„Horizon“-Vergewaltigungsszene gegen ihren Willen: Stuntfrau verklagt Kevin Costner

Eine Szene, die nicht im Drehbuch stand, wird zum zentralen Gegenstand eines Prozesses: Stuntfrau Devyn LaBella erhebt schwere Vorwürfe gegen Kevin Costner.

Kevin Costner in „Horizon“ in Cowboy-Kluft auf dem Rücken eines Pferdes.
Kevin Costner in „Horizon“. Foto: themoviedb.org

Die Western-Saga „Horizon: An American Saga“ war für Kevin Costner ein Herzensprojekt, wie er uns im Interview verriet. Nun gibt es juristische Probleme, die der Zukunft des Projekts im Weg stehen könnten.

Die erfahrene Stuntfrau Devyn LaBella hat Klage eingereicht. Ihr Vorwurf: Sie sei auf dem Set von „Horizon 2“ Opfer einer nicht abgesprochenen, brutalen Vergewaltigungsszene geworden. Regie führte an jenem Tag kein Geringerer als Costner selbst.

Ohne Absprache und ohne Schutz

Laut Klageschrift kam es am 2. Mai 2023 während der Dreharbeiten in Utah zu einem Vorfall, der die Branchenstandards grob verletzt haben soll. LaBella, Mitglied der Schauspielergewerkschaft SAG-AFTRA, war als Stuntdouble für Hauptdarstellerin Ella Hunt engagiert. Als diese eine plötzliche Änderung im Drehbuch ablehnte und das Set verließ, sprang LaBella auf Anweisung von Costner ein - angeblich nur, um „eine Kameraeinstellung vorzubereiten“.

Was folgte, sei jedoch eine tatsächliche, mehrfach gedrehte Vergewaltigungsszene gewesen, bei der es weder eine Intimitätskoordinatorin noch eine geschützte, geschlossene Umgebung gab. LaBella trug moderne Unterwäsche, wurde nach eigenen Angaben entblößt und fühlte sich der Situation hilflos ausgeliefert. Besonders demütigend sei für sie gewesen, dass sie während der Aufnahmen ihre Periode hatte und der männliche Schauspielpartner körperlich engen Kontakt zu ihrem Unterleib hatte. Zwischen den Takes habe er seine Hände sogar auf ihrem Rock abgelegt.

LaBella gab nie ihre Zustimmung

Die Szene war laut der Klägerin weder geplant noch vorbereitet. Die Kostümabteilung sei überrascht gewesen, die Intimitätskoordination nicht einmal informiert. Auch Ella Hunt, für die LaBella ursprünglich einsprang, soll völlig überrumpelt gewesen sein. Sie verließ laut Klage das Set, nachdem sie sich geweigert hatte, die Szene mitzuspielen.

LaBella spricht von nachhaltigem emotionalem Schaden, vom Ende einer mühsam aufgebauten Karriere und von einer gezielten Strafmaßnahme: Nach ihrer Beschwerde sei sie von weiteren Arbeiten am Projekt ausgeschlossen worden. Produzenten wie New Line Cinema und Territory Pictures werden neben Costner als Mitverantwortliche genannt.

Costners Seite reagiert uneinsichtig

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Kevin Costners langjähriger Anwalt Marty Singer konterte die Vorwürfe direkt. Er spricht von einem „absolut haltlosen“ Vorwurf und nennt die Klage einen Erpressungsversuch. LaBella habe der Szene angeblich vorab zugestimmt und ihren Vorgesetzten sogar mit einem „Daumen hoch“ signalisiert, dass sie einverstanden sei. Auch nach der Szene habe sie sich laut Singer völlig unauffällig verhalten und sei mit dem Team essen gegangen. Am Abend verschickte LaBella laut Singer noch eine Dank-SMS an den Stunt-Koordinator.

Laut Singer sei LaBella eine „Serienanklägerin“ mit bekannten Anwälten, die bereits in anderen Fällen aufgetreten seien. Die Beweislage sei auf Seiten von Costner eindeutig, der die Sicherheit seiner Teams stets ernst nehme. Man sei zuversichtlich, dass der Schauspieler den Prozess gewinnen werde.

Das Ende von „Horizon“?

Für LaBellas Anwältin Kate McFarlane ist der Fall jedoch ein deutliches Symptom für ein systemisches Problem in Hollywood. Frauen würden nach wie vor nicht ausreichend geschützt, obwohl es klare Regeln für Dreharbeiten mit sexuellen Inhalten gebe. In diesem Fall, so McFarlane, seien alle wichtigen Schutzmechanismen ignoriert worden.

Ob die Klage außergerichtlich beigelegt wird, ist unklar. Sollte es zum Prozess kommen, dürfte dieser das ohnehin angeschlagene Image von Costners „Horizon“-Projekt weiter belasten. Der erste Teil blieb an den Kinokassen hinter den Erwartungen zurück, Teil zwei hat derzeit kein offizielles Startdatum. Es wäre denkbar, dass der Prozess nun dafür sorgt, dass die zwei weiteren geplanten Filme nie verwirklicht werden.

Costner, dessen erfolgreiche „Yellowstone“-Laufbahn wegen „Horizon“ endete, äußerte sich noch nicht öffentlich zu den Vorwürfen.

Hinweis der Redaktion: Wenn du selbst Opfer von sexuellen Übergriffen oder Missbrauch wurdest, kannst du dich an das „Hilfetelefon für Opfer sexuellen Missbrauchs“ wenden. Dieses erreichst du telefonisch unter 0800-22 55 530 oder per E-Mail an beratung@hilfetelefon-missbrauch.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.

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