„[Angst] ist nicht mein Begleiter“

RTL-Kündigungen: Statement von Mareile Höppner gibt zu denken

Mit großer Sorge, aber ohne Angst: TV-Moderatorin Mareile Höppner spricht offen über das Älterwerden als Frau im Fernsehgeschäft.

Mareile Höppner bei der Aufzeichnung der WDR-Talkshow Kölner Treff.
Mareile Höppner denkt nicht an einen Rückzug aus dem TV-Geschäft. Foto: IMAGO / Future Image

Mareile Höppner zählt seit über 25 Jahren zu den bekanntesten Gesichtern des deutschen Fernsehens. Von 2008 bis 2022 moderierte sie das ARD-Boulevardmagazin „Brisant“, ehe sie zu RTL zurückkehrte – dorthin, wo einst ihre Karriere begann. Ausgerechnet dort kam es zuletzt jedoch zu einem massiven personellen Umbruch.

Hunderte Stellen gestrichen

Beim Kölner Privatsender wurden Hunderte Stellen abgebaut, betroffen waren auch zahlreiche Moderationskollegen von Höppner. Im Gespräch mit t-online, geführt am Rande der Remus Lifestyle Night, äußerte sich Höppner nun zu dieser Entwicklung.

„Das sind ganz große Veränderungen“, erklärte sie. „Und sicherlich muss man das für alle Kolleginnen und Kollegen, die davon betroffen sind, mit großer Sorge sehen.“ Der Umbruch bei RTL sei dabei kein isoliertes Phänomen, sondern spiegele Veränderungen wider, die derzeit die gesamte Gesellschaft betreffen.

„Das Fernsehen steht vor der größten Veränderung“

Auf die Nachfrage, ob dieser gesellschaftliche Kontext die Situation erträglicher mache, antwortete Höppner ausweichend. Das Fernsehen sei schlicht Teil dieses umfassenden Wandels – die Branche stehe vor der größten Veränderung ihrer Geschichte.

Sorgen bereite ihr das persönlich dennoch nicht übermäßig, betonte die Moderatorin. „Ich neige nicht so sehr zu Angst. Sie ist nicht mein Berater.“ Stattdessen sehe sie in Neuanfängen stets auch Chancen und Möglichkeiten. Ihre Liebe zum Beruf bleibe ungebrochen: Solange das Kühlschranklicht noch leuchte, werde sie weiter anmoderieren.

Der 50. Geburtstag steht bevor

Im kommenden Jahr feiert Höppner ihren 50. Geburtstag – ein Thema, mit dem sie sich nach eigener Aussage noch nicht intensiv beschäftigt hat. Sie werde von außen deutlich stärker an ihr Älterwerden erinnert als durch sich selbst, so die Moderatorin. Immer wieder erstaune sie, wie schwer sich die Gesellschaft mit dem Altern tue – besonders bei Frauen.

Kritik an gesellschaftlichen Erwartungen

Höppner sieht Frauen in Deutschland regelrecht reglementiert, wenn es ums Alter gehe. Plötzlich würden Menschen meinen, bestimmte Kleidungsstücke seien ab einem gewissen Alter nicht mehr angemessen – dabei gehe das niemanden etwas an, solange man sich selbst darin wohlfühle.

Besonders kritisch äußerte sie sich zum Umgang mit Frauen in Deutschland im internationalen Vergleich: „In Deutschland sind wir wirklich streng mit Frauen. Wir haben ein Riesenproblem damit, entspannt und emanzipiert mit ihnen umzugehen.“ Als positive Gegenbeispiele nannte sie Italien und Spanien, wo ein anderes Selbstbewusstsein und eine gewisse Grandezza herrsche.

Höppner betonte zudem, dass sich Interesse an Schönheit und gesellschaftspolitisches Engagement keineswegs ausschließen müssten. Trotz des aus Hollywood importierten und in sozialen Medien zelebrierten Schönheitswahns, unter dem besonders Schauspielerinnen ab 50 mit ausbleibenden Jobangeboten zu kämpfen hätten, dürfe es für Frauen keine Einschränkungen geben. Das sei eine Errungenschaft früherer Generationen, die sie sich nicht nehmen lasse.

Sport und Kosmetik statt Fanatismus

Auf die Frage, was sie selbst für ihr Aussehen tue, verwies Höppner auf regelmäßigen Sport, den sie schon immer betrieben habe – allerdings ohne übertriebenen Ehrgeiz. Zudem bezeichnete sie sich als großen Fan guter Kosmetik.

Zum Thema Altern generell erklärte sie, jede Frau müsse für sich selbst entscheiden, wie sie damit umgehen wolle. Aufhalten lasse sich der Prozess ohnehin nicht – mit Genuss und innerer Haltung könne man ihm jedoch gut begegnen. Wichtig sei ihr dabei vor allem, dass Frauen sich all das erlauben, was ihnen guttue.

Abschließend sprach Höppner über die Werte, die sie an ihre Kinder weitergeben möchte. Im Mittelpunkt stünden dabei Mut und Selbstständigkeit sowie die Fähigkeit, eine eigene Haltung und innere Stärke zu entwickeln. Ihre Kinder sollten darauf vertrauen können, ihren eigenen Weg zu gehen, sich gegen Anfeindungen zu wehren und bei sich selbst zu bleiben – gerade in einer Gesellschaft, die ihrer Wahrnehmung nach zunehmend schnell urteile.

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