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„Zurück in die Zukunft – Das Musical“: Film-Nerds willkommen! Interview mit Jan Kersjes

Über 100-mal hat Musical-Star Jan Kersjes „Zurück in die Zukunft“ bereits gesehen. Was die Musicalversion des Kultfilms so besonders macht, verrät er im Interview.

Raphael Groß und Jan Kersjes vor dem DeLorean.
Jan Kersjes musste gleich mehrere verschiedene Doc-Brown-Perücken anprobieren. Foto: Morris Mac Matzen / Stage Entertainment

Wenn in der deutschen Musicallandschaft eine humorvolle Rolle besetzt werden muss, dann denken nicht nur Fans, sondern auch das Kreativteam von Stage Entertainment an Jan Kersjes. Ob nun King George in „Hamilton“, Olaf in „Die Eiskönigin“ oder Timon in „Der König der Löwen“ – Kersjes begeistert das Publikum und sorgt für Lacher im ganzen Saal.

Somit überrascht es wenig, dass sein Name schnell die Runde machte, als es um die Idealbesetzung für Doc Brown in „Zurück in die Zukunft – Das Musical“ ging. Seit November 2025 steht auch ganz offiziell fest, dass Jan Kersjes gemeinsam mit Raphael Groß als Marty McFly in der deutschen Version in den DeLorean steigen wird.

Was ihn an der Rolle gereizt hat, warum das Musical auch für Filmfans funktioniert und welche Facetten Doc Brown auf der Bühne zeigen kann, verriet uns Jan Kersjes nach der Cast-Bekanntgabe im Interview.

TV Movie: Im „Zurück in die Zukunft“-Musical ist Marty fast durchgehend auf der Bühne und führt durch die Handlung, während Doc Brown auch mal verschwindet. Wenn er dann aber auftaucht, ist er das komödiantische Highlight und aus dem Publikum denkt man sich: Was für eine spaßige Rolle! Doch wie geht es einem, wenn man diese Rolle bald selbst spielen muss? Siehst du da auch den Spaß oder eher all das, was von dir erwartet wird?

Jan Kersjes: Beides, würde ich sagen. Ich habe schon sehr das Gefühl, dass Doc Brown in der Handlung bleiben muss. Die lustigen, slapstickartigen Momente entstehen ja aus seiner Zuneigung zu Marty – weil er ihn so ins Herz geschlossen hat und unbedingt zurückbringen will. Daraus entsteht diese Panik, diese Überdrehtheit.

Es gibt ja auch Szenen, die wie improvisiert wirken – wo man denkt: „Okay, jetzt bleibt die Handlung kurz stehen, der Doc steckt gerade in einer Gedankenschleife.“ Oder das verrückte Brain vom Doc hat jetzt gerade wieder einen Kurzschluss und er rennt wie von der Tarantel gestochen im Kreis und ruft: „1,21 Gigawatt!“ – das ist natürlich komisch.

Aber beim Spielen muss das für mich trotzdem echt sein. Ich brauche diese emotionale Anbindung zur Figur. Das fand ich auch beim Londoner Darsteller sehr stark – diese Glaubwürdigkeit im Moment. Und ja, man merkt diese Balance: Wenn der Doc auftaucht, wird es lauter, schneller, turbulenter – aber der rote Faden bleibt diese Freundschaft zwischen Doc und Marty, dieses gemeinsame Forschen, das Lösen einer vertrackten Situation. Sie sind ja permanent in einer Notsituation – da kommen dann immer wieder diese kleinen Panikattacken, die man auch wirklich nachvollziehen kann.

Ich kenne das vom Spielen: Wenn die innere Verbindung zur Geschichte da ist, dann wird selbst das Laut- und Wildwerden – diese Comedy, dieser Slapstick – viel natürlicher und weniger anstrengend. Und das ist wichtig, gerade wenn man acht Shows pro Woche spielt. „Zurück in die Zukunft“ spiele ich ja noch nicht, aber ich dachte gestern: Das ist schon heftig. Man muss wahnsinnig viel rennen, immer in dieser Dauer-Alarmstimmung bleiben – das ist körperlich echt fordernd.

TV Movie: Im Musical hat Doc Brown ja auch einen Song [„For the Dreamers“], der deutlich ernster und ruhiger ist. Du kommst von Rollen wie King George, Olaf oder Timon – alles sehr comedylastige Figuren. Jetzt gibt’s diesen Moment, in dem man Doc ganz anders erlebt. Wie empfindest du das?

Jan Kersjes: Ich finde das sehr berührend. Eine wunderschöne Farbe! Auch im Film spürt man ja, dass Doc ein Träumer ist – wenn man ihn in seinem Labor in den 50ern sieht, mit all den Erfindungen. Der DeLorean ist das Erste, was wirklich funktioniert. Das steckt da alles drin.

Und dieser Song im Musical – der ist einfach unglaublich schön geschrieben. Ich musste gestern an Clowns denken: Ein Clown hat immer etwas Trauriges, ein großes Herz, eine gewisse Artistik. Ich habe selbst als Clown gearbeitet – für mich hängt das zusammen. Comedy funktioniert umso besser, wenn sie aus etwas Echtem, Herzlichkeit kommt. Das hat mich gestern sehr inspiriert.

Der Doc bricht ja auch ein paar Mal die vierte Wand, spricht direkt mit dem Publikum – das geht im Theater natürlich viel stärker als im Film. Dadurch entsteht Nähe. Er ist nicht nur dieser verrückte Professor mit den lustigen Haaren, sondern jemand, in dem man auch etwas von sich selbst erkennt.

Meine eigene Initialzündung fürs Theater kam übrigens, als ich mit 13 in Duisburg Les Misérables gesehen habe. Ich fand dieses Zusammenspiel aus großem Apparat, Musik, Tanz – und gleichzeitig dieser emotionalen Tiefe – überwältigend.

Das war für mich wirklich der Moment, in dem ich wusste: Ich will auf die Bühne. Ich saß da mit meinem Vater und Großvater – beide haben geweint. So etwas hatte ich nie erlebt. Diese geteilte Emotion im Publikum, dieses Mitfühlen – das war für mich ein Geschenk. Da dachte ich: Das will ich auch schenken können, von der Bühne aus.

Deshalb war das für mich von Anfang an mit etwas Dramatischem verbunden – mit Herz, Tiefe, manchmal auch Stille. Natürlich bin ich später ins Comedyfach gerutscht – Sidekicks, Clownsfiguren –, aber diese Sehnsucht, mal etwas Ruhiges, Emotionales zu singen, ist geblieben. Ich freue mich sehr darauf, das mit Doc Brown nun zu tun.

TV Movie: Du bist ja selbst Fan von „Zurück in die Zukunft“. Das Musical gibt einem die bekannten Szenen, aber auch einige Änderungen und neue Gags. Wie siehst du das – als Fan und als Darsteller?

Jan Kersjes: Sehr gute Frage. Wenn du mich gestern gefragt hättest, bevor ich die Show noch einmal gesehen habe, hätte ich anders geantwortet. Ich hatte gestern einen Lerneffekt – der wurde heute auch durch [Drehbuch- und Musicalautor] Bob Gale bestätigt, mit dem ich sprechen durfte.

Ich kenne den Film in- und auswendig, liebe ihn – auch in der deutschen Fassung. Als ich das Musical das erste Mal sah, war der kleine Nerd in mir genervt: „Warum schaut George Lorraine nicht etwas länger an, nachdem er Biff geschlagen hat?“ Da habe ich mir dann richtig blöd den eigenen Genuss versaut.

Aber gestern hat es dann Klick gemacht: Lass los! Den Film hast du zu Hause auf DVD, er läuft auf Streamingdiensten, du kannst ihn dir immer wieder anschauen. Der Film bleibt für immer und da kann George Lorraine ruhig länger angucken. Aber auf der Bühne erlebt man es noch einmal ganz neu!

Bob Gale sagte mir heute auch: „Der Film bleibt. Aber das Musical ist ebenfalls das Original – wir, die Macher, haben es selbst geschrieben.“ Und das merkt man. Es sind dieselben Figuren, Kostüme, Ideen – aber live entsteht eben eine andere Energie. Doc kann direkt mit dem Publikum spielen, man erlebt die Geschichte neu.

Und genau das ist das Schöne: Dieses Gefühl, das man hatte, als man Zurück in die Zukunft das erste Mal gesehen hat – das kann man im Musical noch einmal spüren. Das macht es so besonders.

TV Movie: Vielen Dank für das Gespräch.

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