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Kommt Zeit, kommt Rathgeber

„Tatort“ heute: Perfekt für Feinde der guten Unterhaltung – Kritik zum Franken Fall „Gottesgarten“

Wer schon immer mal ein vollends leeres Erlebnis an einem Sonntag haben wollte, dürfte mit dem „Tatort“ heute auf seine oder ihre Kosten kommen …

Voss und Rathgeber in blau-weißer Jacke sitzen auf Felsen vor einer weiten Hügellandschaft unter bewölktem Himmel.
Voss (Fabian Hinrichs) zeigt Rathgeber (Rosalie Thomass) was den Franken „Tatort“ ausmacht – allen voran Langeweile. Foto: BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Hendrik Heiden

Meine Damen und Herren, ich weiß nicht, ob ich langsam ausbrenne, zu viele „Tatort“-Episoden gesehen habe oder einfach zu jung für manche Dinge bin, aber die heutige Episode „Gottesgarten“ aus Franken sorgt für unfassbar viele Fragezeichen bei mir. Allen voran stellt sich mir aber eine Frage: Für wen ist der Krimi heute Abend produziert? Denn bei dem Wirrwarr dürfte niemand auf seine Kosten kommen.

„Gottesgarten“: Worum geht es im „Tatort“ heute?

Voss (Fabian Hinrichs) und seine neue Partnerin Rathgeber (Rosalie Thomass) müssen als ersten gemeinsamen Fall den Mord an einem Travestiekünstler in einem Stundenhotel lösen. Während man zu Beginn glaubt, dass einer der Freier schuldig sein könnte, offenbart sich im Laufe der Zeit, dass man keine Ahnung hat, wer der potenzielle Täter sein könnte. Vollends ratlos zieht es das Duo in die Heimat des Opfers – und sie hoffen, in den Eltern mögliche Tatmotive zu finden.

Wirr, whack, wertlos

Selbst die furchtbarsten „Tatort“-Episoden haben meist noch einen roten Faden oder ein funktionierendes Rahmenkonstrukt, welches durch die 90 Minuten trägt. Doch „Gottesgarten“ wirkt wie eine Aneinanderreihung von Umständen, die einfach nur passieren, damit sie passieren, um auf Krampf die Lauflänge zu füllen. Und hey, gewissermaßen kann ich das verstehen – es ist sicherlich keine dankbare Aufgabe, Folge 1344 des „Tatort“ zu schreiben. Aber die alte Grinsebacke Fabian Hinrichs reicht nicht aus, um einen Krimi zu erzählen.

Also erzählt man wild darauf los und am Ende fragt man sich, wie man überhaupt dort angekommen ist, wo man nun ist. Aus Panik heraus fängt man an, Ideen zu vermengen, und landet irgendwo zwischen Engagement für Travestiekünstler und Abrechnung mit Pädophilen. Ein wenig so, als hätte jemand vor einem Jahr auf den Kalender von Themen gesellschaftlicher Relevanz geschaut und gemerkt: „Hey, wenn wir das richtig timen, können wir auf dem Fahrwasser von „Primetime“ mitschwimmen.“ Aber mitschwimmen impliziert leider in den wenigsten Fällen, dass man sich ernsthaft Mühe gibt, weshalb man mit einem „Tatort“ der Ideen zurückbleibt – Ideen, die allerhöchstens in den letzten 15 Minuten zünden wollen.

Aller Einstand ist schwer – aber doch nicht so schwer, oder?

Immerhin ist man in Franken noch bescheiden. Statt den Einstands-„Tatort“ zu einer Doppelfolge wie die Kolleginnen aus Kiel zu verklären, wartet man hier mit 90 Minuten auf … ich möchte mir gar nicht ausmalen, wie diese schmale Geschichte auf doppelter Lauflänge ausgesehen hätte. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass weniger Zeit automatisch einen besseren Einstand macht.

Rosalie Thomass ist keine schlechte Schauspielerin, aber ihre Figur variiert zwischen zwei bis drei Charaktereigenschaften und Behauptungen der anderen Charaktere. So sagt ein Kollege der SpuSi, dass sie dafür sorge, dass Voss weniger steif sei. Aber erstens wirkte Voss zuvor nicht großartig steif und zweitens war er unter Ringelhahn (Dagmar Manzel) auch immer wieder entspannterer Natur.

Dementsprechend muss man auf härtere Mittel zurückgreifen, um die Zuschauerschaft von der Figur zu überzeugen, und hat eine Idee, die im wahrsten Sinne des Wortes geschossen kommt. Am Ende bleibt man mit Rathgeber zurück, die zwar existiert, aber tendenziell nur ein Versprechen ist. Ein Versprechen nach dem Motto: „Ja, jetzt ist jemand Neues da und wir werden diese Figur noch richtig beleuchten – nur nicht in der ersten Episode, denn wir haben jetzt schon keine Idee, was wir erzählen sollen.“ Wer hat jemals bestimmt, dass Mottos eingängig sein sollten?

Der kleinste gemeinsame Nenner der Unterhaltung

Ich weiß auch nicht recht, was in Franken los ist, aber mit der Ausnahme von „Hochamt für Toni“ habe ich bisher noch nie einen guten Fall rund um Voss gesehen. Bereits der letztjährige Saison-Auftakt „Ich sehe dich“ war derartig wirr, dass man sich allmählich fragen muss, ob das nicht zum Stil der Nürnberger „Tatort“-Fraktion verkommt.

Unter Anbetracht dieses Qualitätsmangels kann man sich glücklich schätzen, dass Voss und Rathgeber (und all jene, die vor ihr kamen) nur einmal im Jahr ermitteln dürfen. Und vielleicht – ganz vielleicht – nimmt man sich die Pause zwischen diesem und dem nächsten Fall zu Herzen und besinnt sich darauf, eine gute Geschichte rund um Voss und Rathgeber zu erzählen … so mit Anfang, Mitte und Ende (und Spannung, sofern es das Budget hergibt).

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