News

Kein „Tatort“ heute: ARD strahlt stattdessen einen schockierenden „Polizeiruf“ aus

Harter Tobak im „Polizeiruf“ diese Woche: Es wird ein fiktiver Amoklauf an einer Schule gezeigt. Ist dieser Ansatz authentisch oder eher geschmacklos?

Ein junger Mann in einer blauen Trainingsjacke steht mit einer Schusswaffe in der Hand an der Wand eines Schulkorridors.
Kaum zu glauben: Der dieswöchige „Polizeiruf“ überschattet den „Tatort“ – und das um Längen! Foto: MDR/filmpool fiction/Stefan Erhard

Während der „Tatort“ letzte Woche kaum begeistern konnte, bekommt man diese Woche einen „Polizeiruf“ aus Magdeburg, der mit der schockierenden Darstellung eines Amoklaufs an einer Schule aufwartet. Wie schaut sich der sehr kondensierte Fall „Sie sind unter uns“ – und versucht man nur durch Effekthascherei zu schockieren?

„Polizeiruf 110“: Was passiert in „Sie sind unter uns“

Jeremy (Mikke Rasch) hat mit allerlei Problemen zu kämpfen: Neben schlechten Leistungen in der Schule, muss er sich auch um seine an MS-erkrankte Mutter (Maja Beckmann) kümmern. Und in diesem überforderten Jungen schlummert ein perfider Plan: Mit einer Kamera und einer Schusswaffe ausgerüstet, zieht er in seine Schule und fängt Schüler und Schülerinnen, sowie das Kollegium zu erschießen. Seine Beweggründe? Unklar. Nun liegt es an den Hauptkommissaren Brasch (Claudia Michelsen) und Lemp (Felix Vortler) herauszufinden, wo Jeremys Motiv liegt und wie man ihn aufhalten kann. Ein Spiel gegen die Zeit beginnt …

„Polizeiruf 110“: Notwendige Ernsthaftigkeit ist vorhanden

Es ist schwer zu glauben, dass der B-Waren „Tatort“ namens „Polizeiruf“ es tatsächlich vermag, einen Fall ins Fernsehen zu hieven, der so viel besser als jeder „Tatort“ der letzten paar Monate ist – Wiederholungen ausgenommen. Denn die größte Stärke des dieswöchigen „Polizeiruf“ ist, dass er einen sehr kondensierten Fall erzählt. Es ist nichts Neues, dass in diesen Fällen der Täter und seine Tat meist größer sind als die Ermittelnden. Und im Falle der Darstellung eines fiktionalen Amoklaufs ist kein Platz für unnötige Charakterzeichnung des Ermittlerteams. Man verliert sich nicht, wie sonst, in hunderten verschiedensten Nebenplots, sondern hat eine rote, stringente Linie: Ein Junge läuft Amok und der Amoklauf muss gestoppt werden. Kein Platz für forcierten Humor, sinnloses Charakterdrama oder anderen Quatsch. Und diese Ernsthaftigkeit, mit der das Thema „Amoklauf“ angefasst wird, mündet in einer sehr kompetenten Inszenierung.

„Polizeiruf 110“: Große Ambitionen, hohes Niveau

Selbstverständlich ist dieser „Polizeiruf“ nicht immun gegen die üblichen Schuss-Gegenschuss-Einstellungen, aber dazwischen gibt es mehr als genug inszenatorische Lichtblicke. Es gibt Gegenschnitte, die die sonst dröge dargestellten Gespräche auflockern und Kamerafahrten, die sich während der Dialoge im Kreis, um die Darsteller und Darstellerinnen drehen – und das während sich die Figuren inhaltlich im Kreis drehen. Dazu kommt gute Tonarbeit gleich zum Anfang, die den Stress, während einer Klausur, sehr gut darstellt. Ebenso wenn Jeremy im Auto sitzt und der kalte Wind am Auto vorbeirauscht.  

Dazu gesellen sich Montagen, die das Leiden aller Charaktere zeigen, ohne dabei ein Wort zu verlieren und kleine Momente, wie ein Schüler und eine Schülerin, die sich während einer Geiselnahme langsam an die Hände nehmen. Das trägt alles zur kontinuierlichen Spannung bei.

„Polizeiruf 110“: „Sie sind unter uns“ gelingt etwas, woran fast alle scheitern

Dass der Fall bereits mehr als ernst genommen wird, wurde ja bereits angemerkt. Dies ist normalerweise einer der großen Hürden, an den viele Fälle scheitern. Woran der „Tatort“ und „Polizeiruf“ aber auch häufig scheitern, ist die authentische Darstellung von Jugendlichen. Auch hier zeigt sich „Sie sind unter uns“ von seiner besten Seite, denn die Darstellung aller Schüler und Schülerinnen ist mehr als authentisch. Das fängt nicht nur beim Schauspiel an, sondern bezieht sich auch darauf, wie sie ausgestattet wurden. Jeremy und all seine Mitschüler und Mitschülerinnen könnten dir und mir nicht nur in Magdeburg, sondern überall in Deutschland so über den Weg laufen.

„Polizeiruf 110“: Wie Schuppen von den Augen

Und als wäre all das Lob nicht genug, gelingt es „Sie sind unter uns“ die Zusehenden an der Nase herumzuführen. Ohne zu viel zu verraten, kann man sagen, dass der „Polizeiruf“ einem Auflösungen bietet, die am Anfang absurd wirken, aber dann spätestens im Epilog Sinn ergeben. Es ist selten, dass man einen ARD-Krimi schaut und sich danach schon etwas dämlich vorkommt, dass man tatsächlich das geglaubt hat, was einem serviert wurde.

„Polizeiruf 110“: Geschmacklos oder wichtig?

Auch wenn Amokläufe nicht sehr häufig in deutschen Schulen stattfinden, ist es trotzdem wichtig, sich damit auseinanderzusetzen, da so etwas jederzeit passieren könnte. Dementsprechend ist es ebenso wichtig im Auge zu behalten, dass die Beweggründe der Amokläufer und Amokläuferinnen heutzutage weitaus andere sein könnten, als noch vor vielen Jahren. Da ist es umso beeindruckender, dass es sich ein „Polizeiruf“ auf die Fahne schreibt, Aufklärung bezüglich dieser Themen zu betreiben. Dabei darf man nie vergessen, dass „Sie sind unter uns“ es stets schafft spannend, aber nie effekthascherisch zu sein.

Man kann über „Sie sind unter uns“ sagen, dass man es hier mit einem wichtigen Fall zu tun hat, der perfekt in das Fahrwasser passt, das gerade von Serien wie „Adolescence“ aufgestoßen wurden. Ein „Polizeiruf“ wie kein anderer – authentisch, immersiv, schockierend und nie gewaltverherrlichend.

Idris Elba in der 2026-Version von Masters of the Universe - Foto: Sony Pictures International/Amazon MGM Studios
Filme
Im Kino ein Flop, bei Amazon jetzt Bestseller: Dieser Film atmet Kult aus jeder seiner Poren

Nur weil ein Film im Kino floppt, heißt nicht zwangsläufig, dass er schlecht ist. Das beweist „Masters of the Universe", der aktuell auf Amazon die Vorbesteller-Bestsellerliste dominiert.

Sybylla und Harry führen ein hitziges Gespräch und kommen sich sehr nah. - Foto: Netflix
Serien-News
„Meine brillante Karriere“ auf Netflix: Start, Handlung und Cast der Buchverfilmung

Fans von Buchverfilmungen dürfen sich freuen: Mit „Meine brillante Karriere“ bringt Netflix schon bald den nächsten Klassiker an den Start. Was bisher zu Start, Handlung und Cast bekannt ist!

Nina und Toni sitzen nebeneinander auf dem Bett. - Foto: RTL / Rolf Baumgartner
Vorschau
GZSZ: Logiklücke aufgeklärt, doch ein Detail verwirrt nach wie vor

Nachdem Nina bei GZSZ endlich alles gestanden hat, wird auch das Rätsel um die DNA-Probe aufgelöst. Doch zufriedenstellend ist das nicht für alle ...

Grace und Will sitzen in einem Wald und reden. - Foto: Netflix
Neu auf Netflix
„Die Karte der Sehnsüchte“: Erhält die Buchverfilmung eine Staffel 2?

Wie stehen die Chancen auf eine zweite Staffel von „Die Karte der Sehnsüchte“? Wir haben alle Informationen zur möglichen Fortsetzung der Netflix-Serie für euch!

Adam Driver macht eine ähnliche Handgeste wie James McAvoys Magneto.  - Foto:   IMAGO / ZUMA Press Wire und IMAGO / Ronald Grant
Kevin Feige bleibt feige
Adam Driver wird NICHT Magneto? „Star Wars“-Star hat gar keinen Bock auf Marvel

Für manche ist es eine Ehre, Teil des MCU zu sein, doch Adam Driver scheint diese Ehre herzlich egal zu sein …

 Frau Stockl (Marisa Burger), Sekretärin der Rosenheim-Cops, versteckt sich hinter einem Eimer.  - Foto: Erika Hauri/ZDF
Karin Thaler verrät Details!
„Rosenheim-Cops“-Aus: Karin Thaler bestätigt, was viele Fans befürchtet haben

Der Abschied von Frau Stockl rückt näher: Karin Thaler verrät mit einem Instagram-Post ein neues Detail zu Marisa Burgers letzten „Rosenheim-Cops“-Folgen – und Fans reagieren emotional.