Zwischen „Schmerz“ und Scherz

„Tatort“: Faber gegen alle und ich gegen Faber – Kritik zum Fall „Schmerz“ aus Dortmund

Der Dortmunder „Tatort“ meldet sich zurück – und ist furchtbar wie eh und je. Warum, verraten wir dir in unserer Kritik …

Peter Faber steht hinter Ira Klasnić.
Faber (Jörg Hartmann, Bild) muss sich hinten anstellen: In „Schmerz“ ist der Ermittler nur eine Randnotiz. Foto: WDR/Thomas Kost

Nach einer Woche „Tatort“-Pause kehrt die langlebige Kriminalreihe mit dem Fall „Schmerz“ aus Dortmund zurück. Wie immer gibt es zu viele Charaktere, eine uninteressante Geschichte und keine neuen Ideen. Und wer glaubt, dass die Probleme da aufhören, liegt vollends falsch.

„Schmerz“: Wovon handelt der Dortmunder „Tatort“?

Irgendjemand sieht im Rotlichtmilieu rot – was sich dadurch äußert, dass jemand etliche Männer aus ebenjenem Gewerbe umbringt. Doch da hört die Geschichte nicht auf: Alle Opfer hatten falsche Identitäten und sind ehemalige Kriegsverbrecher, die während der Jugoslawienkriege tätig waren. Diese Verbrechen gehen vor allem Kommissarin Ira Klasnić (Allesija Lause) nahe, da sie sich somit mit ihrer Vergangenheit konfrontieren muss. Parallel stehen Faber (Jörg Hartmann) und Herzog (Stefanie Reinsperger) unter Verdacht, gemeinsam einen Mord begangen zu haben.

„Schmerz“ lass nach: Dortmunder „Tatort“ bleibt belanglos wie eh und je

Lobte ich noch neulich den Saarbrücker „Tatort“, weil dieser genau verstand, wie man vier Ermittler und Ermittlerinnen unter einen Hut bekommt, ohne dass dabei einer oder eine zu kurzkommt, sollte man sich davon in Dortmund mal eine Scheibe abschneiden. Denn auch hier darf man der kompletten Polizeidienststelle über die Schulter blicken – und keine Angst, jeder und jede bekommt seine Geschichte.

Das Problem an diesem Umstand? Ganz einfach: Statt sich auf den einen Fall zu fokussieren, den man auserzählen sollte, werden hier große Geschichten über die Menschen und noch größere Geschichten über das Menschliche aufgemacht. Dabei wird aber stets vergessen, dass alle Figuren – mit Ausnahme unseres Klischeekaspers Faber – vollends uninteressant sind. Ich will nicht sehen, wer mit wem im Bett ist, wer wen ermordet hat und wer Kindheitstraumata hat – ich will sehen, wie irgendjemand den Mordfall löst. Denn es wäre mir neu, dass der Dortmunder „Tatort“ die neue heiße Dramaserie am Horizont sein soll.

Kein Herz und keine Seele: Keine Identität im Dortmunder „Tatort“

Eine Person, die von den Morden in diesem Fall betroffen ist, wohnt in einem Haus, das exemplarisch für den Dortmunder „Tatort“ steht: minimalistische Einrichtung, weiße Arztpraxis-Wände, meterhohe Hecke und perfekt getrimmter Rasen. Die Büroräume der Ermittelnden sehen nicht großartig anders aus. Im Dortmunder „Tatort“ ist kein Platz für Ecken und Kanten – auch wenn man vorgeben möchte, dass die Charaktere welche hätten.

Doch das darf man nicht verwechseln: Die Charaktere rund um Faber sind keine Charaktere, sondern vielmehr bemühte Repräsentation. Sie sind alle derartig flexibel in ihrer Zeichnung und Herkunft, dass sie stets maßgeschneidert zum jeweiligen Drehbuch passen. Herrlich vorhersehbar und noch herrlich langweiliger …

Des Fabers Kern: Wovon man eigentlich hätte erzählen sollen

Stefanie Reinsperger (l.) steht neben Jörg Hartmann. Er hat Kaffee in der Hand. Im Hintergrund sieht man ein Auto.
Ciao, Herzog (Stefanie Reinsperger, l.): Faber muss sich von seiner langjährigen Kollegin verabschieden. Foto: WDR/Thomas Kost

Beschwerte ich mich letzte Woche im Hallenser „Polizeiruf“ noch darüber, dass man in einer Nebenhandlung mit einem seltsamen Sexplot aufwartete, ist das Kernstück dieses „Tatorts“ diesmal der Nebenplot – wenn auch ohne Sex.

Gegen Faber und Herzog wird wegen Mordes ermittelt. Eine Geschichte, die Raum für das Melodrama schafft, das man in Dortmund so sehr liebt. Nicht zu vergessen, dass diese Geschichte so viel interessanter ist als die Geschichte über Rotlichtmorde. Dennoch gibt es einen Haken.

Wenn man bedenkt, dass dies der letzte Fall mit Stefanie Reinsperger als Rosa Herzog ist, dann muss man kein „Tatort“-Kommissar oder keine „Tatort“-Kommissarin sein, um herauszufinden, wie die Geschichte ausgehen muss. Eines muss man diesem Ansatz aber zugutehalten: Es ist ein ungewöhnlicherer Abschied als die, die man zuletzt gesehen hat.

„Schmerz“ ist hier die Ansage: Der Dortmunder „Tatort“ bleibt sich treu

Ich möchte, dass man sich diese Woche eine Frage stellt: Hat mich das wirklich interessiert, was ich heute gesehen habe? Hat der Dortmunder „Tatort“ mit dem Titel „Schmerz“ wirklich meinen Sonntagabend bereichert? Brauche ich all diese Figuren, das Melodrama und den ganzen „Schmerz“?

Statt sich zu besinnen, wird in Dortmund so weitergemacht wie eh und je. Wer nach mutigen Geschichten oder interessanten Charakteren sucht, sollte sich lieber den zuvor erwähnten „Polizeiruf“ aus Halle anschauen. Die haben zwar keinen Faber, aber um ganz ehrlich zu sein … Koitzsch (Peter Kurth) ist auch der viel bessere Faber.

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