„Tatort“ heute: Nett gemeint, furchtbar umgesetzt – Kritik zum Kieler Fall „Borowski und das ewige Meer“
Die „Tatort“-Sommerpause schickt Borowski mit einer zweiten Wiederholung ins Rennen – und diese ist vollends fehlgeleitet sowie exorbitant beschämend.

Was braucht jede „Tatort“-Sommerpause? Genau, einen unerträglichen Fall, der den gelegentlichen Klamauk aus Münster noch normal wirken lässt. Die diesjährige Wiederholung, die diese Kriterien erfüllt, ist die Kieler-Episode „Borowski und das ewige Meer“, die zwar nette Ideen mitbringt, aber erneut beweist, dass Borowski seinem Hype nicht gerecht wird.
„Borowski und das ewige Meer“: Worum geht es im „Tatort“ heute?
Noch während Borowski (Axel Milberg) einen potenziellen Mörder im Fall einer Wasserleiche verhört, hat Sahin (Almila Bagriacik) bereits ein zweites Opfer gefunden. Schnell offenbart sich dem alteingesessenen Kommissar und seiner Kollegin, dass es sich hierbei vielleicht nicht um einen direkten Mord, sondern eher um sektenähnliche Anweisungen einer größenwahnsinnigen K(l)imaaktivistin (Milena Tscharntke) handelt.
Und während Sahin die digitalen Aspekte der Ermittlungen übernimmt, nimmt sich Borowski einer jungen Klimaaktivistin (Johanna Götting) an, in der Hoffnung, dass er sie und ihre Gruppe vom Freitod abhalten kann.
„Warum würde eine KI so etwas tun?“ Ja, warum eigentlich?
Während es genügend „Tatort“-Episoden gibt, die sich wie von einer KI geschrieben anfühlen, kann man „Borowski und das ewige Meer“ das nicht vorwerfen – denn sich einen solchen Quatsch auszudenken, bedarf rein menschlicher Gedankengänge.
Um das etwas mehr einzuordnen: Jedes „Tatort“-Team hat einen abgesteckten Rahmen, in dem es agieren kann. Eine Welt sowie Regeln, an die man sich hält. Während Faber und seine Bande sich stets in Selbstmitleid suhlen und sich in der Hinsicht treu bleiben, weiß man, dass Murot immer etwas präsentieren wird, das mit den „Tatort“-Konventionen bricht. Und bei Borowski erwartet man tendenziell einen Thriller, der aber nie zu absurde Züge annimmt.
Hier ist das aber anders: Man möchte über die Genregrenzen des Borowski-Kosmos hinaus und fängt dabei an, einen Plot zu erzählen, der nicht nur überhöht, sondern auch fehlgeleitet ist.
Ein Erziehungs-„Tatort“ – aber der absolut falschen Sorte
Immer wieder nutzt man beim „Tatort“ die Sendezeit, um Themen gesellschaftlicher oder politischer Relevanz anzusprechen. Im Falle von „Borowski und das ewige Meer“ möchte man auf die Gefahren von KI aufmerksam machen, nutzt als Grundlage dafür jedoch den Klimaaktivismus. Das Problem hierbei ist, dass eine ungelenke und einseitige Darstellung von Klimaaktivismus stattfindet, die dessen Anhänger und Anhängerinnen als leicht manipulierbare und größenwahnsinnige Individuen darstellt. Dass eine einseitige Darstellung solch politisch ambivalenter Themen gefährlich ist, muss man wohl kaum erwähnen.
Denn am Ende des Tages tragen öffentlich-rechtliche Sendeanstalten eine Verantwortung. Wenn man diese Verantwortung jedoch ignoriert und einen „Tatort“ mehrmals zur besten Sendezeit ins Rennen schickt, der Wasser auf die Mühlen aller Klimaleugner und Klimaleugnerinnen ist, dann hat man wirklich Mist gebaut.
Zwischen Talkshow und albernen Absurditäten: Weitere Probleme von „Borowski und das ewige Meer“
Und falls nun jemand anmerken möchte, dass die erzieherischen und politischen Aspekte dieses „Tatort“ rein subtiler Natur seien, muss angemerkt werden, dass der Fall gleich dreimal vollends Halt macht, um in nahezu Talkshow-esken Momenten Borowski in Dialoge rund um KI und Klimawandel zu zwingen. Spätestens dann, wenn Borowski mit einer KI in einem Fahrstuhl über Stromverbrauch und Mord diskutiert, weiß man, dass man wirklich die Spitze des Eisbergs der Absurditäten erreicht hat.
Als wäre das nicht genug, wirken viele der Dialoge im Präsidium so, als wären sie improvisiert – oder manche der Darsteller und Darstellerinnen vermochten es nicht, den Quatsch, der ihnen in den Mund gelegt wurde, besser aufzusagen. Vielleicht ist das aber auch immer wieder das Ergebnis eines ersten Drehbuchentwurfs, der niemals einem Feinschliff unterzogen wurde, denn so fühlt sich der Fall auf jeden Fall an.
Der alte Mann und die Mähr: „Borowski und das ewige Meer“ versagt auf allen Ebenen
Es gibt „Tatort“-Fälle, die derartig schlecht sind, dass nicht einmal manche guten Darstellerleistungen sowie solide Kameraarbeit davon ablenken können, dass man nur schlechte Unterhaltung zu bieten hat. Maßgeblich dafür darf „Borowski und das ewige Meer“ herhalten, der mit einem Drehbuch aufwartet, das so sehr von sich selbst überzeugt ist, dass nicht einmal die Idee aufkam, irgendeine der schwachsinnigen Entscheidungen zu überdenken.
Unter Anbetracht all dieser Punkte kann man regelrecht froh sein, dass Borowski nicht mehr ermittelt, denn so bleibt dem Publikum wenigstens Quatsch wie „Borowski und das ewige Meer“ erspart.







