„Tatort“ heute: „Fast and the Furious“ trifft auf „Die BMX-Bande“ – Kritik zum Fall „Sashimi Spezial“
Der Ludwigshafener „Tatort“ meldet sich mit „Sashimi Spezial“ zurück und erinnert an zahlreiche Filmvorbilder. Mutet dieser Umstand eher anbiedernd an oder versteckt sich hier ein gelungener Genre-Fall?

Der „Tatort“ aus Ludwigshafen spaltet des Öfteren die Geister. Viele tun die Geschichten als absoluten Quatsch ab, während manche die etwas absurderen Erzählungen zu schätzen wissen. Der neueste Fall „Sashimi Spezial“ passt perfekt in diese Denke. Grund genug, die Frage zu stellen: Was macht den Film so anders als die meisten „Tatort“-Fälle – und sollte der „Tatort“ überhaupt anders sein?
- „Sashimi Spezial“: Wovon handelt der „Tatort“ aus Ludwigshafen?
- Ein „Tatort“, der spalten wird: Die ambivalenten Probleme von „Sashimi Spezial“
- Dom Toretto lässt grüßen: „Sashimi Spezial“ erinnert an viele Filme
- Lieblos und leblos: „Sashimi Spezial“ sollte sich von seinen Vorbildern etwas abgucken
- „Sashimi Spezial“: Vielleicht keine 8 im Rad, aber eine 6 von 10 auf der Skala
„Sashimi Spezial“: Wovon handelt der „Tatort“ aus Ludwigshafen?
Ein Fahrradkurier stürmt in die Polizeiwache und erzählt Ermittlerin Stern (Lisa Bitter), dass er sich im Drogenhandel verdingt. Doch bevor Stern die Anzeige aufnehmen kann, eilt der Kurier schon wieder aus der Wache und wird wenige Minuten später von einem Auto überfahren. Prompt beginnen die Ermittlungen, und diese führen Stern zu den „Velopunks“, einem gangähnlichen Kurierdienst, der sich zu ihrem toten Kollegen nicht äußern möchte. Während Odenthal (Ulrike Folkerts) versucht, klassisch zu ermitteln, schlägt Stern einen anderen Weg ein und entschließt sich spontan, verdeckt zu ermitteln. Fortan muss sie als Fahrradkurierin arbeiten und das Vertrauen der „Velopunks“ gewinnen.
Ein „Tatort“, der spalten wird: Die ambivalenten Probleme von „Sashimi Spezial“
Der letzte Ludwigshafener Fall „Mike & Nisha“ hat für verschiedene Meinungen gesorgt – allen voran, weil der Fall mit dem Thema „Inzest“ ein sehr heißes Eisen angefasst hat. „Sashimi Spezial“ versucht gar nicht erst, solche Wege zu gehen, sondern entscheidet sich vielmehr dafür, verschiedenste Filme zu zitieren.
Doch bevor wir dazu kommen, gibt es etliche Dinge, die einige gut und andere schlecht finden werden. „Sashimi Spezial“ achtet nämlich sehr stark darauf, politisch korrekt zu sein. Das eröffnet die Bühne für Themen wie Sexismus, Umweltfreundlichkeit und Inklusion. Und es ist mehr als richtig, dass solchen Themen Raum gegeben wird – aber an der Umsetzung scheitert es etwas.
Das ARD-Publikum, das eher älterer Natur ist, reagiert auf die eben erwähnten Aspekte häufig gereizt. Da ist es umso wichtiger, dass die angesprochenen Themen mit dem notwendigen Fingerspitzengefühl umgesetzt werden. Aber dem ist leider nicht so. Stattdessen werden diese Punkte scheinbar nur erwähnt, damit sie von einer imaginären Checkliste abgehakt werden können. Ich schließe nicht aus, dass dem Kreativteam soziopolitische Themen am Herzen liegen, aber wie man diese organisch in eine Geschichte einbettet, muss offenbar noch gelernt werden.
Dom Toretto lässt grüßen: „Sashimi Spezial“ erinnert an viele Filme

Wenn „Fast and the Furious“ (2001) ein Abklatsch von „Gefährliche Brandung“ (1991) ist, dann ist „Sashimi Spezial“ (2026) ein Abklatsch von „Fast and the Furious“ – denn wahrlich neu ist der Ansatz einer Person, die in verdeckten Ermittlungen eine eingeschworene Bande infiltrieren muss, nicht.
Gleichzeitig sorgt die Tatsache, dass wir es hier mit der Kopie einer Kopie zu tun haben, dafür, dass „Sashimi Spezial“ eine gewisse Grundqualität mitbringt. Darüber hinaus passt der Charakterbogen, den zuvor bereits Keanu Reeves und Paul Walker durchlaufen haben, ganz gut zu Ermittlerin Stern.
Und fairerweise muss man ebenso anmerken, dass der Fall dennoch eigene Akzente setzt und alle Mitglieder des Ensembles gekonnt in die Rahmenhandlung einwebt. Positiv fallen vor allem Lisa Bitter und Johannes Scheidweiler auf.
Lieblos und leblos: „Sashimi Spezial“ sollte sich von seinen Vorbildern etwas abgucken
Die technische Ausstattung im „Tatort“ ist immer so eine Sache. Mal bekommt man kreativ geladene Fälle wie „Murot und der Elefant im Raum“, und mal sehen die Episoden aus wie „Sashimi Spezial“. Das Szenenbild ist leider mehr als lieblos. In viele Räume wurden Fahrradteile gestellt, damit man auch wirklich das Gefühl bekommt, es mit einem Fahrradkurierdienst zu tun zu haben. Im Kreativteam hatte man sicherlich auch hier gute Intentionen, aber gleichzeitig reichen gute Intentionen nicht aus, wenn man einem „Tatort“ nicht genügend Budget gibt, um gut auszusehen.
Vor allem aber die Kostüme wirken eher gut gewollt als gut gekonnt. Die Outfits der „Velopunks“ erinnern eher an die Überreste der Karnevalssaison als an Kleidung, die punkige Fahrradkuriere tatsächlich tragen würden. Westen, auf die groß „Eat the Rich“ genäht wurde, passen eher in das Punk-Verständnis der ARD-Zuschauerschaft, decken jedoch weniger die Realität ab.
Dazu kommen einige schauspielerische Leistungen, die jenseits von Gut und Böse sind. Insbesondere die Mutter des verstorbenen Fahrradkuriers ist ein schauspielerischer Totalausfall. Aber auch einige weitere Mitglieder der „Velopunks“ bringen nicht unbedingt das notwendige Können mit, um ihre Rollen überzeugend zu spielen.
„Sashimi Spezial“: Vielleicht keine 8 im Rad, aber eine 6 von 10 auf der Skala
Der „Tatort“ und Fahrräder sind immer so eine Sache. Während der Münsteraner Fall „Die Erfindung des Rades“ weniger begeistern konnte, ist „Sashimi Spezial“ in diesem „Tatort“-Subgenre schon etwas besser.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass „Sashimi Spezial“ für vielerlei Diskussionen sorgen wird – aber voraussichtlich aus den völlig falschen Gründen. Denn wenn man das Politikum außen vor lässt, hat man es eigentlich mit einem sehr klassischen wie auch modernen „Tatort“ zu tun. Und nach dem Faber-Fiasko der letzten Woche bin ich froh, endlich wieder etwas Qualität geboten zu bekommen. Und bevor jemand fragt: Ja, ich trinke Hafermilch.








