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Top oder Bob?

Wie „Hot Fuzz“ – nur mit Schnurrbart: Kritik zu „Normal“ mit Bob Odenkirk

Was passiert, wenn man Bob Odenkirk einen normalen Film schreiben lässt? Genau, man bekommt einen der spaßigsten Actionfilme der letzten Jahre …

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Video: LEONINE Studios

Bob Odenkirk versucht mehr und mehr, zum B-Movie-Action-Star zu avancieren, und hat Genre-Kollegen wie Jason Statham und Gerard Butler immerhin voraus, dass seine Filme eine gewisse Qualität mitbringen. So auch „Normal“, der herrlich verspielt Genre-Klassiker wie „Anschlag bei Nacht“ (1976) und „Hot Fuzz“ (2007) miteinander verschmilzt.

„Normal“: Worum geht es in dem Bob-Odenkirk-Actionfilm?

Bob Odenkirk steht im Film „Normal“ als Sheriff mit erhobenen Wänden vor einem verschneiten Parkplatz.
Hände hoch und ab ins Kino: „Normal“ mit Bob Odenkirk ist ein absolutes Kino-Highlight. Foto: Leonine

Ulysses (Bob Odenkirk) hat sich als Aushilfssheriff in die idyllische Kleinstadt „Normal“ versetzen lassen. Dort ist vor Kurzem der eigentliche Sheriff gestorben, und nun muss Ulysses für einige Wochen die Stellung halten, bis ein neuer gewählt wurde. Und so lässt er die Tage ins Land ziehen und lernt langsam die Bewohnerinnen und Bewohner der verschlafenen Kleinstadt kennen.

Doch der langweilige Alltag ändert sich eines Tages, als ein Banküberfall stattfindet. Prompt will Ulysses mit den beiden Räubern über die Geiselnahme verhandeln, aber als er versucht, die Bank zu betreten, schießen seine Kollegen plötzlich auf ihn. Er bleibt angeschossen zurück – und mit vielen offenen Fragen: Wieso hat sich Normal gegen ihn verschworen? Wie entkommt er dieser unvorteilhaften Situation? Und warum ist der Tresor der Bank voller Goldbarren und Waffen?

Jenseits von „Normal“: Wie normal kann Bob Odenkirk eigentlich sein?

Bob Odenkirk ist gewissermaßen ein Phänomen. Blickt man auf die Karriere des Mannes zurück, fällt auf, dass er sich in etlichen Feldern verdingt hat: sei es als Comedy-Autor für „Saturday Night Live“, als tragisch-komischer Darsteller in „Breaking Bad“ und „Better Call Saul“ oder nun als lakonischer, aber dennoch schmunzelerregender Actionheld der zweiten Reihe. Durch all seine Projekte zieht sich ein gewisser Hang zur Comedy – und genau das zeichnet den 63-Jährigen aus.

Denn wer von „Normal“ einen reinen Thriller erwartet, wird schnell enttäuscht. Bob Odenkirk, der auch am Drehbuch mitgeschrieben hat, verleiht dem Film seine ganz eigene Note. Und die besagt nun einmal – zumindest, wenn man Odenkirk schon länger verfolgt –, dass selbst in der rauesten Situation Platz für Humor ist. Hier gibt es nach einem Shootout selbstgemachten Kuchen, es wird mit Dynamit geworfen und vor allem gibt man sich Mühe, die Kills so spaßig wie möglich zu inszenieren. Bob Odenkirk ist eine Bereicherung selbst für schwächste Stoffe und sollte an jedem langweiligen Actionskript herumzudoktern – in der Hoffnung, dass dabei jede Prise Spaß herausgequetscht werden kann.

Action à la Odenkirk: Abgeschossene Ohren und multifunktionale Stricknadeln

Sobald Ulysses beim Banküberfall angeschossen wird, legt „Normal“ los und mutiert dabei zum verbotenen Liebeskind von „Anschlag bei Nacht“ und den letzten zwanzig Minuten „Hot Fuzz“. Sprich: Es werden keine Gefangenen gemacht – und wenn keine Gefangenen gemacht werden, kann man wenigstens Spaß daran haben, diese auszuschalten.

Dafür wird in der Kleinstadt Normal alles zur Waffe, was normalerweise ein gewöhnlicher Haushaltsgegenstand wäre. Stricknadeln, Gartenwerkzeuge, Wassereimer, Fleischhämmer, Goldbarren – nichts ist den Charakteren in diesem Film heilig und wird blitzartig zur Waffe auserkoren.

Dabei ist der Film zwar nie so visuell gelungen wie Odenkirks anderer Genrevertreter „Nobody“, aber der Blizzard, der über die Stadt fegt, sorgt für genügend Atmosphäre, um darüber hinwegzusehen, dass die Action hier und dort etwas besser inszeniert sein könnte.

Einmal durchatmen bitte – aber nicht zu lang

Das einzige Problem, das „Normal“ mitbringt, ist ein ganz normales in der Unterhaltungsindustrie: Das Pacing bringt den Film stellenweise zum Erliegen. Der Streifen weiß zwar, wo er hinwill, und bringt einem auch „Hot Fuzz“-esque alle relevanten Charaktere und Schauplätze näher, aber in „Hot Fuzz“ zieht man daraus Humor und versucht nicht nebenbei noch ein Kleinstadtdrama zu erzählen.

Denn bis zum Banküberfall ist man sich als Zuschauer oder Zuschauerin unsicher, wohin der Film eigentlich will. Die Charaktere rund um Ulysses sind alle interessant, werden aber derartig in die dramatische Schiene gedrückt, dass man schon fast überrascht ist, wenn der Film plötzlich zum Actionvehikel wird – zumindest, wenn man keinen Trailer gesehen hat.

In dieser Hinsicht hätte es dem Film noch einmal gutgetan, wenn man das Drehbuch überarbeitet hätte, damit die Art und Weise, wie die Handlung voranschreitet, weniger schleppend wirkt.

Ode an Odenkirk: Der normale Actionheld in „Normal“

Bob Odenkirk muss um jeden Preis beschützt werden – allein schon, damit er noch mehr Actionfilme aus der zweiten Reihe drehen kann. Und haargenau für all jene ist auch „Normal“ gemacht. Wer B-Movies und Bob Odenkirk mag, sollte auf seine oder ihre Kosten kommen – auch wenn Fans brutaler Action mit „Kill Bill: The Whole Bloody Affair“ diese Woche mehr auf ihre Kosten kommen dürften.

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