Humorlos statt genial: Remake einer Kult-Satire wird zum drögen Sci-Fi-Drama – das Original gibt es heute im TV
Hollywood ist mal wieder im Remake-Wahn. Doch diesmal vergisst man völlig, was das Original so großartig gemacht hat.

Hollywood hat wieder zugeschlagen – und diesmal trifft es „Starship Troopers“. Der Kultfilm von Paul Verhoeven aus dem Jahr 1997 gilt als eine der schärfsten Satiren der Kinogeschichte. Eine Mischung aus Science-Fiction, Splatter und bitterer Medienkritik, die mit überzogener Militärpropaganda den Faschismus aufs Korn nahm – und dabei auch noch spektakulär unterhielt.
Nun soll das Ganze neu aufgelegt werden. Doch was Fans aufhorchen lässt, ist weniger der Remake-Plan selbst als die Richtung: Die Satire soll gestrichen werden. Statt Ironie und Zynismus will das Studio offenbar ein ernsthaftes, militärisch geprägtes Weltraumdrama auf die Beine stellen.
Aus Satire wird Pathos
Das Original zeigte eine Zukunft, in der junge Menschen in patriotischer Euphorie in den Krieg gegen außerirdische „Bugs“ ziehen – eine klare Parodie auf blinden Gehorsam und Propaganda.
Verhoeven inszenierte das Ganze mit einem überdrehten Werbeclip-Stil und einer fast komischen Gewaltorgie. Das Ergebnis: ein zeitloser Film, der sich einerseits nicht zu ernst nimmt und zeitgleich auch mit seinen starken Actionszenen überzeugen kann.
Doch im geplanten Remake soll all das verschwinden. Statt Selbstironie setzt man laut Branchenberichten auf Ernsthaftigkeit, Militärglanz und patriotische Heldenposen. Eine Entscheidung, die bei vielen Cineasten Kopfschütteln auslöst – schließlich war die satirische Brechung das, was „Starship Troopers“ überhaupt besonders machte.
Neill Blomkamp übernimmt
Als Regisseur ist Neill Blomkamp im Gespräch – bekannt durch „District 9“ und „Elysium“, zwei Filme, die sich durch ihre gesellschaftskritische Haltung auszeichnen. Ironischerweise soll er nun also ein Projekt leiten, dem genau diese Haltung genommen wurde.
Laut US-Medien will das Studio Sony die Neuauflage stärker an Robert A. Heinleins Originalroman von 1959 anlehnen – ein Werk, das wegen seiner militaristischen Tendenzen schon damals umstritten war.
Statt einer cleveren Satire über Nationalismus könnte also ein glorifizierendes Weltraum-Militärdrama entstehen. Warum man dafür ausgerechnet Blomkamp auswählt, bleibt fraglich – sein Stil lebt schließlich von sozialer Schärfe, nicht von uniformiertem Pathos.
Das Original bleibt unerreicht
Wer verstehen will, warum „Starship Troopers“ Kultstatus genießt, sollte das Original sehen – heute Abend um 22:40 Uhr auf Kabel 1 oder im Stream auf Disney+. Ganze Generationen von Zuschauern haben die satirische Ebene zunächst gar nicht bemerkt – und genau das macht den Film so brillant. Er ist sowohl Actionfeuerwerk als auch bitterböse Medienparodie.










