„Tatort“ heute: „Die Erfindung des Rades“ erfindet weder das Rad noch den Tatort neu – Kritik zum neuen Fall aus Münster
Liefers und Prahl sind zurück: Diesmal müssen sie nicht nur einen Mord, sondern auch die Frage, wer das Fahrrad erfunden hat, aufklären. Ob der Klamauk aus Münster funktioniert, verraten wir dir in unserer Kritik.

Zum zweiten Advent beschert die ARD alle Zuschauenden mit einem neuen Fall aus Münster – gleichzeitig wird allen Fans der Münster-Krimis aber auch etwas genommen, denn es handelt sich um den letzten Fall mit Mechthild Großmann in der Rolle der Staatsanwältin Wilhelmine Klemm. Doch reicht dieser traurige Umstand aus, um einen interessanten „Tatort“ zu erzählen, oder braucht es mehr als das?
- „Die Erfindung des Rades“: Wovon handelt der „Tatort“ aus Münster?
- Zwischen Quatsch und Langeweile: „Die Erfindung des Rades“ ist furchtbar durchschnittlich
- Schön anzusehen: „Die Erfindung des Rades“ punktet auf technischer Ebene
- Apropos Musik: Wo „Die Erfindung des Rades“ uninspiriert wirkt
- Mit Pauken und Trompeten? Funktioniert der Abschied von Mechthild Großmann?
- Fazit: Braucht es „Die Erfindung des Rades“?
„Die Erfindung des Rades“: Wovon handelt der „Tatort“ aus Münster?
Frank Thiel (Axel Prahl) ist eigentlich nur auf dem Weg zur Arbeit, aber trifft auf dem Weg Prof. Dr. Dr. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) vor einem familienbetriebenen Fahrradladen. Dort soll ein neues Fahrradmodell präsentiert werden, aber anstelle des Modells wird eine Leiche in einer Tiefkühltruhe enthüllt. Prompt beginnen Thiel und Boerne zu ermitteln und wühlen sich durch allerlei familiäre Unstimmigkeiten – und die Frage, ob das erste Fahrrad der Geschichte eigentlich aus Münster stammt …
Zwischen Quatsch und Langeweile: „Die Erfindung des Rades“ ist furchtbar durchschnittlich
Dass die Krimis aus Münster immer etwas klamaukig anmuten, ist nichts Neues, aber das reicht mittlerweile nicht mehr aus, um am Ball zu halten. Man denke nur an die Kolleginnen aus Zürich, die eine ähnliche Gradwanderung zwischen Spaß und Ernst gehen. Doch bei besagten Kolleginnen fühlt sich alles etwas frischer an und verläuft weniger nach Routine.
„Die Erfindung des Rades“ ist stellenweise mehr als uninspiriert und festgefahren. Die Sprücheklopferei der ungleichen Kollegen Thiel und Boerne ist nicht sonderlich bissig, der Fall selbst zieht gemütlich von dannen, und die Ermittlungen sind auch nicht aufregend. Damit stellt der Fall das komplette Kontrastprogramm zum letztwöchigen Fall „Dunkelheit“ aus Frankfurt dar – zumindest inhaltlich.
Schön anzusehen: „Die Erfindung des Rades“ punktet auf technischer Ebene
In einer anderen Hinsicht ist der Münsteraner „Tatort“ auch ein Kontrastprogramm zum Beitrag aus Frankfurt: Anstelle von Licht, das aus allen Ecken in dunkle Räume strahlt, erinnert der neueste Fall aus Münster optisch eher an andere ARD-Schmunzelkrimis. Das ist aber nichts Negatives. Die Sets sind häufig bunt ausgestattet – so zum Beispiel das Büro von Thiel, welches im direkten Kontrast zu den anderen Kummerkästen steht, in denen andere „Tatort“-Ermittler hocken müssen.
Allgemein wird viel mit Montagen und Musik gespielt. Das ist schön anzusehen, aber das wahre Herzstück liegt ganz woanders: Dieser „Tatort“ eröffnet mit einer Schwarz-Weiß-Sequenz, die im Münster des 19. Jahrhunderts spielt, und besagte Sequenz muss sich nicht verstecken. Ein netter optischer Kniff, um eine doch eher dröge Szene aufzupeppen.
Apropos Musik: Wo „Die Erfindung des Rades“ uninspiriert wirkt
Vor einigen Wochen kritisierte ich bereits den neuesten Rostocker „Polizeiruf“ für seine unpassende bis hin zu klischeebehaftete Musikauswahl – ein Vorwurf, vor dem sich auch „Die Erfindung des Rades“ nicht verstecken kann. Clever wie man ist, spielt man natürlich in einer Szene, in der Thiel Rad fährt, den Song „Bicycle Race“ von Queen. Clever wie man ist, versteht man natürlich, dass der vorhergehende Satz sarkastisch gemeint war.
Zwar liegt man nicht mit jeder Songauswahl falsch – so trifft man zum Beispiel bei den Montagen nette Entscheidungen –, aber wieso spielt man in einer Szene, in der getrunken wird, „Griechischer Wein“ von Udo Jürgens? Das ist zwar ein netter Evergreen-Hit des verstorbenen Altmeisters, aber man hätte in der Diskografie dieses Mannes gefühlt hundert andere Songs gefunden, die weniger überspielt sind und trotzdem auf diese Szene gepasst hätten – man denke nur an „Du trinkst zu viel“.
Mit Pauken und Trompeten? Funktioniert der Abschied von Mechthild Großmann?

Um es kurz zu sagen: Ja. Ungleich vieler weiterer „Tatort“-Verabschiedungen wird Großmann eher friedlich entlassen. Sprich: Die Dame muss sich nicht durch eine Entführung oder Ähnliches schlagen, sondern darf ganz gesittet zur Ruhe kommen. Das wirkt zwar stellenweise etwas faul – zumal das Aufhören ihrer Rolle auch erst ab einem sehr späten Punkt der Handlung plötzlich thematisiert wird –, aber irgendwie passt das auch zu der Frau mit der rauchigen Stimme. Anstelle der Stimmen werden noch einmal in kleiner Runde die Gläser mit Champagner gehoben … ein Umstand, den viele über die Feiertage voraussichtlich nachvollziehen können.
Fazit: Braucht es „Die Erfindung des Rades“?
Nicht wirklich. Inmitten der wirklich starken Saison, die wir bisher hatten, fällt der Fall mit seiner Durchschnittlichkeit eher etwas aus der Reihe. Dennoch ist er nicht so furchtbar, wie viele andere Fälle, die man über die Jahre geboten bekommt. Trotzdem ist es durchaus vorstellbar, dass sich selbst die eingefleischtesten Fans des Münsteraner „Tatort“ in ein paar Jahren nicht mehr an diesen Fall erinnern können. Und irgendwie herrscht dennoch eine Art Einschaltpflicht, denn nach über zwanzig Jahren im Dienst sollte man Mechthild Großmann und somit auch Wilhelmine Klemm die Ehre erweisen, bei ihrem Abschied dabei zu sein. In dem Sinne: Frau Klemm, viel Freude im Ruhestand.










