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Fernsehen

Putzig, hungrig, tödlich: Dieser Chaos-Kultfilm läutet heute die Vorweihnachtszeit ein

Eine simple, aber geniale Idee, Spielberg-Magie und Weihnachtsfeeling sorgten 1984 für einen Kultfilm, der auch heute noch hervorragend funktioniert.

Postermotiv zu „Gremlins“.
Fängt süß an, wird dann aber schnell schaurig. Foto: TMDB

Es beginnt – wie so viele Weihnachtsgeschichten – mit einem Geschenk. Der liebenswerte, aber chronisch erfolglose Erfinder Randall Peltzer (Hoyt Axton) sucht im verschneiten Chinatown nach etwas Besonderem für seinen Sohn Billy. Statt eines gewöhnlichen Präsents bekommt er Gizmo, ein niedliches, flauschiges Wesen namens Mogwai.

Doch der freundliche Ladenbesitzer warnt eindringlich: Kein helles Licht. Kein Wasser. Und niemals – wirklich niemals – nach Mitternacht füttern.

Natürlich gehen alle drei Regeln schief. Und so verwandelt sich die beschauliche US-Kleinstadt Kingston Falls über Nacht in ein chaotisches Schlachtfeld aus grellgrünen Mini-Monstern, explodierenden Mikrowellen und purer Anarchie.

Zwischen Weihnachtsidylle und Monsterwahnsinn

Als „Gremlins“ im Sommer 1984 in die Kinos kam, rechnete niemand damit, dass dieser Film einmal zu einem festen Bestandteil der weihnachtlichen Popkultur werden würde.

Regisseur Joe Dante, der zuvor mit „Piranha“ und „The Howling“ die Horrorwelt aufgemischt hatte, inszenierte gemeinsam mit Produzent Steven Spielberg eine ungezähmte Mischung aus Komödie, Grusel und Gesellschaftssatire.

Die Geschichte beginnt wie eine amerikanische Familienkomödie – mit festlicher Beleuchtung, heißer Schokolade und klassischen Weihnachtsliedern. Doch sobald Gizmo versehentlich nass wird und sich aus seinem Fell kleine, boshaft grinsende Doppelgänger bilden, kippt die Stimmung.

Was folgt, ist ein wilder Mix aus Puppenblut, Chaos und schwarzem Humor, der nicht nur Billys Familie, sondern gleich die ganze Stadt ins Verderben stürzt.

Ein Familienfilm, der keiner sein wollte

„Gremlins“ ist einer dieser seltenen Filme, die zwei Extreme gleichzeitig bedienen: kindliches Staunen und echten Schrecken.

Joe Dante inszeniert Szenen, die aus einem Albtraum stammen könnten – etwa wenn Billys Mutter in der Küche gegen eine Horde Mini-Monster kämpft, bewaffnet mit Mixer, Messer und Mikrowelle. Das wirkt zunächst hftig heftig, doch Dante versieht ihn mit einer ironischen Note: Es ist Horror mit Augenzwinkern.

Diese Balance war 1984 so neu, dass der Film gemeinsam mit „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ zur Einführung der PG-13-Altersfreigabe führte. Hollywood hatte erkannt: Zwischen „Kinderfilm“ und „Erwachsenenfilm“ gibt es eine ganze Grauzone – und „Gremlins“ bevölkerte sie mit einer Heerschar von kreischenden Ungeheuern.

Joe Dante und die Lust am Chaos

Hinter all dem Schleim und Gelächter steckt eine klare Handschrift: Joe Dantes Liebe zum Chaos. Wo andere Regisseure Ordnung schaffen, feiert Dante das Gegenteil – den Zusammenbruch des Systems, den Triumph der Anarchie.

Seine „Gremlins“ sind keine bloßen Monster, sondern Symbolfiguren für das Unberechenbare im Alltag. Sie zerstören Kaffeemaschinen, Kinos, Weihnachtsbäume – und vor allem das Gefühl von Sicherheit, das die US-Kleinstadt-Idylle so sehr beschwört.

Die Parallelen zu „Ist das Leben nicht schön?“ sind offensichtlich: Auch „Gremlins“ spielt in einer verschneiten Kleinstadt, doch statt warmherziger Botschaften gibt es hier abgründige Satire über Konsum, Technik und menschliche Hybris.

„Ihr behandelt den Mogwai so, wie eure Gesellschaft mit der Natur umgeht“, mahnt der alte chinesische Händler am Ende des Films – eine Botschaft, mit der man nach dem Wirrwarr der letzten 90 Minuten kaum rechnet.

Gizmo vs. Gremlins – das ewige Spiel von Gut und Böse

Im Zentrum der Geschichte steht der Gegensatz zwischen Gizmo, dem herzensguten Mogwai, und seinen monströsen Nachkommen – einer Karikatur des Bösen, das aus Unachtsamkeit geboren wird.

Gizmo bleibt dabei eine Ikone der 80er, ein Symbol für kindliche Unschuld, Sanftmut und Loyalität. Doch Dante selbst hatte, wie später im Sequel „Gremlins 2“ (1990) deutlich wird, weit mehr Sympathien für die Chaoten.

Denn die kleinen Biester, die Kinosäle in Brand setzen und Weihnachtslieder grölen, sind in Wahrheit Befreite – Wesen, die keine Regeln mehr kennen, keine Grenzen und keine Moral. Sie sind pures, entfesseltes Vergnügen.

Wie Spielberg den Wahnsinn möglich machte

Dass ein Film wie „Gremlins“ überhaupt entstehen konnte, verdankt sich einem seltenen Moment filmischer Freiheit. Steven Spielberg, damals auf dem Höhepunkt seiner Macht nach „E.T.“ und „Indiana Jones“, produzierte das Projekt – und schützte Dante vor Studioeinmischungen.

Er wusste: Dantes wilder Stil würde das Publikum aufrütteln, irritieren, aber auch begeistern. Und tatsächlich – „Gremlins“ wurde zum Kultphänomen, spielte weltweit über 200 Millionen Dollar ein und machte Hauptdarsteller Zach Galligan sowie Phoebe Cates zu 80er-Ikonen.

Heute, 41 Jahre nach seinem Kinostart, ist „Gremlins“ mehr als nur ein Horror-Klassiker – er ist eine festliche Tradition für alle, die genug von braven Weihnachtsgeschichten haben.

„Gremlins“ läuft heute um 22:15 Uhr auf Super RTL. Alternativ gibt es bei Amazon auch ein „Gremlins“-Doppelpack auf Blu-Ray.

Quellen
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