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RTL-Reporterin erhält nach Sendung Morddrohungen: So ernst ist die Lage

„Wirst du fliehen wollen, bekommst du eine Kugel!“ – mit dieser Nachricht auf der Mailbox endete für eine RTL-Reporterin eine einjährige Undercover-Recherche im russischen Agentennetzwerk.

RTL-Reporterin Angelique im Interview.
Eine spannende, aber auch äußerst gefährliche Doku. Foto: RTL

Nach einem gescheiterten Sprengstoffanschlag auf ukrainische Frachtflugzeuge am Flughafen Leipzig/Halle Anfang August stellte sich erneut die Frage: Wie tief ist Deutschland bereits Ziel hybrider Angriffe russischer Geheimdienste? Ein RTL-Reporterteam wollte darauf eine Antwort finden – und schleuste sich dafür selbst in ein Netzwerk sogenannter „Wegwerfagenten“ ein.

Die Drohung, die alles verändert

Am Ende der Recherche stand ein Moment, der die Brisanz des Themas schlagartig verdeutlichte: Als die Tarnung von Reporterin Angelique aufflog, erhielt sie eine unverhohlene Morddrohung per Mailbox. RTL reagierte darauf mit einem eigenen Sicherheitskonzept für die beteiligten Journalistinnen und Journalisten – ein Hinweis darauf, wie real die Gefahr durch die russische Seite offenbar eingeschätzt wird.

Undercover für ein ganzes Jahr

Für die Recherche gaben sich die Reporter ein Jahr lang als Wegwerfagenten aus – unter strengen Sicherheitsvorkehrungen und in ständiger Abstimmung mit den zuständigen Behörden. Kontakt zu den mutmaßlich russischen Auftraggebern hielten sie über den Messengerdienst Telegram, Bezahlung erfolgte in der Kryptowährung Bitcoin.

Die gestellten Aufgaben wirkten zunächst harmlos: ein Foto machen, ein Paket abholen, eine SIM-Karte besorgen. Erst im Zusammenspiel wurde deutlich, dass diese kleinen Handlungen Teil eines größeren, potenziell strafrechtlich brisanten Systems waren.

Was die Reporter aufdecken konnten

Im Verlauf der Recherche erhielten die Journalisten Aufträge, die weit über einfache Botengänge hinausgingen: Sie sollten eine Menschenrechtsorganisation auskundschaften, einen Mitarbeiter der CDU ausspionieren, eine Partei infiltrieren und Informationen über deutsche Rüstungsunternehmen sammeln. Bei all diesen Schritten standen Anwälte und Behörden eng beratend zur Seite.

Zudem gelang es dem Team, einen mutmaßlichen russischen Sabotageakt zu rekonstruieren: Bereits vor zwei Jahren sollen präparierte Pakete in Frachtflugzeugen am Flughafen Leipzig/Halle in Brand geraten sein. In Litauen trafen die Reporter außerdem auf einen angeklagten, mutmaßlichen Wegwerfagenten.

Ein Rüstungsmanager im Untergrund

Besonders eindrücklich ist das Treffen mit Stefan Thumann, einem Rüstungsmanager, der Drohnen an die Ukraine liefert und deshalb untertauchen musste. An einem geheimen Ort sprach er erstmals öffentlich über seine Situation. Mindestens zwei mutmaßliche Wegwerfagenten sollen ihn im Auftrag Russlands beobachtet und verfolgt haben – bei der Festnahme eines der beiden fanden Ermittler eine Machete.

Die Recherchen der RTL-Reporter zeichnen insgesamt das Bild einer hybriden Angriffsstrategie: billig angeworbene Helfer, Cyberangriffe, Spionage, Sabotage und Propaganda, deren Verbindungen zu den tatsächlichen Auftraggebern sich nur schwer nachweisen lassen. Die Drohung gegen Angelique zeigt dabei, dass diese Strategie im Zweifel auch vor direkter Einschüchterung nicht zurückschreckt.

Die „stern Investigativ“-Reportage „Putins Wegwerfagenten – Die billigen Vollstrecker“ ist ab heute um 18:45 Uhr auf RTL+ abrufbar. Eine erweiterte Fassung folgt am 2. September um 20:15 Uhr im linearen Programm von RTL.

Quelle
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