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Returnal im Test: Das nächste Highlight für die PlayStation 5?

Nach einer längeren Durststrecke erscheint mit "Returnal" endlich das nächste Exklusivspiel für PlayStation 5. Ob das rasante Roguelike-Actionspiel überzeugen kann, verraten wir im Test!

Returnal PS5
"Returnal" im Test: Kann uns das erste große Exklusivspiel im Jahr 2021 für PlayStation 5 wirklich überzeugen? Foto: Sony Playstation
Inhalt
  1. Was ist "Returnal" für ein Spiel? Ein Versuch der Entzifferung
  2. Returnal: Ein audiovisuelles Meisterwerk
  3. Returnal: Der erbarmungslose Run | Ist der Preis gerechtfertigt?
  4. Fazit zu "Returnal"

Der Bosskampf im zweiten Biom von "Returnal" verlangt mir alles ab. Mein letztes Health-Artefakt hab ich bereits verbraucht, die Aggressivität mit denen mich mein Gegenüber namens "Ixion" mit Orbs, Energiewänden und Meele-Attacken an die Ränder der Map drängt, nimmt immer mehr zu. Ich komm mir ein bisschen vor wie bei "Let’s Dance": Zwar hab ich die Angriffsmuster längst entschlüsselt, doch die "Schrittfolge" aus Schießen, Dodgen und Springen bringt mich immer wieder brutal aus dem Takt. Meine Health-Anzeige ist im rötesten aller roten Bereiche angekommen, vor allem wegen meinen kapitalen "Schrittfehlern" der letzten zehn Sekunden und Ixion hat immer noch 20% seiner Lebensanzeige. Wenn ich jetzt sterbe, muss ich zurück zum Anfang. Doch irgendwie reiße ich das Ruder rum, weiche perfekt den Angriffen aus und schicke mein Gegenüber mit einer finalen Alt-Feuersalve endgültig ins Jenseits.

Ja, der verdammt hohe Pulsschlag am Ende des 2. Bosskampfes von "Returnal" erinnert mich unweigerlich an das Ende der erfolgreichen Bosskämpfe von "Dark Souls", "Demon’s Souls" & Co., doch „Returnal“ ist trotzdem nur schwer mit den From Software-Meisterwerken vergleichbar. Das unglaubliche Tempo und die fantastische Präsentationen sorgen für solch einen brutalen immersiven Sog, den ich so in den vergangenen Jahren nur selten erlebt habe.

Returnal PS5
Die mysteriöse Spielwelt von "Returnal" erinnert zu Beginn an "Prometheus"       Sony Playstation
 

Was ist "Returnal" für ein Spiel? Ein Versuch der Entzifferung

Im Grunde ist es ganz einfach: "Returnal“ ist ein 3rd-Person-Sci-Fi-Shooter-Bullet-Hell-Roguelike mit einigen Metroidvania-Elementen. BITTE WAS? Um das Spielprinzip von „Returnal“ zu entschlüsseln, muss man tatsächlich schon relativ tief in die Materie eindringen. Grundsätzlich ist "Returnal" ein Third-Person-Shooter, in dem ihr die Rolle der Astronautin Selene übernimmt, die auf dem mysteriösen und lebensfeindlichen Planeten Atropos abstürzt und sich in einer Art Zeitschleife wiederfindet. Hier kommt auch schon das Roguelike bzw. korrekterweise Roguelite-Element zu tragen: Jedes Mal, wenn ihr im Spiel sterbt, werdet ihr zurück an den Anfang versetzt. Ja, kein Scherz, ihr startet „Returnal“ nach dem Tod eurer Spielfigur immer wieder von ganz vorne, also im allerersten von insgesamt sechs Biomen bzw. Gegenden. Allerdings gibt es im Spiel selbst eine Form von Weiterentwicklung: Portale, die ihr zu den nächsten Biomen freigeschaltet habt, bleiben weiterhin offen und sind beim neuen Run meist auch deutlich schneller zu erreichen. Außerdem schaltet ihr dauerhafte Upgrades frei, wie bspw. einen Enterhaken am Ende des 2. Bioms, der euch dann auch im neuen Durchlauf an Orte bringt, die ihr vorher noch nicht besuchen konntet. Braucht ihr für den ersten Durchlauf eines neuen Gebiets meist noch einige Stunden, so geht das im Verlauf des Spiels dann deutlich flotter, wenn ihr bereits die nachfolgenden Portale freigeschaltet habt.

Wie es sich in einem Roguelike gehört, werden die Level auch prozedural gestaltet, wobei einzelne Elemente handgefertigt und bei jedem neuen Spielstart arrangiert werden. Seid ihr also bereits 10 Mal gestorben, werdet ihr beim 11. Run sicherlich bekannte Level-Elemente wiedersehen, die jedoch immer etwas anders arrangiert sind und deshalb für Abwechslung sorgen. Ähnlich eines Metroidvania-Abenteuers, sind die einzelnen Biome bzw. Gebiete noch in einzelne Unterabschnitte unterteilt und durch Tore verbunden. Dadurch ergibt sich eine Art labyrinthisches Geflecht, durch das ihr tief in die Welt von Atropos eintauchen könnt. In jedem Zyklus verändert sich jedoch nicht nur die Umgebung, sondern auch das Arsenal an auffindbaren Waffen und Perks, so dass man als Spieler*in seinen Stil und seine Vorgehensweise auch daran immer wieder neu anpassen muss. So ist die Shotgun bspw. eher für brutalen Nahkampf ausgelegt während bspw. eine Alienwaffe namens Spuckmaul-Blaster mit ihren toxischen Geschossen vor allem aus der sicheren Distanz für großen Schaden sorgt. „Returnal“ konfrontiert euch im Gegensatz zu klassischen Rollenspielen also konstant damit euren „Build“ bzw. eure Hauptfigur Selene an die Gegebenheiten anpassen zu müssen.

Und das müsst ihr auch, wenn ihr gegen die wendigen Tentakel-Viecher, Geschütztürme, gigantischen Flugkreaturen und hartnäckigen Endbosse eine Chance haben wollt, die gefühlt eine massive Anzahl an Projektilen in "Bullet Hell"-Manier auf euch schleudern. Wie eingangs erwähnt, ist der Schwierigkeitsgrad von „Returnal“ nicht unbedingt mit „Dark Souls“ & Co. zu vergleichen, weil es viel wichtiger ist den perfekten Flow und Rhythmus aus Ausweichen und Angreifen zu finden und sich den Gegebenheiten anzupassen. Je mehr Schaden ihr verteilt und gleichzeitig keinen erleidet, desto höher steigt eure Adrenalin-Anzeige, die nach und nach mehr Buffs freischaltet wie höheren Waffenschaden oder mehr Sichtbarkeit. Nicht nur beim Ausweichen, sondern auch beim Schießen kommt es aufs Timing an, da die Waffen sich nach und nach Aufladen und nur im Überladen-Status höheren Schaden verursachen - feuert ihr allerdings zu aggressiv, verweigern die Waffen allerdings kurze Zeit ihren Dienst. Mit dem Alt-Feuer-Modus schaltet ihr außerdem eine starke Spezialfähigkeit pro Waffe frei, die jedoch einen relativ langen Cooldown hat. Die Waffenleistung erhöht sich dank Perks immer weiter, so dass ihr im Verlauf statt Waffen der Stufe 0 irgendwann höherklassige Waffen findet mit individuellen Statuseffekten wie mehr Schaden oder schnellerer Projektilgeschwindigkeit.

Returnal Sony PlayStation
Rasant, abwechlungsreich und spektakulär: Die Action in "Returnal"     Sony Playstation
 

Returnal: Ein audiovisuelles Meisterwerk

Wie ihr schon seht, es gibt verdammt viel zu erklären in "Returnal", auch was die unterschiedlichen Artefakte mit ihren Buffs, die Verbrauchsgegenstände sowie die Parasiten angeht, die euch sowohl positive als auch negative Eigenschaften/Upgrades bescheren und sich von Run zu Run unterscheiden. Was „Returnal“ allerdings so einzigartig macht, ist nicht nur das komplexe und gleichzeitig sehr intuitive Gameplay, sondern die Verwebung von Story, World Building und rasanter Action. Während das erste Biom mit seinem einzigartigen Design noch an eine Kreation von H.R. Giger bzw. einen Schauplatz aus "Prometheus" bzw. "Alien" erinnert, werdet ihr im Spielverlauf noch durch Wandwelten, zerstörte Zitadellen, Eiswelten usw. gelotst. Jedes Biom drückt auch dem Spiel mit seinen abwechslungsreichen Widersachern, seinen individuellen Räumlichkeiten und der jeweiligen Weitläufigkeit bzw. Enge einen eigenen Stempel auf. Dabei bildet die Geschichte um Protagonistin Selen tatsächlich den roten Faden, der auch emotional durchs Spiel führt. Dank Audio-Logs, die Selenes „Vorgänger-Inkarnationen“ in der Welt hinterlassen, entfaltet sich ein lynchmäßiges Story-Konstrukt mit rätselhaften, doppelbödigen Sequenzen, die mich auch emotional deutlich mehr gepackt haben, als ich es erwartet habe. Dass sich das Entwicklerstudio Housemarque hier einen Narrative Experten von Remedy ("Control", "Alan Wake") gesichert hat, zahlt sich komplett aus.

Der zu Beginn angesprochene Sog des Spiels wird auch durch die brillante audiovisuelle Präsentation des Spiels perfekt festgehalten. Keine Frage: Schon alleine durch die Arcade-Vergangenheit weiß Housemarque extrem gut, wie sie Action möglichst spektakulär inszenieren und auffangen. Und tatsächlich ist das rasante Spieltempo, gekoppelt mit der detaillierten Spielwelt, den abwechslungsreichen Widersachern sowie der teilweise unfassbaren Anzahl an audiovisuellen Projektilen einfach ein absolutes Fest für die Sinne. Besonders herauszuheben ist das brillante Sound-Design des Spiels, das tatsächlich zum Besten gehört, was wir in der PlayStation 5-Ära bisher zu Ohren bekommen haben. Der fast schon kinetische Sound von Projektilen, die dank 3D-Audio perfekt zu verorten sind, der melancholische Soundtrack in den emotionalen Selene-Szenen oder der befreiende Sound, wenn der Alt-Fire-Modus endlich wieder bereit ist: "Returnal" liefert sowohl visuell als auch auditiv auf allerhöchstem Level ab. Dazu gehört die DualSense-Implementation zum Besten, was wir auf der PlayStation 5 seit Astro’s Playroom serviert bekommen haben.

Returnal Sentinel Combat
So sieht "Returnal" in Action aus!      Sony Playstation
 

Returnal: Der erbarmungslose Run | Ist der Preis gerechtfertigt?

Aufgrund seiner Roguelite-Natur ist es deshalb super schwierig abzuschätzen, wie lange jeder Spieler bzw. jede Spielerinnen für einen kompletten Run tatsächlich benötigt. Im Vorfeld des Erscheinungstermins wurde lautstark darüber debatiert, ob der Preis von 70 Euro für „Returnal“ überzogen sei. Zumindest dahingehend müssen wir entkräftgen: "Returnal" fühlt sich trotz seiner prozeduralen Elemente wie ein komplettes Spielerlebnis an und bietet mit Daily Challenges & Highscores auch gewissermaßen Endgame-Content an. Für die großartige Qualität von Housemarques ersten AAA-Spiel ist Vollpreis unserer Meinung nach deshalb durchaus angemessen. Spieler*innen sollten sich aber natürlich im klaren Sein, was es bedeutet ein Roguelite zu zocken.

Ein Aspekt von Housemarques PS5-Ausnahmespiel fiel uns dennoch übel auf: Die Verantwortlichen bezeichnen jeden Run bei „Returnal“ als Zyklus. Somit solltet ihr im Idealfall auch das komplette Spiel in einem Zyklus durchzocken, was zwar machbar ist, aber trotz Shortcuts usw. alles andere als einfach und natürlich auch dementsprechend zeitaufwendig. Housemarque hat bewusst auf eine Speicherfunktion bei „Returnal“ verzichtet: Das heißt konkret, dass ihr den kompletten Spielfortschritt verliert, solltet ihr die PlayStation 5 ausschalten bzw. das Spiel an irgendeiner Stelle beenden. Ihr könnt den Fortschrittsverlust nur umgehen, wenn ihr die PS5 in den Rest-Mode versetzt, was ehrlicherweise aber ein fauler Kompromiss ist und dazu wegen der Energieverschwendung und der mangelhaften Verlässlichkeit des PS5-Rest-Modes noch zusätzlich ein Ärgernis. Dass „Returnal“ euch euren aktuellen Run nicht einfach da fortsetzen lassen lässt, wo man den letzten Run beendet hat, wie bspw. beim exzellenten Roguelite-Ausnahmespiel „Hades“, ist in unseren Augen tatsächlich relativ unverständlich. Hoffentlich bessert Housemarque da noch nachträglich nach.

 

Fazit zu "Returnal"

Entwickler Housemarque gelingt mit ihrem ersten AAA-Spiel auf der PlayStation 5 ein absoluter Volltreffer. Das Roguelite-Sci-Fi-Abenteuer begeistert mit einer faszinierenden Spielwelt, beinharter Action, einer intensiven Atmosphäre und einer brillanten audiovisuellen Präsentation mit großartiger DualSense-Implementierung. Kein Run gleicht auf dem Alien-Planeten Atropus dem Nächsten und mit jedem Tod bzw. jedem Fortschritt kommt man den Kern der emotionalen Story von „Returnal“ ein Stück näher. Ob das Spiel tatsächlich Vollpreis Wert ist aus unserer Sicht deshalb weniger eine Frage des Umfangs oder der Qualität, sondern eher der Präferenz des jeweiligen Spielers bzw. der jeweiligen Spielerin geschuldet und ob man sich der Natur eines Roguelite-Spiels tatsächlich aussetzen möchte. Trotz seiner komplexen Spielmechanismen und dem grandiosen Sog, den „Returnal“ entfalten kann, hat es uns geärgert, dass Housemarque keine (bzw. mit dem Rest Mode nur eine extrem suboptimale) Speicherfunktion ins Spiel integriert hat. Trotzdem sprechen wir eine klare Kaufempfehlung aus: "Returnal" ist das erste große Exklusivhighlight für die PS5 im Jahr 2021.

Test: David Rams

"Returnal" erscheint am 30. April 2021 exklusiv für PlayStation 5. Einen Trailer zum Kampfsystem des Spiels seht ihr hier:

 


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