Hollowbody im Test: Retro-Horror für Silent-Hill-Fans
Eindeutiger als „Hollowbody“ kann man sich nicht vor „Silent Hill“ verbeugen: Das Indie-Survival-Horror-Spiel erzeugt mit kleinen Mitteln eine große Wirkung.
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Es ist eine gute Zeit für „Silent Hill“-Fans: So erscheinen nach langer Dürre unter verschiedenen Flaggen immer neue Spiele der beliebten Survival-Horror-Reihe – darunter das geniale Remake von Teil 2 oder das durchgeknallte Spin-off „Silent Hill f“.
Bis zum neuen Teil „Townfall“ ist es aber noch etwas hin: Das dieses Mal in Schottland spielende Horrorgame aus der Ego-Perspektive kommt erst Ende September. Bis dahin auf dem Trockenen sitzen Genrefans aber mitnichten – denn es gibt jede Menge Alternativen.
Vor allem im Retrosegment wirst du dabei fündig: Grusler wie „Signalis“ oder das kürzlich erschienene „Crow Country“ sorgen mit authentischem Nostalgie-Look und knallhartem Gameplay für richtig Stimmung.
In genau diese Kerbe schlägt auch die „Silent Hill“-Hommage „Hollowbody“. Auf Steam schon lange erhältlich, ist das charmante Spiel von Ein-Mann-Entwickler Nathan Hamley gerade auch für Konsolen draußen – und wir haben es uns angeschaut!
Worum geht's in Hollowbody?
In „Hollowbody“ schlüpfst du in die Haut von Mica, einer Schmugglerin in einer düsteren Cyberpunk-Zukunft. Deren Partnerin Sasha ist in eine verlassene britische Sperrzone eingedrungen – ein verwüstetes Stadtgebiet, das nach einem Bioterror-Vorfall (Resi lässt grüßen) aufgegeben wurde. Als Sasha verschwindet, macht sich Mica auf die Suche nach ihr.
Auf dem Weg stürzt Micas Fluggerät jedoch in der Sperrzone ab. Nun sitzt sie fest in einer verlassenen Stadt voller grässlicher Kreaturen, verstörender Hinweise und (vorerst) unerklärlicher Ereignisse. Auf der Suche nach Sasha deckst du nach und nach die dunklen Geheimnisse der Zone auf.

Kompakte Technik, große Wirkung
Schon allein durch die bewusst altbackene (aber stiltreue) Technik kommt eine einzigartige Atmosphäre auf: Während Titel wie „Crow Country“ im besonders klobigen PSX-Stil gehalten sind, schielt „Hollowbody“ klar Richtung PlayStation 2 – der Konsole mit den vermutlich meisten Survival-Horror-Games.
Dort ist die Grafik etwas schärfer, aber immer noch wunderschön klotzig, während die Animationen flüssig genug für eine Spielbarkeit euch heutzutage programmiert sind. Obendrein legen Headware Games einen stylishen Filter übers Geschehen, sodass „Hollowbody“ trotz Simpelgrafik schick genug aussieht.

Überall stößt du außerdem auf die verstümmelten oder verbrannten Leichen der ehemaligen Stadtbewohner. Extrabedrückung entsteht dabei durch eine pfiffige Echtzeiteinblendung persönlicher Daten, sobald du dich den Toten näherst – denn durch Namen, Todeszeitpunkt und Ursache sind sie nicht nur leere Hüllen.
Diese Art Storytelling lässt uns (in Verbindung mit dem ruinösen Sci-Fi-Setting) etwas an „Cronos: The New Dawn“ denken. Auch der Soundtrack trifft den Nagel auf den Kopf: Schritte knarzen auf den Trümmern der Stadt, Schüsse hallen durch die Gänge und der Score aus Ambient und Industrial erinnert stark an den ersten Teil von „Silent Hill“.

Simple, aber unterhaltsame Rätsel
Während du die leicht geöffneten, aber im Schnitt linearen Areale erkundest (einen Apartmentkomplex, die Straßen der Stadt, den Park und die U-Bahn), löst du regelmäßig kleinere Rätsel. Die sind keine Kopfnüsse, sondern bringen lediglich Abwechslung ins Spiel.
Mal entzündest du mit einem zuvor gefundenen Zippo sowie Alkohol ein Fass, um den Feuermelder auszulösen (warum, verraten wir an dieser Stelle nicht), mal zählst du auf dem Friedhof erleuchtete Gräber, um entsprechend Kerzen zu entzünden, damit sich eine geheime Passage in der Kirche öffnet.
Die Puzzles sind insgesamt aber bei Weitem nicht so wichtig wie im großen Vorbild – im Zentrum von „Hollowbody“ steht nicht das Fordern deines Hirnschmalzes, sondern ganz klar die Atmosphäre. Diese schwenkt dann übrigens von leichter Unruhe zu echter Spannung um, wenn du mal auf Gegner triffst.

Schlichte Kämpfe mit Tendenz zum Frust
Denn klar: Survival-Horror-Games ohne Gegner gibt es quasi nicht. Und auch in „Hollowbody“ zückst du Pistole, Schrotflinte oder eine Schlagwaffe deiner Wahl gegen allerlei Monstrositäten. Diese sind hier aber etwas von der Stange und nicht besonders originell. Zombieartige Mutanten, größere Tentakelwesen, bluthungrige Hunde – das war es auch schon.
In engen Gängen nutzt ihr optional den Lock-on, damit die Treffer auch sitzen, auf offenem Felde macht ihr lieber einen großen Bogen – denn wie immer sind Munition und Heil-Items rar gesät. Die Action ist aber ähnlich wie die Puzzles eher zweckmäßig und kann auch mal frusten.
Erwischt dich etwa zum hundertsten Mal eine Töle im Lauf, weil die Steuerung hakelt und die Kugel nicht ins Ziel erreicht, denkst du eher im negativen Sinne an die „gute“ alte Zeit. Insgesamt hält sich der Frust aber in Grenzen, denn der Feind überrennt dich in der Masse nicht wie in vielen Konkurrenzspielen.

Mysteriöse Story und unangenehme Gefühle
Und eigentlich geht es in diesem psychologischen Horrorspiel um etwas ganz anderes: Um persönliches Trauma und verdrängte Erinnerungen vor einer bedrückenden Kulisse – ähnlich wie in der Vorlage eben.
Während du nach und nach über Notizen und Radio-Botschaften die tragischen Umstände der Katastrophe aufdeckst, geben Flashbacks zwischen den Kapiteln kleine Einblicke in die Geschichte der Protagonistin – die sich als nicht weniger dramatisch entpuppt.
Die Story kulminiert übrigens in drei verschiedenen freischaltbaren Enden – von denen eines „Silent Hill“-Fans ganz besonders gut kennen sollten. Und hast du „Hollowbody“ durch, winken mächtige Items und ein knallharter Schwierigkeitsgrad für Genre-Veteranen. So erhält das ambitionierte Ein-Mann-Produkt auch nach dem viel zu schnell erreichten Ende(n) noch einen gewissen Wiederspielwert.

Fazit Hollowbody: So hat es uns gefallen
Magst du Low-Poly-Horror wie „Ground Zero“ (und natürlich „Silent Hill“), solltest du dir „Hollowbody“ einmal anschauen. Das Retro-Horrorspiel ist mit etwa fünf Stunden zwar schnell durch, unterhält Genrefans in dieser Zeit aber lückenlos. Die Stimmung ist durch Style und Sound herrlich bedrückend und die kleine, aber feine Story nebst Mindfuck-Intro hält bei der Stange. Auch wenn Areale und Gegner keine wirklichen Überraschungen bieten und die Kämpfe manchmal nerven, willst du bis zum Ende wissen, was abgeht.






