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Möhring? More like boring.

„Tatort“ heute: Vorschau auf den Weihnachtsfall „Ein guter Tag“

Normalerweise sind die Weihnachtsfälle des „Tatort“ eher alberner Natur, aber dieses Jahr ist alles etwas anders: Nicht nur, dass es inhaltlich ernst wird – es werden zwei Fälle gezeigt …

Wotan Wilke Möhring und Denis Moschitto blicken auf einem Firmengelände traurig in die Ferne.
Ein düsterer Blick in die Zukunft: Selbst Denis Moschitto und Wotan Wilke Möhring können bei der „Tatort“-Doppelfolge das Ruder nicht rumreißen. Foto: NDR/Georges Pauly

Was sich für manch einen, wie der schlimmste Albtraum anhören mag, ist für alle „Tatort“-Fans eine Wonne: Die ARD zeigt dieses Jahr am 21. Dezember nicht nur einen „Tatort“, sondern gleich zwei. Ein Novum, denn es wurde noch nie eine Doppelfolge am selben Abend gezeigt. Diese großen Ambitionen werden noch durch Starpower aufgewertet, denn neben Wotan Wilke Möhring bekommt man auch Denis Moschitto zu Gesicht – in ihrem ersten gemeinsamen Fall. Da der erste Fall der Doppelfolge, namentlich „Ein guter Tag“ beim Hamburger Filmfest Premiere gefeiert hat, können wir bereits verraten, ob es sich lohnen wird, für diesen Prime-Time-Krimi einzuschalten …

„Ein guter Tag“: Davon handelt der „Tatort“

Auf einem Campingplatz an der deutsch-niederländischen Grenze entdecken zwei Kinder einen namensgebenden Tatort. Augenscheinlich hat es dort ein Handgemenge gegeben und das Einzige, was zurückgeblieben ist, ist ein Handy. Prompt wird Kriminalhauptkommissar Thorsten Falkner (Wotan Wilke Möhring) damit beauftragt herauszufinden, warum der deutsche Staatsbürger, dem das Handy gehört, entführt wurde. Als assistierender Ermittler wird ihm Cyber-Kriminalist Mario Schmitt (Denis Moschitto) an die Seite gestellt. Zuletzt gesellt sich noch die niederländische Ermittlerin Lynn de Baer (Gaite Jansen) dazu, um dem Fall auf den Grund zu gehen. Dabei findet das Trio allerlei Geheimnisse heraus, sieht sich mit der niederländischen Mafia konfrontiert und entdeckt, dass sie von Dienstseite vielleicht aus ganz anderen Gründen losgeschickt wurden …

„Ein guter Tag“: So viel mehr – und doch zu wenig

Vorab sei gesagt: Einen „Tatort“ in einem Kinosaal mit Publikum zu sehen, ist ein augenöffnendes Erlebnis. Während ich jede Woche aufs Neue dasitze und mich frage, ob Leute das, was sie im „Tatort“ sehen, wirklich mögen, scheint der Rest des Landes mit dem Durchschnitt, den sie aufgeboten bekommen, mehr als glücklich zu sein. Die Publikumreaktionen von „Ein guter Tag“ haben auf jeden Fall bewiesen, dass es eine Zielgruppe für diese doch eher öden „Tatort“-Fälle gibt – das Lachen und Klatschen im Saal war das zielführende Indiz.

„Tatort“: Star-Allüren dank Rundfunkgebühren

„Ein guter Tag“ ist ein teurer Fall – auf jeden Fall produktionstechnisch, denn hier gibt es alles: Autoverfolgungsjagden, Explosionen, Schusswechsel … Pizza. Aber all diese Dinge sind leider enttäuschend ausgeführt – mit Ausnahme der Pizza. In der Produktion hatte man die falsche Annahme, dass man einen dreistündigen „Tatort“ mit so viel Hollywood-Anleihen wie möglich füllen sollte. Daraus ergibt sich aber ein Fall, der von der Handlung her absolut überladen ist und kontinuierlich nur auf Schauwerte setzt. Erwartbar, aber dennoch enttäuschend.

Möhring & Moschitto: Ein dynamisches Duo

Eher unerwartet und überraschend war hingegen die Chemie zwischen Wotan Wilke Möhring und Denis Moschitto. Es wird sich dem klassischsten Klischee der fiktiven Kriminalinhalte bedient: Zwei ungleiche Ermittler müssen zusammenarbeiten und daraus ergibt sich im besten Fall etwas zu lachen – so auch bei ein „Ein guter Tag“. Möhring und Moschitto hauen sich kontinuierlich – meist ungewollt – Sprüche um die Ohren, weil der forsche Falkner und der naive Nerd Mario zwei unterschiedliche Vorstellungen von Polizeiarbeit haben. Das sorgte nicht nur im Publikum für Gelächter, denn selbst ich, der den Humor des „Tatort“ überwiegend eher „cringe“ findet, musste, wenn auch nur vereinzelt, schmunzeln.

Hamburger „Tatort“ nur ein Durchschnittsdilemma

Es ist wirklich erschreckend, wie okay die Allgemeinheit mittlerweile mit dem Durchschnitt ist. Neben der mehr als durchschnittlichen Handlung ist auch die Inszenierung nicht wirklich überragend. Man bekommt zwar nicht die dröge Kameraführung, die man aus Dortmund gewohnt ist, aber so experimentell wie in Zürich oder Franken möchte man auch nicht sein. Eine kreative Inszenierung ist bei einem solchen Mammut-Projekt von „Tatort“ undenkbar, denn wer so viel Geld für einen „Tatort“ ausgibt, muss auf Nummer sichergehen, damit das Publikum zufrieden ist. Aber der Witz geht auf die Kosten der ARD, denn ich bin auch das Publikum und bin mit dem, was mir geboten wurde, keineswegs zufrieden.

Um ein konkretes Beispiel dafür zu geben, wie ermüdend durchschnittlich alles ist, möchte ich folgendes Beispiel liefern: „Ein guter Tag“ hat einen Cliffhanger, der alle Zusehenden dazu verleiten soll, sich nach Ende des ersten Falles direkt den zweiten anzusehen. Es gibt nur ein Problem … der Cliffhanger, ohne vorwegzunehmen, was passiert, ist nicht spannend genug, um weiteres Interesse zu kreieren – es sei denn, man hat in Feiertagsvorstimmung schon zwei bis drei Liter Glühwein sitzen.

„Ein guter Tag“: Aber auch ein guter Fall?

In einem Fall kann man auf jeden Fall für „Ein guter Tag“ eine Empfehlung aussprechen: Das ist der „Tatort“ für all jene, die Wotan Wilke Möhring schon einmal nackt sehen wollten. Die Frage, ob man einen Blick auf Möhrings Möhre erhaschen kann, ist auf jeden Fall stets spannender inszeniert als irgendetwas anderes in „Ein guter Tag“.

Darüber hinaus ist „Ein guter Tag“ aber nicht mehr als ein schauriger Blick in die Zukunft, denn wenn der letzte Batic und Leitmayr-Fall, der auch eine Doppelfolge sein wird, dieselbe Qualität mitbringt, dann stehen allen „Tatort“-Fans und all jenen, die Geld dafür bekommen, den „Tatort“ Woche für Woche zu kritisieren, dunkle Zeiten bevor – oder um das simpelste Wortspiel zu machen: „Ein schlechter Tag“ für alle „Tatort“-Fans.

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