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Filme

Here: Künstliche Gesichter mit echten Emotionen | Kritik zum Drama mit Tom Hanks

In „Here“ gibt es nur eine unbewegliche Kamera. Die Welt um sie herum bewegt sich dafür rasend schnell, und so erleben wir, wie sich ein Ort von der Urzeit bis in die Gegenwart verändert. Glückt der Mix aus technischer Spielerei und Theaterstück?

Here
Ganz normale Teenager: Robin Wright und Tom Hanks Foto: DCM

Forrest Gump, „Zurück in die Zukunft“, „Cast Away“ – die frühen Filme von Regisseur Robert Zemeckis sind bedeutende Teile der Filmgeschichte. Eine derartige Erfolgssträhne bringt Regisseuren oft einen Freifahrtschein in Hollywood ein, und tatsächlich kann sich Zemeckis auch heutzutage nicht über zu wenig Arbeit beschweren. Doch ein Erfolgsgarant ist sein Name schon länger nicht mehr, denn sein Faible für eigenwillige Passionsprojekte erweist sich nicht selten als Kassengift.

Vor allem technisch will Zemeckis viel wagen, wie schon „Der Polarexpress“ bewies. Ein computeranimierter Weihnachtsfilm – so weit nicht ungewöhnlich. Doch Zemeckis sah das Potenzial vor allem im Motion-Capture-Verfahren und ließ Tom Hanks die Gestik und Mimik für gleich sechs unterschiedliche Figuren vorspielen, selbst für die achtjährige Hauptfigur.

Auch seine nächsten Filme, „Die Legende von Beowulf“ und „Disneys Eine Weihnachtsgeschichte“, sollten dank Motion Capture realistische Figuren mit den Möglichkeiten des Animationsfilms verbinden. Das Ergebnis stieß auf wenig Gegenliebe, denn die Charaktere sahen einerseits echt und andererseits eindeutig künstlich aus – die Rede ist hier vom Uncanny-Valley-Effekt.

Robert Zemeckis kann es einfach nicht lassen

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Video: DCM

Auch heutzutage setzt Robert Zemeckis gerne auf das Motion-Capture-Verfahren, doch für „Here“ überlegte er sich einen anderen technischen Kniff. Basierend auf der Graphic Novel von Richard McGuire erzählt der Film von einem festen Ort. Dort steht eine Kamera, die sich nicht bewegt und zeigt, wie sich die Welt um sie herum verändert. Von Dinosauriern über amerikanische Ureinwohner bis zu den Bewohnern des Hauses, das eines Tages an dieser Stelle errichtet wurde – „Here“ ist eher ein Erlebnis als ein klassischer Film, denn eine Rahmenhandlung gibt es nicht.

Allerdings liegt der Fokus schon recht klar auf der Familie Young, die 70 Jahre lang mit mehreren Generationen das Haus bewohnt. Durch den Verzicht auf eine bewegliche Kamera weckt „Here“ Erinnerungen an ein Theaterstück, und auch das Schauspiel und die Dialoge können gelegentlich als „theatralisch“ bezeichnet werden. Was auf der Bühne funktioniert, wirkt in einem Film leicht übertrieben, daran muss man sich erst gewöhnen.

Noch gewöhnungsbedürftiger ist jedoch der erste Auftritt von Tom Hanks und Robin Wright als Teenager. Das „Forrest Gump“-Duo wurde für „Here“ digital verjüngt – mit bescheidenem Erfolg. Die Gesichter sehen nicht nur falsch und künstlich aus, man nimmt ihnen ihr vorgesehenes junges Alter auch nie ab. 45? Vielleicht. 17? Ganz sicher nicht!

In diesem Clip könnt ihr euch selbst ein Bild von der digitalen Mimik machen:

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Video: DCM

Erschwerend kommt hinzu, dass die Stimmen von Hanks und Wright nicht angepasst wurden. Hanks spielt also einen Teenager mit der Stimme eines 68-jährigen Mannes. Hier wollte Robert Zemeckis einfach zu viel. Die Idee, dieselben Schauspieler ihre Rollen in mehreren Lebensabschnitten spielen zu lassen, ist nicht neu, doch wirklich überzeugend war die technische Umsetzung bisher noch nie. Tote Augen oder Wachs-Gesichter lassen einen nicht staunen, sondern ziehen einen nur aus dem Geschehen heraus. Funktioniert hat es nur in „Boyhood“, da Richard Linklater seinen Film tatsächlich im Verlauf von elf Jahren drehte – die Schauspieler alterten also tatsächlich vor der Kamera.

Gebt euren Zynismus an der Kinokasse ab

Sobald man das Aussehen von Hanks und Wright akzeptiert hat (die digitale Verjüngung wird nach und nach auch weniger extrem), ist „Here“ auf der erzählerischen und schauspielerischen Ebene ein Film mit sehr viel Herz. Vergraben unter Zemeckis' technischen Experimenten liegt hier eine ambitioniert erzählte, sehr intime Geschichte, die eine gerade in der zweiten Hälfte zu Tränen rührt.

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„Here“ scheint ein wenig aus der Zeit gefallen zu sein, denn durch sein Konzept gehört der Film zweifellos in die Gegenwart, während die Erzählung selbst aus einer Zeit zu stammen scheint, in der das Kinopublikum noch deutlich weniger zynisch war. In den Neunzigern wäre „Here“ sicher zum Hit geworden, heutzutage wird der Film eher belächelt und lief, zumindest an den US-Kinokassen, unter dem Radar. Zu Unrecht, denn letztendlich entfaltet „Here“ mit seinem Strudel aus Zeiten und Figuren seine Wirkung und hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

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