LG OLED G6 mit 65 Zoll im Test: Dieser OLED löst sein größtes Problem
OLED-TVs haben besonders in dunklen Zimmern ihre Stärken ausgespielt. Der LG OLED G6 will das ändern und auch in hellen Räumen, wie meinem Wohnzimmer, glänzen. Ob das gelingt?

Besonders an sonnenreichen Tagen ist mein über zehn Jahre alter 4K-Smart-TV ein wirklicher Pain. Der Bildschirm spiegelt durch das Sonnenlicht so extrem, dass ich kaum etwas erkennen kann.
Doch jetzt kommt LG mit dem OLED G6 daher, der auch am helllichten Tage mit weniger Spiegelung überzeugen will, ohne dafür auf die typische glänzende OLED-Oberfläche und deren tiefes Schwarz zu verzichten.
Dazu kommen hohe Helligkeit, verbesserte HDR-Verarbeitung und Gaming mit bis zu 165 Hz. Gleichzeitig leistet sich LG bei einem fast 4.000 Euro teuren Fernseher einen Rückschritt beim klassischen Fernsehen.
Entspiegelung und Helligkeit
Das interessanteste Merkmal des LG OLED G6 ist nicht die höhere Spitzenhelligkeit und auch nicht der neue Prozessor. Es ist die Entspiegelung.
LG verwendet beim G6 eine neue Reflection-Free-Premium-Beschichtung. Anders als bei einem stark mattierten Bildschirm wird die Oberfläche dabei nicht zu einer diffusen Fläche. Das OLED-Panel bleibt glänzend, wodurch die tiefen Schwarztöne erhalten bleiben. LG selbst verweist auf eine entsprechende Intertek-Zertifizierung.
Wie groß der Unterschied ausfällt, zeigen Messungen von HIFI.DE: Im Labor wurden beim 65-Zoll-Modell nur rund 0,2 Prozent reflektiertes Licht gemessen. Damit hat LG die Reflexionen gegenüber der vorherigen Generation noch einmal ungefähr halbiert.
Das lässt sich auch bei mir im Wohnzimmer ohne Messgerät nachvollziehen: Möbel, Lampen und andere Gegenstände aus dem Wohnzimmer treten bei eingeschaltetem Fernseher deutlich weniger in den Vordergrund und sind nahezu nicht zu sehen. Auch hier spreche ich aus Erfahrung und kenne diese Problematik von meinem älteren LG-TV nur zu gut.

Eine direkte Lichtquelle bleibt allerdings eine Grenze. Scheint eine helle Lampe oder die Sonne unmittelbar auf den Bildschirm, kann auch die neue Beschichtung die Reflexion nicht gänzlich verschwinden lassen.
Der praktische Vorteil gegenüber einem klassischen OLED überwiegt jedoch: Du musst für ein kontrastreiches Bild nicht mehr automatisch auf einen möglichst dunklen Raum warten.
Dazu kommt die hohe Helligkeit. Im Filmmaker-Modus meistert der 65-Zoll-G6 stolze 3.300 Nits. Im sehr kräftigen Bildmodus „Lebendig“ waren sogar mehr als 4.000 Nits möglich.
Wichtig zur Einordnung: Die 3.300 oder 4.000 Nits liegen nur bei kleinen hellen Bildbereichen an. Ein komplett weißes Bild ist wesentlich dunkler. Genau deshalb ist die Kombination aus hoher Spitzenhelligkeit und reduzierten Reflexionen wichtiger als die Nits-Zahl allein.
Für mein helles Wohnzimmer ist das ein sichtbarer Fortschritt. Bei direkter Sonneneinstrahlung oder einer Lampe direkt auf dem Panel bleibt aber auch der G6 nicht völlig immun gegen störendes Licht.
Bildqualität im Alltag
Beim Bild bleibt der G6 ein OLED-Fernseher mit dem typischen Vorteil selbstleuchtender Pixel: Schwarze Bildbereiche benötigen keine Hintergrundbeleuchtung und können entsprechend sehr dunkel dargestellt werden. Das neue Panel und die Bildverarbeitung holen gleichzeitig mehr Helligkeit aus HDR-Szenen heraus.
Eine wichtige Neuerung steckt dabei weniger im Panel als im Prozessor. Der Alpha 11 Gen 3 verarbeitet HDR-Signale intern mit 12 Bit. Dadurch stehen bei der Verarbeitung deutlich mehr Abstufungen zur Verfügung. In der Praxis kann das sichtbare Stufen in Farbverläufen reduzieren – etwa bei dunklen Rot- oder Blautönen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass plötzlich jedes alte Video besser aussieht. Der Vorteil betrifft vor allem hochwertiges HDR-Material mit feinen Farbverläufen. Bei DVDs, einfachem HD-Streaming oder stark komprimiertem Material bleiben die Grenzen des Ausgangsmaterials bestehen.
Für Filme würde ich den Filmmaker Mode als Ausgangspunkt wählen. Er liefert ein vergleichsweise neutrales Bild. Für Sport kann dagegen ein stärkeres Bewegungs-Processing sinnvoll sein. Die TruMotion-Glättung kann hierbei Bewegungen flüssiger machen, erzeugt bei stärkeren Einstellungen aber auch Artefakte.
Ein kleiner Stolperstein steckt in der Bedienung: Der Fernseher speichert Bildeinstellungen für die einzelnen Eingänge separat. Wenn du für HDMI den Filmmaker Mode auswählst, gilt diese Einstellung also nicht automatisch für den TV-Empfang.
Bei schlechtem SD-Material zeigt sich dagegen die andere Seite eines 65-Zoll-4K-Fernsehers: Der G6 kann das Signal hochrechnen, aber fehlende Bildinformationen nicht herbeizaubern. Hochwertiges HD-TV wird sauber auf 4K hochgerechnet, während minderwertiges Ausgangsmaterial seine Schwächen behält.
Fernsehen: Tuner, Aufnahme und Fernbedienung
Hier steckt der vielleicht größte Haken des G6 – und er fällt bei einem Fernseher dieser Preisklasse besonders auf.
Der LG OLED G6 besitzt keinen Twin-Tuner, sondern nur einen einfachen Tuner für DVB-T2, DVB-C und DVB-S2. Damit kannst du weiterhin Fernsehsendungen aufnehmen und zeitversetzt schauen, aber du kannst nicht während einer laufenden Aufnahme einfach auf einen anderen Sender wechseln, wenn dafür ein zweiter Empfangsweg nötig wäre.
Für Streaming-Nutzer dürfte das kaum eine Rolle spielen. Wer dagegen regelmäßig klassisches Fernsehen schaut und Sendungen auf eine USB-Festplatte aufnimmt, sollte diesen Punkt kennen. Bei einem Gerät in dieser Preisklasse ist der Wegfall des Twin-Tuners klar ein Rückschritt gegenüber früheren Premium-Modellen.
Einen kleinen Ausgleich gibt es bei der Fernbedienung: Die LS-Variante mit Standfuß wird mit einer Magic Remote ausgeliefert, die über Ziffern- und Farbtasten sowie Pointer- und Sprachsteuerung verfügt. Das ist gerade beim klassischen Fernsehen praktischer als eine abgespeckte Streaming-Fernbedienung.
Auch die Aufnahmefunktion bleibt erhalten. Eine USB-Festplatte lässt sich für Aufnahmen und zeitversetztes Fernsehen nutzen. Die Bedienung kann je nach Aufgabe allerdings etwas umständlicher ausfallen als bei älteren LG-Modellen.
Gaming
Für mich persönlich spielt nicht nur die Entspiegelung ein große Rolle. Mein neuer Fernseher soll auch das Maximum an Bildgewalt aus meiner PlayStation 5 Pro herauskitzeln. Und für Gamer bringt der G6 fast alles mit, was du von einem aktuellen High-End-OLED erwartest.
Alle vier HDMI-Anschlüsse unterstützen HDMI 2.1. Bei kompatiblen PC-Spielen sind bis zu 4K mit 165 Hz möglich; außerdem werden VRR, AMD FreeSync Premium, Nvidia G-Sync und ALLM unterstützt.

Für eine PS5 oder Xbox ist vor allem die Kombination aus 4K, 120 Hz und VRR relevant. Ein Gaming-PC kann die höhere Bildrate bis 165 Hz ausnutzen, sofern Grafikkarte und Spiel das mitmachen.
Das Game-Optimizer-Menü bündelt die wichtigsten Einstellungen für Spiele. Der OLED selbst reagiert sehr schnell; LG nennt eine Pixelreaktionszeit von 0,1 Millisekunden. Das ist allerdings nicht mit der tatsächlichen Verzögerung zwischen Controller-Eingabe und Bildausgabe gleichzusetzen.
Unterm Strich ist Gaming eine der Disziplinen, in denen der G6 besonders viel Ausstattung bietet, ohne dass du dafür einen bestimmten HDMI-Port freihalten musst. Eine Wohltat, da auf meinem alten und noch aktuellen Smart-TV lediglich ein Anschluss vorhanden ist.
Soundqualität
Beim Ton zeigt sich die Kehrseite des flachen Gehäuses. LG verbaut ein 4.2-Kanal-System mit 60 Watt und unterstützt Dolby Atmos. Das klingt auf dem Papier ordentlich, erreicht aber nicht das Klangvolumen und die Auflösung einiger anderer Premium-Fernseher.
Der Grund liegt unter anderem in eben jener flachen Bauweise: LG verwendet das OLED-Panel nicht selbst als Lautsprecherfläche, wie es beispielsweise Sony bei bestimmten Modellen tut.
Für Nachrichten, Serien und normales Fernsehen reicht der Ton aus. Wer für rund 4.000 Euro einen Fernseher kauft, um damit Filme möglichst kinonah zu erlebn, sollte aber eine Soundbar oder ein separates Soundsystem einplanen.
Dazu kommt eine weitere Einschränkung: DTS wird nicht unterstützt. Spielst du beispielsweise eine Blu-ray mit DTS-Tonspur über einen angeschlossenen Player ab, kann der Fernseher den Mehrkanalton nicht direkt wiedergeben.
Interessanter ist dagegen Auracast. Damit kann der Fernseher seinen Ton an mehrere kompatible Bluetooth-Kopfhörer oder Hörgeräte gleichzeitig übertragen. Gerade für Haushalte mit unterschiedlichen Hörbedürfnissen ist das mehr als ein Technik-Schlagwort.
Bedienung und webOS 26
Der G6 läuft mit webOS 26. Die Oberfläche reagiert flott, die üblichen Streaming-Apps sind schnell erreichbar und LG ergänzt das System um zahlreiche KI-Funktionen. Dazu gehören unter anderem AI Search, AI Concierge, AI Voice ID und ein AI Chatbot.
Die KI-Funktionen sind allerdings kein Grund, den Fernseher allein deshalb zu kaufen. Sie können bei der Suche nach Inhalten oder bei Sprachbefehlen praktisch sein, verändern die grundlegende Bedienung eines Fernsehers aber nicht.

Auffälliger ist der Startbildschirm. Dort mischen sich Apps, Empfehlungen und LG-eigene Inhalte. Wer einen möglichst aufgeräumten Start erwartet, muss sich zunächst durch die entsprechenden Einstellungen arbeiten. Die zunehmende Präsenz von Werbung und Empfehlungen nervt dann aber schon und zeigt leider auch hier eine negative Entwicklung.
Positiv ist die langfristige Software-Perspektive: LG nennt für die G6-Serie sein Re:New-Programm mit Software-Upgrades über bis zu fünf Jahre.
Aufstellen und Anschließen
Die 65-Zoll-Version ist mit 22 Kilogramm ohne Standfuß und 27,3 Kilogramm mit Standfuß kein Gerät, das man allein problemlos aufstellt. Die Abmessungen ohne Standfuß betragen 1.441 × 826 × 24,3 Millimeter.
Die LS-Variante kommt mit Standfuß. Wer den Fernseher an die Wand hängen möchte, kann auch diese Version entsprechend montieren. Die G6-Modelle sind auf eine sehr flache Wandmontage ausgelegt. In meinem Fall habe ich den G6 aber aufgestellt, was auch allein möglich war. Für die Wandmontage benötigt man hingegen dringend Unterstützung.
Praktisch ist die Kabelführung am Standfuß. Die Anschlüsse sind so angeordnet, dass sich Kabel vergleichsweise unauffällig nach unten führen lassen. Vier HDMI-Anschlüsse, drei USB-Anschlüsse, LAN, optischer Ausgang und die Antennenanschlüsse decken die üblichen Geräte ab.
Wer eine Soundbar darunterstellen möchte, sollte beim Standfuß auf die Höhe achten. Gerade weil der G6 selbst extrem flach ist, kann eine zu hohe Soundbar schnell einen Teil des Bildes verdecken.
Für wen lohnt sich der LG OLED G6?
Der LG OLED G6 richtet sich vor allem an drei Gruppen.
Für dich interessant ist er, wenn dein Wohnzimmer hell ist und du trotzdem OLED möchtest. Genau hier spielt die neue Entspiegelung ihren größten Vorteil aus. Du bekommst weiterhin das für OLED typische Schwarz, musst dich aber deutlich weniger mit Spiegelungen von Fenstern, Lampen und Möbeln herumschlagen.
Auch Gamer mit einem leistungsfähigen PC bekommen viel geboten: vier HDMI-2.1-Anschlüsse, 4K mit bis zu 165 Hz, VRR und Unterstützung für G-Sync und FreeSync. Für Konsolen sind vor allem 4K/120 Hz und VRR relevant.
Und schließlich passt der G6 zu dir, wenn dir eine sehr flache, wandnahe Optik wichtig ist. Das Gallery-Design ist ein wesentlicher Bestandteil der G-Serie und macht den Fernseher auch ausgeschaltet vergleichsweise unauffällig.
Weniger überzeugend ist der G6 dagegen für dich, wenn klassisches Fernsehen mit Aufnahmen einen großen Teil deiner Nutzung ausmacht. Der einfache Tuner bedeutet, dass du auf die Flexibilität eines Twin-Tuners verzichten musst. Auch wer keine Soundbar nutzen möchte, bekommt für den Preis keinen entsprechend herausragenden Klang.
Wer dagegen überwiegend Netflix, Disney+, Blu-rays und Spiele nutzt und ein helles Wohnzimmer hat, bekommt mit dem G6 genau dort einen Mehrwert, wo ältere OLED-Fernseher ihre Schwäche hatten.
Fazit
Der LG OLED G6 beantwortet die Preisfrage vor allem mit seiner Entspiegelung. Das Panel bleibt glänzend und erhält damit den typischen OLED-Look, reflektiert laut Labormessung aber nur rund 0,2 Prozent des einfallenden Lichts. Zusammen mit der hohen HDR-Helligkeit macht das den G6 deutlich wohnzimmertauglicher.
Der Haken sitzt an anderer Stelle: Der Wegfall des Twin-Tuners ist für klassisches Fernsehen ein echter Rückschritt, und beim Ton bleibt trotz 60-Watt-System Luft nach oben. Für Filmfans, Gamer und Besitzer heller Wohnzimmer überwiegen dennoch die Fortschritte – vorausgesetzt, der hohe Preis passt zum eigenen Nutzungsprofil.
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