ ans Herz. Der erste Blumhouse-Games-Titel ist mit seinem seichten Stealth-Gameplay zwar keine große Herausforderung, lockt dabei aber mit einem bewusst schlichten, wunderschönen Look und einer tollen wie spannenden Story.
Nach einem fehlgeschlagenen okkulten Ritual geht eure beste Freundin (oder vielleicht mehr) in einer finsteren Highschool verloren. Auf der Suche nach ihr löst ihr einfache, aber coole Puzzles und geht einem untötbaren Scheinwerfer-Gegner aus dem Weg.
Tormented Souls 2

Anstatt wie viele Titel den Stil der Oldies zu simulieren, greift die „Tormented Souls“-Reihe auf eine zeitgemäße Optik zurück. Unter der knackscharfen Schale jedoch steckt ein authentisches Spiel: In einem stockfinsteren Kloster suchen wir in Teil 2 etwa unsere von einem Nonnenkult entführte Schwester, lösen komplexe Rätsel und schießen mit Dampfdruck-Nagelwaffen auf widerliche Kreaturen.
Ständiger Ressourcenmangel ist dabei natürlich ebenso unser Begleiter wie Angst und Stress. Ohnehin macht der umfangreiche Indiegrusel einen großen Schritt nach vorne: So rocken vor allem deutlich abwechslungsreichere Umgebungen wie ein verwahrloster Friedhof oder eine verlassene Schule.
Ground Zero

„Ground Zero“ ist ein extrem gelungener Retro-Horror-Kracher im coolen Setting: Trotz schwedischem Entwickler spielt die „Resident Evil“-Hommage nämlich im postapokalyptischem Südkorea. Nach einem Meteorabsturz ist dort die Hölle auf Erden losgebrochen und ihr ballert euch immer ressourcenbewusst durch Mutantenhorden.
Neben coolen Locations wie einem Vergnügungspark am Meer sowie dem Über-der-Hose-String der Protagonistin rockt dabei auch das Kampfsystem. Das involviert nämlich einen genialen Schusswaffenkonter, welcher den ohnehin knackigen Kämpfen noch mehr Taktik verpasst.
Hollowbody

Mögt ihr Psycho-Horror wie „Silent Hill“, solltet ihr euch „Hollowbody“ anschauen. Dort schlüpft ihr in die Haut von Schmugglerin Mica in einer düsteren Cyberpunk-Zukunft. Deren Partnerin Sasha ist in eine britische Sperrzone eingedrungen – ein verwüstetes Stadtgebiet, das nach einem Bioterror-Vorfall aufgegeben wurde. Als Sasha verschwindet, macht sich Mica auf die Suche nach ihr.
Das Horrorspiel ist mit etwa fünf Stunden zwar schnell durch, unterhält Genrefans in dieser Zeit aber lückenlos. Die Stimmung ist durch Style und Sound herrlich bedrückend und die kompakte Story nebst Mindfuck-Intro hält bei der Stange. Auch wenn Areale und Gegner keine wirklichen Überraschungen bieten und die Kämpfe manchmal nerven, willst du bis zum Ende wissen, was abgeht. Unseren Test zum Spiel lest ihr übrigens hier.
Conscript

Zuletzt übertrug „Ad Infinitum“ die Schrecken des Ersten Weltkrieges ins Videospiel. „Conscript“ fokussiert jedoch nicht Psychogrusel aus der Ego-Perspektive, sondern ganz klassischen Survival-Horror: Von oben blickt ihr in die düsteren Bunker und Schützengräben bei Verdun und geleitet einen französischen Soldaten durch die Finsternis Frankreichs. Während ihr die verzweigten Maps auf Ressourcen und Puzzle-Items schröpft, lauert der böse Boche hinter jeder Ecke.
Die Kämpfe sind durch sparsame Munition und das langsame Zielen richtig heftig, sodass Neulinge einen niedrigen Schwierigkeitsgrad wählen. Parallel winken mysteriöse Flashbacks in die vormals vermeintlich heile Welt und eine ebenso eigenartige Story in der Gegenwart des Krieges. So ist „Conscript“ ein gelungener und vor allem spannender Genrebeitrag.
Sorry, We're Closed

„Sorry, We're Closed“ ist ein herrlich durchgeknallter Survival-Horror-Trip, der klassische PSX-Ästhetik mit knalligen Neonfarben und einem ungewöhnlichen Kampfsystem verbindet. Als Michelle bleibt euch nach einem Fluch durch einen liebeskranken Erzdämon nur wenig Zeit, um euer Schicksal zu ändern. Dafür erkundet ihr ein Londoner Viertel, helft oder schadet seinen skurrilen Bewohnern und wechselt mithilfe eures „Dritten Auges“ zwischen der normalen und der dämonischen Welt.
Neben klassischen Rätseln sorgen vor allem die abgefahrenen Dämonenkämpfe für Abwechslung: Per First-Person-Visier müsst ihr wie in „Killer 7“ die Schwachpunkte der Gegner treffen. Je nachdem, wie ihr euch im Umgang mit den Bewohnern entscheidet, warten zudem unterschiedliche Enden auf euch
Post Trauma

Bei seiner Ankündigung stach „Post Trauma“ vor allem durch den Protagonisten hervor – einen untersetzten alten Mann mit verfilztem Bart. Doch zum Glück ist das Survival-Horror-Spiel mehr als sein PR-Gag: Bereits beim U-Bahn-Einstieg denken wir unweigerlich an „Silent Hill 3“, während die schicke Optik mit ihrem betörenden Farbspiel an neuere Bloober-Team-Titel erinnert. Von da an spielt ihr dann einen vorwiegend ruhigen Genrevertreter mit starkem Puzzlefokus und gelegentlichen Kämpfen.
Die Rätsel sind zwar gerne kryptisch und die Action durch zu wenige Gegnertypen eher mau, dafür stimmen Atmosphäre und Gesamtinszenierung: Wenn euch aus dunklen Ecken riesige Augen anglotzen oder in roten Räumen die Telefone klingeln, kommt trotz schlichter Story durchaus die surreale Spannung der großen Vorbilder auf.
Heartworm

Unsere letzte Empfehlung „Heartworm“ ist genau das Richtige für alle, die sich nach einem waschechten PS1-Survival-Horror sehnen. Das Indiegame sieht mit seinen Low-Res-Texturen, festen Kameraperspektiven und optionalen Tank Controls tatsächlich so aus, als wäre es direkt aus den späten 90ern entsprungen. Als Sam folgt ihr den Spuren ihres verstorbenen Großvaters und landet über ein mysteriöses Internetforum bei einem abgelegenen Haus in den Bergen, dem eine Verbindung zum Jenseits nachgesagt wird.
Zwischen düsteren Erinnerungen, surrealen Schauplätzen und klassischen Rätseln müsst ihr dabei vor allem mit eurer Kamera ums Überleben kämpfen. Wenig Munition und eine beklemmende, psychologische Geschichte sorgen dafür, dass sich „Heartworm“ trotz der nostalgischen Optik erstaunlich frisch anfühlt.
Kommender Survival-Horror-Tipp: Silent Hill Townfall

Du willst den Survival-Horror-GOAT? Dann wende dich wie immer vertrauensvoll an die Silent-Hill-Reihe. Die ist dank Konami mit wirklich guten Titeln wieder voll im Aufschwung! Nach dem exzellenten „Silent Hill 2“ und dem ungewöhnlichen „Silent Hill f“ folgt nun am 24. September 2026 „Silent Hill Townfall“.
Der dieses Mal in Schottland spielende Ableger hebt sich allein durch die Perspektive heftig von den anderen Teilen ab: Ihr verfolgt das Geschehen nämlich aus der Egosicht. In „Townfall“ schwemmt es den amnesischen Simon an die Küste von St. Amelia, wo er die üblichen Rätsel löst und schnell in den psychologischen Horror stürzt.
Statt viel Geballer winkt vor allem Stealth, denn den deformierten Humanoiden geht ihr mit einem coolen Device aus dem Weg. Über ein analoges Radio mit Bildschirm (das aber auch in den Puzzles zum Einsatz kommt) seht ihr Gegner durch Wände und speichert sogar deren Frequenzen, damit ihr sie immer im Blick habt – „Forbidden Siren“ lässt grüßen.

Sowieso stehen wir voll auf den 90er-Stil dieses neuen Teiles. „Silent Hill Townfall“ sieht auch im aktuellen Gameplay grandios aus und die fiktive schottische Kleinstadt ist detailgenau recherchiert und wiedergegeben. Wir freuen uns drauf!
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